Entstanden sind die Spezialdienststellen in den 70er Jahren unter dem Eindruck der Flugzeugentführung von Mogadischu und dem tödlichen Verlauf der Rammelmayr-Geiselnahme in München. Am 4. August 1971 waren der 31jährige Bankräuber Hans-Georg Rammelmayr und eine 20jährige Bankangestellte, die er als Geisel genommen hatte, getötet worden, als Polizeischarfschützen auf den Räuber schossen. "Damals ist man zu der Erkenntnis gekommen, daß die Polizei umdenken muß. Gewalt sollte nur noch das allerletzte Mittel zum Eingreifen sein, statt dessen sollten neue Wege gegangen werden - das war der Beginn der Verhandlungsgruppen in allen Bundesländern", erzählt Polizeihauptkommissar Jörg Ziemke, Leiter der Hamburger Verhandlungsgruppe, über den Ursprung der Spezialeinheiten.
Bei "Bedrohungslagen" wie Geiselnahmen versuchen die Experten zunächst, Kontakt zu dem Täter herzustellen. "Ziel ist zu erfahren, was überhaupt los ist, was der Täter will, beruhigend auf ihn einzuwirken und auf jeden Fall das Leben der Geisel zu schützen", erklärt Ziemke. "Der Täter hat ja eine unheimliche Streßsituation, er weiß nicht, was draußen los ist, und hat die Befürchtung, die Polizei dringt jeden Moment ein." Teilweise müssen Täter auch von unerfüllbaren Forderungen abgebracht und auf Fehler in ihren Planungen aufmerksam gemacht werden. "Häufig sind naive Vorstellungen da, wie schnell alles gehen soll", weiß Ziemke.
Für die Gesprächsführung werden die Mitglieder der Gruppe psychologisch geschult. Die Beamten müssen lernen, sich in die Situation anderer hineinzudenken und wissen, was in Extremsituationen in Geiselnehmer und Opfern vorgeht. Es müsse deutlich werden, daß die Polizei einen friedlichen Ausgang anstrebt.