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Leserbrief

Dazu auch: Schumacher denkt an den Titel


Williams mit Sand im Getriebe

Teamchef: "Sind alle nur Menschen"

Budapest (dpa) - Der "General" macht seiner angeschlagenen Truppe Mut. "Wir stehen hundertprozentig hinter unseren beiden Fahrern", versichert Formel-1-Teamchef Frank Williams. "Das Team und auch die Fahrer können mal eine Pechsträhne haben, wir sind alle nur Menschen", beschwört der 55 Jahre alte Engländer den guten Geist in der 240-Mann-Firma "Williams Grand Prix Engineering Ltd". Denn im englischen Grove hängt der Haussegen schief. Bei Williams ist Sand im Getriebe.

Sieben Rennen vor dem Saison-Finale kriselt es beim Branchenprimus der vergangenen fünf Jahre. Die Piloten Jacques Villeneuve (Kanada) und Heinz-Harald Frentzen (Mönchengladbach) machen nach der Pannenserie der vergangenen Wochen nicht einmal mehr gute Miene zum bösen Spiel. Die Nerven liegen blank, ein Wort gibt das andere. Von "Absturz" und "Desaster" ist in der Presse schon die Rede. Ausgerechnet im Jahr des 100. Grand-Prix-Triumphs (Villeneuve am 13. Juli in Silverstone) in 372 Rennen seit 1973 sind die einstigen Überflieger hart auf dem Boden der Realitäten gelandet.

Vier Konstrukteurs- und drei Fahrer-Weltmeisterschaften hat Williams seit 1992 eingefahren. Mit Weltmeister Damon Hill (zu Arrows) und Aerodynamik-Spezialist Adrian Newey (zu McLaren-Mercedes) hat sich nun auch der Erfolg verabschiedet. Ferrari ist längst auf der Überholspur und führt vor dem Großen Preis von Ungarn am Sonntag (14.00 Uhr MESZ/live bei RTL und DF1) in der Markenwertung mit neun Punkten vor Williams. Zum Vergleich: Im Vorjahr machten die Engländer mit dem Sieger Villeneuve und dem Zweiten Hill bereits auf dem Hungaroring die Konstrukteurs-WM perfekt. Nach zwölf Rennen hatte Williams satte 90 Zähler Vorsprung auf Benetton-Renault und lag 103 Punkte (!) vor Ferrari.

Frentzen: "Ich hoffe, daß in Ungarn das Glück zu mir zurückkehrt"

Ob Pechvogel oder Versager - die Fahrer sind meist die Sündenböcke. Die Ursachen für die Misere sind aber nicht nur im Cockpit zu suchen. Anders als die Dauertüftler bei Ferrari hat Williams seit Saison-Beginn kaum neue Komponenten an den Hightech-Boliden entwickelt, das 96er-Weltmeister-Auto von Hill ist längst ein Auslaufmodell. Doch nach drei Siegen in den ersten vier WM-Läufen 1997 (zweimal Villeneuve/einmal Frentzen) war das "Unternehmen Titelverteidigung" teamintern wohl schon gelaufen. Vorschnell, so glaubt Villeneuve, habe man sich auf die Arbeit am 98er-Auto gestürzt, sich nach dem guten Auftakt "offenbar zu schnell auf den Lorbeeren ausgeruht".

Daß sich Teamchef Williams, der seit seinem schweren Autounfall vom 8. März 1986 gelähmt im Rollstuhl sitzt, nun schützend vor seine Fahrer stellt, macht Sinn. Denn die WM ist nach zehn von 17 Rennen noch längst nicht entschieden - und gewinnen können sie nur die Piloten. Wann aus Frust wieder Lust wird, hängt auch vom Teamgeist ab. Frentzen, ohnehin schon mächtig unter Druck, mußte sich nicht nur die geballte Kritik der Medien gefallen lassen. Selbst Williams- Chefkonstrukteur Patrick Head stichelte: "Frentzen ist ein Fahrer, der vielleicht fünf Rennen gewinnen kann, aber nicht 30." Doch der 30jährige Mönchengladbacher läßt sich nicht provozieren. Gerüchte über eine vorzeitige Entlassung aus seinem Zweijahresvertrag 1997/98 kann der als WM-Mitfavorit gestartete Rheinländer nicht ernst nehmen. Auf dem Hungaroring will der WM-Fünfte (19 Punkte) gemeinsam mit Villeneuve (43) zur Jagd auf Spitzenreiter Michael Schumacher (53) blasen. Jetzt sind Kämpfertypen gefragt. Und ein bißchen mehr. Frentzen: "Ich hoffe, daß in Ungarn das Glück zu mir zurückkehrt."
Ralf Jarkowski; Fotos: Archiv

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Letzte Änderung: 08.08.1997 00:02 von jp