UEFA-Cup-Halbfinale:Schalke setzt gegen Valencia auf KampfGelsenkirchen (dpa) - Mit teutonischen Tugenden Kampf und Disziplin sowie einer großen Portion Zuversicht will der FC Schalke 04 spanisches Temperament zügeln und die Basis für den Einzug ins UEFA-Cup-Halbfinale legen. "Wichtig ist, daß wir daheim zu Null spielen", betont Schalkes Torhüter Jens Lehmann vor dem Viertelfinal-Hinspiel gegen den spanischen Vizemeister FC Valencia am Dienstag (20.45 Uhr/RTL) im Parkstadion.Natürlich würde der seit fünf Spielen unbezwungene Keeper, der auch in den drei bisherigen Europacup-Heimspielen ohne Gegentor blieb, sich freuen, wenn "die da vorne ein paar Tore machen". Marc Wilmots präzisierte schelmisch: "Ein 1:0 wäre gut, ein 2:0 sehr gut und ein 3:0 sensationell." Der Belgier unterstrich die Zuversicht, mit der die Gelsenkirchener in die Partie gehen: "Wir haben keine Angst vor Valencia. Immerhin haben wir siebenmal in Folge in der Bundesliga nicht verloren. Die Chance für ein Weiterkommem stehen 50:50."
"Erwartungen schon längst übertroffen"Das erstmalige Erreichen eines europäischen Halbfinales seit 1970 (Schalke scheiterte im Pokalsieger-Wettbewerb an Manchester City) würde die durch den dritten Platz in der Bundesliga-Vorsaison ausgelöste Euphorie im Revier noch um ein Vielfaches steigern. "Eigentlich haben wir die Erwartungen schon längst übertroffen", meint Kapitän Olaf Thon. "Aber wenn man schon so weit gekommen ist, will man natürlich noch mehr", versprach der mit 26 Europacup- Einsätzen erfahrendste "Knappe" vor dem Duell mit den Spaniern, die in der ersten Runde Pokal-Verteidiger Bayern München ausschalteten.Breiter Unterstützung durch die elektrisierten Fans kann sich die Elf von Huub Stevens, der per Video und vor Ort den Gegner genau studierte, sicher sein. Für das "Spiel des Jahres" ersann die Klubführung eine pfiffige Geschäftsidee, mit der sie noch mehr Fans ins Oval hineinquetschen können. Die Stehränge auf der ansonsten wegen der strengen UEFA-Sicherheitsauflagen unbenutzten Südtribüne werden kurzerhand in Sitzplätze umfunktioniert, indem eigens angefertigte königsblaue Sitzkissen (auch als Souvenir für fünf Mark erhältlich) ausgegeben werden. So erhöht sich die Kapazität um gut 6000 auf exakt 56.824 Plätze. Positiver Nebeneffekt ist die Brutto- Mehreinnahme von über 160.000 Mark. Aber das sei "egal", so Manager Rudi Assauer, der nur den sportlichen Erfolg vor Augen hat.
"Valencia ist auswärts besser"Stevens muß seine Defensiv-Abteilung umstellen, da Johan de Kock gelbgesperrt und Marco van Hoogdalem international in dieser Saison nicht spielberechtigt ist. Yves Eigenrauch und Thomas Linke werden Manndecker spielen, auf der rechten Seite kommt Vize-Europameister Radoslav Latal wieder zum Zug. Ein kleines Fragezeichen steht noch hinter Wilmots, der nach dem 0:0 gegen St. Pauli über einen "steifen Rücken" klagte. Stevens blieb gelassen: "Es ist egal, wer spielt. Wir haben genug gleichwertigen Ersatz."Die Probleme der Gäste sind viel größer. Der längst nicht mehr unumstrittene argentinische Coach Jorge Valdano muß den gesperrten Stammtorwart Zubizarreta durch den unerfahrenen Bartual ersetzen und auf Verteidiger Ferreira (Gelbsperre) verzichten. Zudem fehlen die verletzten Camarasa, Navarro und der kroatische Stürmer Vlaovic. Dafür kehrten bei der Niederlage bei CD Logrones (1:2) am Samstag überraschend Poyatos auf der linken Seite und Torjäger Moya zurück, dem laut Mannschaftsarzt Candel aber für 90 Minuten noch die Luft fehlt. Dennoch warnt der in Diensten von CD Teneriffa stehende Trainer Jupp Heynckes: "Valencia ist auswärts besser."
Die voraussichtlichen Mannschaften:FC Schalke 04: Lehmann - Thon - Eigenrauch, Linke - Latal, Müller, Nemec, Büskens - Wilmots - Mulder, MaxFC Valencia: Bartual - Ofero, Caceres, Engonga, Romero - Karpin, Jose Ignacio, Fernando, Poyatos - Leandro, Lopez Schiedsrichter: Wojcik (Polen). Letzte Änderung: 08.04.1997 18:12 von aj |