Mutter Teresa galt als HeiligeNeu Delhi (dpa) - Ihr Leben widmete die zierliche und zuletzt vom Alter gebeugte Nonne den "Ärmsten der Armen". Am Freitag starb Mutter Teresa im Alter von 87 Jahren in der ostindischen Stadt Kalkutta an einem Herzleiden. Mit ihrer Tatkraft und ihrem bedingungslosen Einsatz galt sie als Symbol für christliche Nächstenliebe.
Spartanisches LebenMutter Teresa lebte spartanisch. Ihr Tag begann morgens um vier mit einem Gebet. Dann ging sie zusammen mit den Schwestern des von ihr gegründeten Ordens "Missionarinnen der Nächstenliebe" - und später auch mit Brüdern - durch die Straßen der Zwölf-Millionen-Stadt am Gangesdelta. In den Gossen der Elendsviertel sammelte "der Engel der Sterbenden" ausgesetzte Babys, Halbverhungerte, Malaria- und Lepra- Kranke auf. In dem von ihr neben einem Tempel errichteten Sterbehaus können todkranke Menschen einigermaßen in Würde sterben.
Hartnäckigkeit als StrategieWenn Mutter Teresa in ihre Ordenstracht, dem weißen Sari mit blauem Rand, gekleidet, in ihrem kleinen Büro hinter dem Schreibtisch saß, konnte jeder Besucher sicher sein, daß sie ihm aufmerksam zuhörte. Das meiste, was sie sich vorgenommen habe, sei ihr gelungen. "Ich bin hartnäckig genug und komme immer wieder. Das ist meine Strategie", sagte sie und fügte lächelnd hinzu: "Es macht Freude zu geben, aber es macht auch Freude zu nehmen." Nur ein Traum erfüllte sich zu Lebzeiten nicht: In China kann ihr Orden bisher noch nicht tätig werden. Aber sie hatte vorgesorgt: "Unsere Schwestern sitzen bereits in Hongkong. Sie können sofort loslegen."
Strikt gegen AbtreibungKritiker monierten, daß die Friedensnobelpreisträgerin in den vergangenen Jahren hauptsächlich in der Welt herumreiste und kategorisch Abtreibungen ablehnte. Wer ein Kind nicht haben wolle, könne es ihr geben, sagte sie wiederholt. Ihre Ablehnung von Verhütungsmitteln trotz Bevölkerungsexplosion trugen ihr gerade in Indien Kritik ein. Ihre Unterstützung für die Forderung nach speziellen Quoten in Hochschulen und für Regierungsjobs für die Angehörigen der christlichen Minderheit in Indien sorgte auf dem Subkontinent für negative Schlagzeilen.
"Einfacher Weg"Kritikern, die ihr vorwarfen, nichts gegen die Ursachen sozialer Not zu unternehmen, entgegnete sie, der notleidende Mensch könne nicht darauf warten, daß sich die gesellschaftlichen Verhältnisse änderten. "Man muß keine perfekten Konzepte haben und vorlegen, man muß einfach anfangen. Ich habe gemacht, was ich für richtig gehalten habe", sagte die Ordensfrau, die 1995 die Motive ihres sozialen Engagements in dem Buch "Der einfache Weg" beschrieb.
Die Missionarinnen und Missionare der Nächstenliebe errichteten Schulen, Krankenhäuser, Apotheken und Beratungszentren und Waisenhäuser in aller Welt. In Kalkutta hat sie ein Haus für psychisch kranke Frauen gebaut. Die kommunistische Landesregierung vermachte ihr ein Grundstück, auf dem eine Aidsklinik errichtet werden soll. Mutter Teresa wurde zur Managerin eines weltweiten sozialen Unternehmens - eine Formulierung, die sie nicht mochte. Antrieb des Handels sei stets ihr christlicher Glaube gewesen. Sie betonte, einen kontemplativen und keinen Pflegeorden zu führen. Annegret Ratzkowsky, Fotos: AP, dpa
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