Die Nachricht von der Trennung des Ehepaars Schröder schlug am Montag morgen in Hannover wie eine Bombe ein. Sogar in der niedersächsischen SPD-Landtagsfraktion ahnte kaum einer, daß zwischen Schröder (51) und seiner Frau "Hillu" (47) etwas nicht stimmte. Sie ist "eine großartige Frau", hatte der Redierungschef noch vergangenen Woche der Republik in der ZDF-Sendung "Was nun, ...." verkündet. Oft waren beide zusammen bei politischen Veranstaltungen aufgetreten und hatten fast perfekte Harmonie demonstriert.
Aus der Umgebung Schröders wußten nach dpa-Informationen nur wenige Menschen, daß es hinter den Kulissen der Ehe wegen persönlicher Unstimmigkeiten schon seit Monaten kriselte. In den letzten drei Wochen sei es dann zu einer Verschärfung gekommen, die am Wochenende in die jetzt veröffentlichte Trennung mündete, hieß es. Das Ehepaar habe von ihren Schwierigkeiten nichts nach Außen dringen lassen, um alle Möglichkleiten auszuloten, die Ehe doch noch zu retten.
In der Riege der Politikerehen galt die Verbindung Gerhard und Hiltrud Schröder als etwas besonderes. Wie kaum eine andere Ministerpräsidentengattin stützte die 47jährige Hiltrud die Pläne ihres Mannes mit zahllosen öffentlichen Auftritten und Engagement. Die kleine, zierliche und selbstbewußte Frau hatte wiederholt in Interviews erklärt, ihr Mann sei der beste Kanzlerkandidat.
Schröder hat immer die wichtige Rolle seiner Frau auch in seinem politischen Leben unterstrichen. Einige von Schröders Mitarbeitern bestätigen das hinter vorgehaltener Hand. Wenn sich Hiltrud Schröder beim Frühstück über einen Sachverhalt aufregte, konnte der Regierungschef dann in der Staatskanzlei recht energisch werden. Hiltrud selbst gab in einem Interview zu Protokoll, lautstarke Streiterein um politische Gewissensfragen gehörten zum Familienalltag. Hans-Edzard Busemann; Foto: Reuter