Kenule Beeson Saro-Wiwa wurde am 10. Oktober 1941 in Bori, im nigerianischen Bundesstaat Rivers, geboren. In einer typisch afrikanischen Großfamilie aufgewachsen, war Saro-Wiwa von kleinauf an Selbstverantwortung gewöhnt. Der begabte junge Mann besuchte die Universität Ibadan und übernahm nach seinem Examen 1965 ein Lehramt an seiner alten Schule in Umuahia in Südost-Nigeria. Später lehrte er an Universitäten in Lagos und Ost-Nigeria.
Doch berühmt wurde Saro-Wiwa durch seine humorvollen und teils bitter satirischen Kurzgeschichten und Stücke. Viele Nigerianer kennen ihn als den Schöpfer der populären TV-Story "Basi and Company", die im staatlichen nigerianischen Fernsehen lief. "Ich glaube an die Satire als Waffe im politischen Kampf", so Saro-Wiwa über sein Selbstverständnis als Schriftsteller. "Was denn tut ein Satiriker? Der Satiriker hält der Gesellschaft einen Zerrspiegel vor, die dann erschrickt, wenn sie sich dann darin wiedererkennt. Und es gibt viele, die sich erschrecken sollten in Nigeria", fügte er hinzu.
Seine letzte Stellungnahme vor Gericht ähnelte der Erklärung, die einst der Kämpfer gegen die Rassentrennung, Südafrikas Präsident Nelson Mandela, vor seiner Verurteilung abgab. "Meine intellektuelle Kraft und alle verfügbaren Mittel, ja mein Leben habe ich einer Aufgabe gewidmet, an die ich fest glaube und die ich weder unter Erpressung noch durch Einschüchterung aufgebe", erklärte der international geachtete Kämpfer für Umweltschutz und Menschenrechte vor dem Militärtribunal.
Beim Prozeß ging es um den Tod mehrerer Ogoni-Führer, die bei Unruhen während einer Demonstration im Mai ums Leben gekommen waren. Von 14 wegen Mordes oder Anstiftung zum Mord angeklagten Menschenrechtlern wurden fünf freigesprochen. Die übrigen wurden zum Tode durch den Strang verurteilt. Viele Menschenrechtsgruppen sprachen schon im Vorfeld des Prozesses von einem politisch motivierten Verfahren.
Enttäuscht von dem späten - und für Saro-Wiwa zu späten - zornigen Aufschrei der Commonwealth-Vertreter erklärte der Sohn des Menschenrechtlers, Ken Wiwa, statt Diplomatie zu betreiben hätte die Gemeinschaft das Leben seines Vaters retten müssen. Und zugleich zitierte er aus den letzten schriftlichen Erklärungen seines Vaters: "Nigerianisches Öl ist es, was die nigerianischen Militärdikatoren hält, was sie überleben läßt, auch wenn sie keine Steuern erheben und Mißwirtschaft im wahrsten Sinne des Wortes betreiben." Foto: dpa