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Ein Jahr Fixerräume in Frankfurt:

Projekt lindert das Elend

Frankfurt/Main (dpa) - Andernorts sind sie heiß umstritten, in Frankfurt gehören sie seit einem Jahr zum Drogenalltag: Der bundesweit erste Raum zum hygienischen Heroinkonsum wurde Anfang Dezember 1994 im Frankfurter Osten eröffnet, zwei kamen seither hinzu, und wer sie kennt, mag sie nicht mehr missen: "Es müßte noch mehr Druckräume geben", fordert der 39jährige Norbert, der sich vor 22 Jahren erstmals Heroin in die Adern drückte. Und Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) läßt verlauten: "Es geht so weiter mit den Druckräumen, die Linie wird beibehalten."

Ganz anders sieht das Roths Parteifreund Roland Sauer, Leiter des Gesprächskreises Drogen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Ihm ist schon die offizielle Bezeichnung der Frankfurter Einrichtung - "Gesundheitsräume" - ein Dorn im Auge. "Ob man sie nun 'Gesundheitsräume', 'Drückerräume' oder 'Fixerstuben' nennt; sie alle verschaffen verbotenermaßen Gelegenheit zum unerlaubten Drogenkonsum", formulierte Unionspolitiker Sauer unter dem Titel "Zehn Argumente gegen 'Fixerräume'".

"Vollkommener Quatsch" sind solche Ansichten für Jürgen Klee, Leiter des Aidshilfe-Projekts "La Strada", das in Sichtweite des Polizeipräsidiums einen Kontaktladen mit Notschlafstelle und Druckraum betreibt. "Die Zahl der Drogentoten ist in Frankfurt deutlich stärker gefallen als überall woanders", betont Klee, "das ist ein wesentliches Verdienst der Druckräume." Die Einrichtungen verschafften auch keinen Zugang zu Drogen. Die Fixer müßten aber nicht mehr in Streß und Schmutz ihre Spritze setzen, sondern bekämen Ansprechpartner und im Notfall medizinische Hilfe.

Geringere Todesrate, weniger Notfälle, Abhängige und Kriminalität

Ein Gutachten der hessischen Generalstaatsanwaltschaft hält den Drogenhelfern dabei den Rücken frei. Für Akzeptanz und Abstimmung der städtischen Drogenpolitik sorgt schon seit Jahren die sogenannte Montagsrunde, zu der allwöchentlich Vertreter von Stadt, Polizei, Staatsanwaltschaft, Drogenhilfe und Wirtschaft zusammenkommen - in dieser Woche zum 218. Mal.

Der Leiter des Frankfurter Drogenreferats, Werner Schneider, verweist auf meßbare Erfolge des gemeinsamen Vorgehens, das Druck auf die Dealer und Hilfe für die Süchtigen kombiniert: Neben der Todesrate ist die Zahl der medizinische Notfälle zurückgegangen, verzeichnet die Polizei weniger neue Heroinabhängige, weniger Straßenraub, Autoaufbrüche und andere typische Delikte der Beschaffungskriminalität. "Es geht darum, Menschenleben zu retten und gesundheitsfördernd zu wirken", betont Schneider. Ohne die Räume würden die Süchtigen auf offener Straße fixen.

In der Moselstraße 44, unter der Leuchtreklame mit der Aufschrift "Druckraum", herrscht Hochbetrieb. Bis zu 250 Menschen kommen tagtäglich hierher, um Kokain oder Heroin oder einen Cocktail aus beidem zu injizieren, berichtet Jörg Steinmetz, Sozialpädagoge der Integrativen Drogenhilfe. Die Öffnungszeit ist unlängst auf elfeinhalb Stunden ausgedehnt worden und immer noch ist die Wartestube voll, bilden sich Schlangen vor der Tür.

Die Szene im Bahnhofsviertel umfaßt 250 bis 300 Menschen, stadtweit rechnet das Drogenreferat mit 8 000 bis 10 000 Heroinabhängigen. Die meisten sind wie Norbert schon seit Jahren dabei, haben häufig schon mehrere Therapie-Versuche hinter sich. Die Frankfurter Initiative verschafft vielen von ihnen erstmals seit Jahren wieder soziale Kontakte und einen Hauch von Sicherheit. Der 39jährige Alt-Fixer hofft bereits auf eine überwachte Freigabe des Heroins, während in Bonn gerade der Streit über einen ersten Gesetzentwurf der Grünen zum Thema Druckräume beginnt. Roland Siegloff. Foto: dpa


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