. . . Bronze für Frank Busemann
Haile Gebrselassie entging als einziger der "Götterdämmerung" der Lauf-Stars. Der 24 Jahre alte Äthiopier fügte über 10.000 m seinem Olympiasieg von Atlanta den dritten WM-Titel in Folge an. 500 m vor dem Ziel ließ er namhafte Gegner wie Paul Tergat (Kenia) und Salah Hissou (Marokko) förmlich stehen und holte sich neben Gold auch noch ganz locker die 60.000 Dollar Siegprämie. Frank Busemann war spätestens nach dem Speerwerfen ohne Chance auf den Titel. Der 22jährige schleuderte das Gerät zwar auf gute 63,92 m. Doch damit konnte er weder Dvorak, der mit einem Wurf von 70,34 m die Spitze übernahm, noch Hämäläinen (8.031) im abschließenden 1.500-m- Lauf gefährden. Mit einem eindrucksvollen Schlußspurt kam er aber dann doch noch einmal als Erster ins Ziel und blieb am Ende nur um 54 Punkte unter seinem Atlanta-Resultat. Daß er zuvor praktisch schon "kampflos" Dritter geworden war, lag daran, daß Chris Huffins (USA) als "König des ersten Tages" im Speewerfen kein gültiger Versuch gelang.
Trost des Königs half
Mit "dicken Beinen beim Start am Morgen" war der deutsche "Sportler des Jahres" Schnellster über 110 m Hürden mit 13,55 Sekunden, warf dann den Diskus auf 42,56 m und stellte im Stabhochsprung mit 5,00 m seine persönliche Bestleistung ein. Der U 23-Europameister im Hürdensprint blieb zwar immer auf Tuchfühlung zur Spitze, konnte sie aber nie ganz erreichen. Dvorak hatte er früh als Hauptkonkurrenten erkannt: "Er hat einen Lauf wie ich in Atlanta. Dvorak macht keine Fehler." Die beiden anderen deutschen Teilnehmer, Stefan Schmid und Klaus Isekenmeier, schlugen sich gut: Der 27jährige Karlstädter Schmid landete mit 8.360 Punkten an siebter Stelle, U 23-Europameister Isekenmeier aus Salzkotten war mit 8.180 Zehnter. Als König Hassan von Marokko Hicham El Guerrouj nach dem Sturz im olympischen 1.500-m-Finale von Atlanta telefonisch tröstete, versprach der 22jährige: "Nächstes Jahr werde ich Weltmeister." Er hielt Wort. Mit 3:35,83 Minuten hielt der zweimalige Hallen- Weltmeister nicht nur die Spanier Fermin Cacho und Reyes Estevez nieder, sondern beendete auch die Herrschaft von Weltrekorler Morceli. Der algerische Olympiasieger wurde auf dem Weg zum vierten Titel als Vierter jäh gestoppt. Rüdiger Stenzel (Wattenscheid) wurde Zehnter.
Mark Ostendarp Neunter
Auch über 3.000 m Hindernis ging eine große Serie zu Ende: Weltrekordler Moses Kiptanui mußte sich beim Dreifach-Erfolg Kenias in 8:06:04 Minuten seinem 23jährigen Landsmann Wilson Boit Kipketer (8:05,84) beugen, verwies auch nur knapp den zeitgleichen Bernard Barmasai auf Platz drei. Kiptanui hatte 1991 als 21jähriger in Tokio seinen ersten Titel geholt und diesen 1993 in Stuttgart und 1995 in Göteborg verteidigt. Schon im Vorjahr in Atlanta hatte er "nur" Olympia-Silber hinter seinem nicht für Athen qualifizierten Schüler Joseph Keter gewonnen. Mit der persönlichen Bestzeit von 8:18,49 Minuten und der zweiten deutschen Jahresbestzeit innerhalb von zwei Tagen wurde der 23jährige Mark Ostendarp (Leverkusen) Neunter. Im Hochsprung feierte Weltrekordler Javier Sotomayor ein Comeback als Siegertyp. Der kubanische Olympiasieger von 1992 und Weltmeister von 1991, der lange Verletzungsprobleme hatte, überquerte als einziger 2,37 m. Silber ging an den Polen Artur Partyka vor dem Australier Tim Forsyth, die beide 2,35 m überquerten. Der 21jährige Berliner WM-Debütant Martin Buß wurde mit 2,29 m Neunter. Der Olympia-Dritte Florian Schwarthoff (Fürth/München) rannte als Sieger seines Halbfinals mit 13,30 Sekunden sicher in den Endlauf über 110 m Hürden am Donnerstag. Dagegen mußte der 23jährige Falk Balzer Lehrgeld zahlen: Der Thüringer trat in die neunte Hürde und wurde nach einem Stolperer in 14,04 nur Letzter. Aus Silvia Rieger (Hinte) schied im Semifinale als Sechste in 55,08 Seunden aus. Nichts zu lachen hatten die deutschen Frauen über 200 m. Melanie Paschke (Wattenscheid), über 100 m überraschend Sechste, schied als Zwischenlauf-Fünfte ebenso aus wie die junge Shanta Ghosh (Erbach/St.Ilgen), die mit 23,62 Sekunden nur Achte wurde. Gabi Rockmeier (LG Mittlere Isar) hatte schon die Vorläufe am Morgen nicht überstanden. Charles Friedek (Leverkusem) sicherte sich mit 16,98 m eine Platz im Dreisprung-Finale am Freitag. Dagegen enttäuschte seine Vereinskollegin Linda Kisabaka, die über 800 m schon im Vorlauf scheiterte. Hans-Hermann Mädler
Letzte Änderung: 06.08.1997 20:57 von jp