Silber für BuderErster Dopingfall der WMAthen (dpa) - Oliver-Sven Buder war schon im Urlaub, als die Bombe platzte: Der erste Dopingfall der Weltmeisterschaften in Athen bescherte dem sächsischen Kugelstoßer die Silbermedaille. Weltmeister Alexander Bagatsch aus der Ukraine war bei seinem Titelgewinn am Samstag in Athen mit dem Aufputschmittel Ephedrin gedopt. Der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) reagierte am Donnerstag sofort entsprechend seiner in der Vorwoche beschlossenen, neuen Regeln. Der 30jährige Ukrainer wurde verwarnt und disqualifiziert.
"Fünfmal wurde ich in diesem Jahr kontrolliert, das sechste Mal macht auch nichts"Bagatsch, dessen Urin im Athener Labor gleich in A- und B-Probe analysiert wurde, war bereits 1989 wegen anabolen Dopings für zwei Jahre gesperrt worden. Er wird aber trotz des zweiten Vergehens nicht lebenslang gesperrt. Nach Auskunft von IAAF-Doping-Referent Gabriel Dolle werden die verbotenen Substanzen in verschiedenen Kategorien definiert und auch bei der Strafzumessung unterschiedlich behandelt. Bagatsch hatte nach seinem Sieg und vor der Dopingkontrolle noch getönt: "Fünfmal wurde ich in diesem Jahr kontrolliert, das sechste Mal macht auch nichts." Ironie des Schicksals: 1993 in Stuttgart hatte der Ukrainer von der Doping-Disqualifikation des Amerikaners Mike Stulce profitiert und nachträglich die Bronzemedaille erhalten.Der ukrainische Cheftrainer Alexander Kolenko hatte die bemerkenswerten Leistungen von Bagatsch nach dem ersten Sündenfall damit erklärt, "daß sich die Zeiten seit dem Zerfall der Sowjetunion völlig verändert" hätten. Er führte den Erfolg des Kugelstoßers darauf zurück, daß er "seine Einstellung zum Wettkampf total verändert und die richtige Mischung zwischen Kraft und Technik gefunden hat". Waleri Borsow, Sportminister der Ukraine und Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), hatte am Donnerstag in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" versichert, daß alle Spitzenathleten seines Landes regelmäßig kontrolliert würden. "Ich kann ihnen versichern, daß alle 39 ukrainischen WM-Teilnehmer vor den Titelkämpfen mindestens zweimal im Training getestet worden sind", sagte der Doppel-Olympiasieger im Sprint von München 1972. Der Fall Bagatsch ist aber kein Widerspruch zu dieser Aussage, denn Ephedrine sind Stimulanzien, die meist kurz vor dem Wettkampf zur Leistungssteigerung genommen werden. 10.000 Dollar mehr für BuderDer Olympia-Dritte von Atlanta ist der erste Sieger, der seit Einführung der WM 1983 in Helsinki wegen Dopings disqualifiziert wurde. Der Kanadier Ben Johnson, 1988 in Seoul letzter disqualifizierter Olympiasieger in der Leichtathletik, verlor seinen 100-m-Titel von Rom 1987 erst zwei Jahre später durch eine Regeländerung der IAAF. Bagatsch kostet die Disqualifikation nicht nur Gold, sondern auch Geld. Die erstmals ausgeschüttete Siegprämie von 60.000 Dollar streicht jetzt Titelverteidiger John Godina (USA) ein, der eigentlich gar nicht für das Kugelstoßen in Athen qualifiziert war und nur aufgrund der IAAF-Einladung an alle Weltmeister von Göteborg 1995 starten konnte. "Im Kampf gegen Doping brauchen wir diese Signale und die abschreckende Wirkung", sagte Digel.Buders Verdienst erhöhte sich um 10.000 auf 30.000 Dollar, die 20.000 für den dritten Platz erhält nun der Amerikaner Cottrell J. Hunter. Der Göttinger Michael Mertens rückt auf Platz acht vor. Dies bedeutet auch, daß die Kugelstoßer künftig die Maximal-Förderung vom Bundesausschuß Leistungssport (BL) erhalten. Oxana Zelinskaja war nach der Qualifikation im Dreisprung, bei der sie mit 13,39 m ausgeschieden war, getestet worden. Maran war nach seinem Vorlauf über 400 m-Hürden, den er in 50,82 Sekunden nicht überstand, zur Dopingkontrolle ausgelost worden. Hans-Hermann Mädler und Eric Dobias; Foto: AP
Letzte Änderung: 08.08.1997 00:02 von jp |