Bor. Mönchengladbach - Bayern München 1:1 (1:0)Der "Kaiser" tobte wie ein BerserkerMönchengladbach (sid) Franz Beckenbauer hatte für 45 Minuten seine kaiserliche Contenance abgelegt. "Dieser Holzfuß" raunzte der Präsident des Deutschen Meisters Bayern München, als "Zwölf-Millionen-Einkauf" Giovane Elber nach einer Vorlage von Thomas Helmer den Ball nicht im Tor von Borussia Mönchengladbach unterbringen konnte. Angesichts der vielen ausgelassenen Hochkaräter des Titelverteidigers beim 1:1 (0:1) auf dem Gladbacher Bökelberg tobte der Bayern-Boß in der Vorstandsloge wie ein Berserker, fluchte was das Zeug hielt und brachte mit seinen Wutausbrüchen sogar Bundestrainer Berti Vogts zum schmunzeln.
Strunz' Haarfarbe hat schon wieder gewechselt "Wir haben bislang einen Punkt geholt, aber es hätten sechs sein können", konstatierte Bayerns erster Saison-Torschütze Thomas Strunz, der mit seinen neuerdings gelbgefärbten Haaren in der 55. Minute den Ausgleich geköpft hatte. Jörgen Pettersson hatte die Gladbacher mit einem Sonntagsschuß vor 34.500 Zuschauern am ausverkauften Bökelberg zuvor in Führung gebracht. Für den Schweden war es nach seinen beiden Toren beim Hamburger SV (2:2) bereits der dritte Saisontreffer. Während Strunz die kommende Aufgabe gegen Aufsteiger VfL Wolfsburg als ausgesprochen knifflig bezeichnete - "Die haben gegen uns nichts zu verlieren" -, sehen seine Mannschaftskollegen nach der Leistungsexplosion gegen Mönchengladbach in der zweiten Halbzeit äußerst positiv in die Zukunft. "Spielerisch waren wir schon sehr gut, nun müssen wir unsere Überlegenheit noch in Punkte ummünzen. Aber das kommt zwangsläufig", sagte der ehemalige Kapitän Lothar Matthäus, der an seiner alten Wirkungsstätte als Libero und Antreiber nicht nur bester Mann seines Teams war, sondern nach dem Abpfiff auch von Wehmut befallen war: "Heute war ein besonderes Spiel für mich, da es vielleicht mein letztes Spiel auf dem Bökelberg war." "Wir haben bewiesen, daß wir eine sehr gute Mannschaft sind"Trainer Giovanni Trapattoni analysierte wie immer nüchtern die Situation: "In den 90 Minuten hätten wir die Partie zu unseren Gunsten entscheiden müssen. Wenn meine Mannschaft aber immer so spielt, kommen wir in der Tabelle schnell wieder nach oben." Nationaltorwart Oliver Kahn pflichtete seinem Coach bei: "Wir haben bewiesen, daß wir eine sehr gute Mannschaft sind. Der Rest wird sich geben. Aber wir müssen natürlich unsere Chancen besser verwerten. Heute hat Kamps seiner Mannschaft einen Punkt gerettet." In die Lobeshymnen auf den Meister stimmten auch die Gladbacher ein, bei den sich das Fehlen von Abwehrorganisator Patrik Andersson (Länderspiel für Schweden) negativ bemerkbar machte. "Die Bayern haben heute zwei Punkte verschenkt", sagte "Hexer" Kamps, der aber auch in der eigenen Mannschaft "mehr Leben als in der vergangenen Saisonn" ausgemacht hat.Dies Einschätzung teilt auch sein Kapitän Stefan Effenberg, der unter den Augen von Bundestrainers Vogts erneut eine starke Vorstellung bot: "Mit zwei Punkten aus zwei Spielen können wir zufrieden sein. Nun müssen wir aber in Berlin gewinnen. Ich habe ein gutes Gefühl. Vergangene Saison hätten wir ein solches Spiel gegen die Bayern klar verloren, weil wir total verunsichert waren. Wir haben aber ein ganz neues Selbstbewußtsein. Und auch unsere Zuschauer sind wieder zufrieden." Daß die Gladbacher nach wie vor Ambitionen haben, in höhere Regionen vorzustoßen, unterstreicht auch die Aussage von Borussen-Trainer Hannes Bongartz: "Die Tour de France ist auch nicht auf der zweiten Etappe entschieden worden." Jürgen Zelustek und Berries Boßmann; Fotos: dpa/Reuters
Letzte Änderung: 08.08.1997 00:02 von jp |