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Ken Saro-Wiwa:

Mutiger Kämpfer für Menschenrechte

Port Harcourt (Reuter) - Nicht er - sondern der Ölkonzern Shell gehöre in Wahrheit auf die Anklagebank, verteidigte sich der wegen angeblicher Anstiftung zum Mord in Nigeria angeklagte Schriftsteller und Vorkämpfer für Demokratie und Menschenrechte, Ken Saro-Wiwa. Die Richter des Militärregimes hatten jedoch weder ein Einsehen noch kannten sie Gnade - internationale Appelle rührten sie nicht. Am Freitag wurden die Todesurteile gegen den 53jährigen Träger des Alternativen Friedensnobelpreises und Vorsitzenden der Bewegung für das Überleben seines Ogoni- Volkes (MOSOP) sowie acht seiner Gefolgsleute vollstreckt.

Kenule Beeson Saro-Wiwa wurde am 10. Oktober 1941 in Bori, im nigerianischen Bundesstaat Rivers, geboren. In einer typisch afrikanischen Großfamilie aufgewachsen, war Saro-Wiwa von kleinauf an Selbstverantwortung gewöhnt. Der begabte junge Mann besuchte die Universität Ibadan und übernahm nach seinem Examen 1965 ein Lehramt an seiner alten Schule in Umuahia in Südost-Nigeria. Später lehrte er an Universitäten in Lagos und Ost-Nigeria.

Doch berühmt wurde Saro-Wiwa durch seine humorvollen und teils bitter satirischen Kurzgeschichten und Stücke. Viele Nigerianer kennen ihn als den Schöpfer der populären TV-Story "Basi and Company", die im staatlichen nigerianischen Fernsehen lief. "Ich glaube an die Satire als Waffe im politischen Kampf", so Saro-Wiwa über sein Selbstverständnis als Schriftsteller. "Was denn tut ein Satiriker? Der Satiriker hält der Gesellschaft einen Zerrspiegel vor, die dann erschrickt, wenn sie sich dann darin wiedererkennt. Und es gibt viele, die sich erschrecken sollten in Nigeria", fügte er hinzu.

Seine letzte Stellungnahme vor Gericht ähnelte der Erklärung, die einst der Kämpfer gegen die Rassentrennung, Südafrikas Präsident Nelson Mandela, vor seiner Verurteilung abgab. "Meine intellektuelle Kraft und alle verfügbaren Mittel, ja mein Leben habe ich einer Aufgabe gewidmet, an die ich fest glaube und die ich weder unter Erpressung noch durch Einschüchterung aufgebe", erklärte der international geachtete Kämpfer für Umweltschutz und Menschenrechte vor dem Militärtribunal.

Kampf gegen die umweltverpestende Ölindustrie

Im Zentrum dieses Kampfes stand die jahrzehntelange Problematik des Ölgeschäfts der großen Konzerne - und die Folgen für die Ogoni-Minderheit, die unter Vergiftung ihrer Umwelt leiden und über Entrechtung klagen. Internationale Organisationen wie Greenpeace unterstützten die Kampagne der MOSOP für eine Entschädigung der Ogoni, von denen Saro-Wiwa 1992 sagte, ihre Heimat werde durch die Öl- Ausbeutung in eine Wüste verwandelt. Der Konzern Shell hat diese Vorwürfe stets bestritten. Das Öl aus dem Boden, auf dem die 500.000 Ogoni leben, trägt mit zum Wohlstand der nigerianischen Führungseliten bei. Das Militärregime unter Präsident Sani Abacha hat zwar wiederholt die Rückkehr zur Demokratie versprochen, regiert das Land jedoch seit Jahren mit eiserner Faust.

Beim Prozeß ging es um den Tod mehrerer Ogoni-Führer, die bei Unruhen während einer Demonstration im Mai ums Leben gekommen waren. Von 14 wegen Mordes oder Anstiftung zum Mord angeklagten Menschenrechtlern wurden fünf freigesprochen. Die übrigen wurden zum Tode durch den Strang verurteilt. Viele Menschenrechtsgruppen sprachen schon im Vorfeld des Prozesses von einem politisch motivierten Verfahren.

Enttäuscht von dem späten - und für Saro-Wiwa zu späten - zornigen Aufschrei der Commonwealth-Vertreter erklärte der Sohn des Menschenrechtlers, Ken Wiwa, statt Diplomatie zu betreiben hätte die Gemeinschaft das Leben seines Vaters retten müssen. Und zugleich zitierte er aus den letzten schriftlichen Erklärungen seines Vaters: "Nigerianisches Öl ist es, was die nigerianischen Militärdikatoren hält, was sie überleben läßt, auch wenn sie keine Steuern erheben und Mißwirtschaft im wahrsten Sinne des Wortes betreiben." Foto: dpa


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