Bernd Hölzenbein gibt auf
Ex-Nationalspieler ab 30. November nicht mehr Eintracht-Manager
Frankfurt/Main (dpa) - Manager Bernd Hölzenbein hat die Konsequenzen aus der stetigen Kritik an seiner Person gezogen. Der frühere Nationalspieler wird seine Funktion beim Fußball-Zweitligisten Eintracht Frankfurt zum 30. November aufgeben. Zu dem Termin läuft sein Vertrag bei den Hessen aus. Diese definitive Entscheidung, die er nach dem 2:2 am Montag abend beim FSV Mainz 05 traf, hatte Hölzenbein bereits am Dienstag dem neuen Eintracht-Präsidenten Hans-Joachim Otto mitgeteilt.
Mit dem Schritt kam Hölzenbein, der durch seine Personalpolitik in den letzten Jahren maßgeblich zum sportlichen Niedergang der Hessen beigetragen hatte, vermutlich einer Kündigung durch das neue Eintracht-Präsidium zuvor. "Die Kritik hat sich immer nur auf eine Person bezogen", sagte Hölzenbein am Donnerstag am Riederwald. "Die Mannschaft hatte dadurch ein Alibi." Hölzenbein glaubt, daß nun die Mannschaft in der Pflicht steht. "Vielleicht gibt es ihr einen Schub", hofft Hölzenbein.
Stepanovic: "Es ist wirklich traurig"
Während das Präsidium bei Bekanntgabe seines Beschlusses nicht anwesend war, nahm ihn Trainer Dragoslav Stepanovic, der viele Jahre mit ihm zusammengearbeitet hat, in Schutz. "Es ist wirklich traurig. Ich habe gewünscht, daß wir den angestrebten Aufstieg gemeinsam zu Ende geführt hätten", sagte der Serbe, den Hölzenbein im März 1991 zum ersten Mal aus der Oberliga in die Erstklassigkeit geholt hatte und im März dieses Jahres nach der kurzen Periode von Karl-Heinz Körbel wieder für die Eintracht zurückgewann. Das Ende von Hölzenbein bei den Hessen war für ihn schon längst beschlossene Sache, nur der Zeitpunkt nicht. Über das Saisonende 1996/97 hinaus wollte der Weltmeister von 1974 das Amt am Main auf keinen Fall länger wahrnehmen. "Dann wäre es sowieso vorbei gewesen. Ich bin zuvorgekommen, daß ich nicht von inkompetenten Leuten gefeuert werde", erklärte "Holz", den seine Tätigkeit bei der Eintracht in den letzten Jahren immer mehr frustriert hatte. "Wenn ich diese Entscheidung nicht getroffen hätte, könnte ich nicht mehr in den Spiegel schauen."
Knapp sieben Millionen Mark Schulden
Seinen Abgang verband Hölzenbein mit starker Kritik an Leuten, die am Riederwald immer mehr im Vordergrund stehen. "Es gibt viele Leute bei der Eintracht, die keine Ahnung vom Fußball haben und die in den letzten Wochen wieder das Sagen hatten", sagte Hölzenbein. Eine Aussage, die auch als deutlicher Pfeil in Richtung der neuen Vereinsführung gelten kann. Allerdings muß Hölzenbein mit auf seine Kappe nehmen, daß die finanzielle Situation sich in den letzten Jahren trotz vieler Europacup-Einnahmen nicht verbessert hat. Zuletzt belief sich der Schuldenstand auf knapp sieben Millionen Mark. Neben "Holz" gehört aber auch dem früheren Präsidenten Matthias Ohms ein Großteil der Schuld für das Debakel, das in dem Abstieg in die Zweite Liga nach 33 Jahren Erstklassigkeit gipfelte.
Jahre voller Licht und . . .
Hölzenbeins Name steht in Frankfurt für viele Jahre voller Licht, aber auch Schatten. Unter Jörg Berger noch dem Abgrund nahe, entgingen die Hessen dem Abstieg und begannen einen sportlichen Höhenflug von ungeahntem Ausmaß. Unter Stepanovic stand die Eintracht kurz vor dem Gewinn der deutschen Meisterschaft, verspielte aber mit einer 1:2-Niederlage in Rostock im Mai 1992 alles. Danach glänzte sie unter dem Gespann Hölzenbein/Klaus Toppmöller mit dem "Fußball 2000", aber zu mehr als einem Bundesliga-Startrekord reichte es nicht. Danach verließ Hölzenbein sein Glück und sein "goldenes" Händchen bei Spielerverpflichtungen, er traf immer wieder nicht nachvollziehbare Entscheidungen. Den entscheidenden Substanzverlust erlitt Frankfurt dann unter Jupp Heynckes, der die beiden Stars Yeboah und Gaudino feuerte. Dagegen hatte auch Hölzenbein sich nicht wehren können. Von Stefan Fritschi und Günter Kalkbrenner, Foto: AP
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