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Zwölf Jahre zwischen Freud und Leid:

Gabriela Sabatini tritt zurück

Buenos Aires/Hamburg (dpa) - Das an schillernden Figuren ohnehin arme Damen-Tennis verliert ein weiteres markantes Gesicht: Gabriela Sabatini wird nach einem Bericht des argentinischen Fernsehens am Donnerstag auf einer Pressekonferenz im New Yorker Madison Square Garden ihren Rücktritt erklären. Die 26jährige Schönheit aus Buenos Aires will damit den Schlußstrich unter eine zwölfjährige und über weite Strecken erfolgreiche Laufbahn ziehen, die jedoch in den letzten 21 Monaten nur noch von Verletzungspausen, sportlichen Enttäuschungen und dem Absturz in der Weltrangliste auf Platz 29 geprägt war.

Eine dreimonatige Pause, hervorgerufen durch eine Bauchmuskelverletzung, sowie zwei deftige Erstrunden-Niederlagen bei ihren Rückkehrversuchen in Filderstadt und vergangene Woche in Zürich haben bei Gabriela Sabatini offensichtlich den Entschluß zum Abschied von der "Tour" reifen lassen. "Ich genoß die Zeit daheim in Buenos Aires mit der Familie und meinen Freunden. Irgendwie habe ich in dieser Zeit realisiert, daß Tennis nicht das einzige ist im Leben", sagte die schwarzhaarige Schönheit vor zwei Wochen in einem Interview und beantwortete die Frage, wie lange sie noch spielen wolle, ausweichend: "Ehrlich, ich weiß es wirklich nicht. Mal sehen."

Profi-Debüt mit 14 Jahren

Mit 14 Jahren gab Gabriela Sabatini 1984 ihr Profi-Debüt, ein halbes Jahr später zog sie bereits in das Halbfinale der French Open ein. Mit der ein Jahr älteren Steffi Graf stand sie für jene Generation, die die Nachfolge der "großen alten Damen" Chris Evert und Martina Navratilova antrat. Viele ihrer Begegnungen mit der Brühlerin wurden zu Klassikern des Damen-Tennis, und auch ihre größten Erfolge sind untrennbar mit dem Namen Steffi Graf verbunden. 1990 gewann sie bei den US Open ihr einziges Grand Slam-Turnier, als sie die Deutsche im Finale mit 6:2, 7:6 (7:4) bezwang. Weitere große Erfolge aber verhinderte Steffi Graf im olympischen Finale in Seoul 1988 sowie im Wimbledon-Endspiel 1991. Lediglich gemeinsam mit Steffi Graf ging sie 1988 in der Doppel-Konkurrenz als Wimbledon-Gewinnerin vom "heiligen Rasen".

Im Gegensatz zu Steffi Graf begann jedoch der sportliche Stern der stets eher schüchtern und zurückhaltend auftretenden Gabriela Sabatini schon vor vier Jahren unterzugehen. Nach ihrem Sieg in Rom im Mai 1992 blieb sie bis zum WTA-Masters eineinhalb Jahre später in New York 42 Turniere in Folge ohne Endspiel-Sieg. Im Januar 1995 gewann sie in Sydney ihr 27. und letztes Turnier. In diesem Jahr bestritt sie lediglich neun Turniere, kam dabei nie mehr über das Viertelfinale hinaus. Immer deutlicher wurde, daß die Technikerin Gabriela Sabatini mit ihren Topspin-Schlägen gegen das Powertennis der jungen Generation keine Chance hat.

Sechs Millionen Mark Werbeeinnahmen jährlich

Daß die Argentinierin trotz ihres spielerischen Potentials auch in ihren besten Zeiten nur ein Grand Slam-Turnier gewann und nie über Platz drei der Weltrangliste hinauskam, lag daran, daß sie mental den anderen Spitzenspielerinnen unterlegen war. Ihrer Beliebtheit bei den Fans und den Sponsoren aber tat dies keinen Abbruch. Eine Rose wurde nach ihr benannt, ein Parfüm trägt ihren Namen, sogar als Puppe ist sie zu haben. Rund sechs Millionen Mark verdient sie jährlich an Werbeeinnahmen, insgesamt über 13 Millionen Mark erspielte sie sich an Preisgeldern.

Möglicherweise werden die vielen Sabatini-Fans ihr Idol, wenn sie schon nicht mehr auf dem Tennisplatz zu sehen ist, bald auf CD hören. Während ihrer Verletzungspause, so verriet sie, habe sie Gesangsstunden genommen - und Gefallen daran gefunden. Von Oliver Hartmann, Archivfoto: AP


Last edited: aj@rhein-zeitung.de 12.06.1998 06:37