Neandertaler war kein Vorfahre des modernen Menschen, sondern . . .Eine Seitenlinie der Evolution
Man hoffe, daß nun auch andere Neandertalerfunde für weitere Forschungen zur Verfügung gestellt würden, erklärten die Wissenschaftler in Bonn. Das Rheinische Landesmuseum Bonn hatte unter Projektleitung des Urgeschichtlers Ralf Schmitz seit 1991 den männlichen Knochenfund von 1856 aus dem Neandertal bei Düsseldorf auf seine Erbsubstanz untersuchen lassen.
![]() Unter Mitwirkung der Genetiker Professor Svante Pääbo und Matthias Krings aus München sowie anderer Experten in Deutschland und den USA war man nach sogenannten DNA-Analysen zu dem Ergebnis gekommen, daß der Neandertaler kein Vorfahre der heutigen Menschen sein kann. Der Neandertaler sei jedoch als Forschungsprojekt noch interessanter geworden, erklärte Krings. Durch die jetzigen Erkenntnisse werde die Theorie bestätigt, das der Urahn des Menschen aus Afrika stamme. Ungelöst sei die Frage, warum und wie der Neandertaler ausgestorben sei. Krings äußerte die Hoffnung, daß nach dem spektakulären Forschungsergebnis an Knochen des Bonner Neandertalers auch andere Sammlungen Skelettmaterial zur Verfügung stellen.
Neandertaler komplettDie Existenz des Neandertalers weiter zu ergründen, lohne sich, meinte Schmitz. Die Tatsache, daß in Gräbern und Erdfunden Reste von Blumen und Kunstgegenstände entdeckt worden seien, lasse auf den sozialen Stand des Neandertalers schließen. Dabei sei anzunehmen, daß Kunst- und Gebrauchsgegenstände auch durch Tausch in den Kulturkreis des Neandertalers kamen. Daraus sei zu folgern, daß der Neandertaler seinerzeit den damals "modernen Menschen" begegnet sein müsse. Dieser habe ihn letztlich in der Entwicklung der Menschheit überlebt.Die seit 1877 im Rheinischen Landesmuseum aufbewahrten 16 Fundteile des auf bis zu 100.000 Jahre geschätzten Skeletts sollen in Bonn ausgestellt werden. Das Museum erklärte sich auch bereit, sein prominentes Fossil der wissenschaftlichen Forschung weiter zugänglich zu halten. Bisher seien aus dem rechten Oberarmknochen etwa fünf Gramm Substanz herausgenommen worden. Krings empfahl, auch andere der in Europa auf rund 300 Funde geschätzten Neandertaler-Knochen für die Forschung heranzuziehen. Dabei solle jeweils in Voruntersuchungen mit geringen Proben erkundet werden, ob sie sich für das jeweilige Forschungsziel eignen. Ansonsten müßten die Skelette für die Zukunft erhalten bleiben, bis noch bessere Methoden und Geräte entwickelt seien. Fotos: AP/dpa Letzte Änderung: 14.07.1997 11:38 von aj |