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Leserbrief

Galatasaray Istanbul - Borussia Dortmund 0:1 (0:0)

"Die Hölle zum Paradies gemacht"

Lobeshymnen für Dortmunder "Notelf" - Freund "ein wenig deprimiert"

Istanbul (sid) "Die Mannschaft hat die Hölle zum Paradies gemacht". Selbst der ansonsten eher reservierte Dortmunder Manager Michael Meier ließ seinen Gefühlen nach dem Schlußpfiff im gefürchteten Stadion "Ali Sami Yen" freien Lauf, und Borussen-Coach Nevio Scala formulierte nicht minder euphorisch wie erleichtert: "Ich danke dem Spielern, daß sie mir bei meinem ersten Auftritt in der Champions League diesen Sieg geschenkt haben". Die Skepsis vor dem Auftakt war nach dem 1:0 (0:0) der "Notelf" des Titelverteidigers beim türkischen Meister Galatasaray Istanbul längst dem Stolz gewichen.

Ohne fünf Nationalspieler (Möller, Sammer, Reuter, Ricken, Sousa) mußten die Westfalen ins "Fegefeuer", "ohne sieben", aber mit drei unerwarteten Punkten, einer Siegprämie von 1,2 Millionen Mark und erhobenen Hauptes verließen sie die mit 22.000 fanatischen Zuschauern gefürchtete Arena. "Hut ab vor der Truppe. Wenn die Einstellung stimmt, kann man eben Berge versetzen", lobte Kapitän und Nationalspieler Jürgen Kohler nach dem sechsten Europapokalgastspiel des BVB in Folge ohne Niederlage.

Selbst als der "Fußballer des Jahres" neben dem ewigen "Pechvogel" Steffen Freund - beide wegen angeblicher Muskelfaserisse - in der Halbzeit in der Kabine blieben, zeigten die letzten "Mohikaner" Herz und Charakter. Am Ende lagen sich die Borussen glücklich, aber erschöpft in den Armen, ließen in der Kabine den Torschützen Stephane Chapuisat (74.) hochleben. Nur Mittelfeldspieler Freund konnte sich nicht so recht freuen. Einen Muskelfaserriß hatte er gerade auskuriert - und nun folgte im zweiten Einsatz wieder ein Rückschlag am anderen Oberschenkel. "Das ist bei mir wie beim Foxtrott - mal links, mal rechts. Ich bin schon ein bißchen deprimiert, denn es fällt mir schwer, immer wieder aufzustehen."

Cesar, der Abwehrstabilisator

Freund war der überagende Akteur der Borussen vor dem Wechsel. Er legte den rumänischen Superstar Gheorghe Hagi an die Kette und setzte in der Defensive Zeichen. Nur in Standardsituationen konnte Hagi glänzen. Glück hatte die Borussia, als der kleine Techniker in der 90. Minute einen Freistoß an die Latte zirkelte und BVB-Torhüter Stefan Klos nach seinem 50. Europapokaleinsatz von seinem 20. Zu-Null-Spiel und "einem schönen Jubiläum" berichten konnte. Auch der Brasilianer Julio Cesar präsentiert sich nach überstandenen Adduktorenproblemem als "Stabilisator in der Abwehr" (Meier). Starken Aufwärtstrend verriet der Schweizer Chapuisat: "Ich fühle mich fit und habe habe schon vor dem Anpfiff gespürt, daß ich hier was machen kann." "Chapi" hatte sogar das vorentscheidende 2:0 auf dem Fuß.

"Ein besonders Lob gilt denjenigen, die sonst nicht in der ersten Reihe stehen", ergänzte Kohler. Nur der ehemalige Kapitän Michael Zorc fand in seinem zweiten Saisoneinsatz gegen die allzu verspielten und im Abschluß schwachen Türken keine Bindung. "Zu Beginn war es nicht einfach. Aber mir ist bewußt geworden, was ich vermißt habe", meinte der 34jährige, der mit einem Achselzucken und verschmitzen Lächeln die Frage eines Journalisten beantwortete, was seiner Meinung nach eher enden würde: Seine Karriere oder die Verletztenmisere in Dortmund? Coach Scala trägt, zumindest äußerlich weiterhin südländische Gelassenheit zur Schau: "Ich weiß noch nicht, wer am Samstag in Bremen spielt. Aber wir haben 25 Profis. Es können ohnehin nur elf spielen." Günter Bork; Foto: Reuters

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Letzte Änderung: 19.09.1997 00:02 von jp