Sven Körppen gesteht Entführung FiszmansVom Mord nichts gewußt?Sohn belastet sich selbst - Beziehung zum despotischen Vater nie abgerissenFrankfurt/M (AP) - Der 27jährige Sven Körppen (Foto rechts) hat am Montag vor dem Frankfurter Landgericht die Entführung des Unternehmers Jakub Fiszman gestanden. Am zweiten Prozeßtag sagte er zu seinem Vater Rainer Körppen gewandt: "Es geht hier nicht um Ladendiebstahl, Vater! ... Ich hab mit dir diese Entführung begangen!" Von der Ermordung Fiszmans habe er aber nichts gewußt, geschweige denn Beihilfe geleistet, beteuerte der Sohn.
Sven Körppen schilderte seinen Vater als sehr fürsorglichen und tüchtigen Menschen, den er bewundert habe. Zugleich habe er auch unter seiner gewalttätigen Herrschsucht gelitten. Bei Widerspruch sei Rainer Körppen schnell "ausgerastet". Sie hätten immer engen Kontakt gepflegt: "Er war für mich Respektsperson, aber auch in allen Sachen mein Ansprechpartner." Selbst heute schicke ihm sein Vater Briefe. Der 59jährige Rainer Körppen fixierte seinen Sohn bei dessen vierstündiger Aussage mehrmals, schüttelte immer wieder den Kopf und blickte zur Decke. Seine Verteidiger kündigten an, er werde voraussichtlich am Donnerstag ebenfalls aussagen. Bis dann soll das Protokoll der Vernehmung eines Mitgefangenen vorliegen, dem Rainer Körppen die Ermordung von Fiszman gestanden haben soll.
"Er war mir immer ein Vorbild"Sven Körppen schilderte der Strafkammer, wie er als Siebenjähriger mit der Schwester und dem Vater seine Mutter tot in der Badewanne gefunden habe. Auch nach der Verurteilung des Vaters habe er nicht an dessen Schuld glauben wollen. Bis zu seinem 14. Lebensjahr sei er mit der Schwester bei den strengen Großeltern aufgewachsen. Nach der Haftentlassung seines Vaters hätten sie wieder als Familie gelebt, und Rainer Körppens zweite Frau Lieselotte sei "eine sehr liebe Mutter" gewesen. Aber bei Streß sei Rainer Körppen schnell gewalttätig geworden, die ganze Familie habe darunter gelitten. Außerdem habe er schon bald nach der Heirat ein Verhältnis mit seiner späteren dritten Frau Renate angefangen. "Er hat erklärt, daß er durch Renate viele Aufträge hereinbekommt" für sein Malergeschäft, sagte Sven Körppen.Auf Drängen des Vaters sei er bei ihm in die Lehre gegangen und habe viel gelernt. "Er war mir immer ein Vorbild, wie man an die Arbeit rangeht", sagte Sven. Als Juniorchef habe er hart gearbeitet, aber auch Privilegien genossen. Sein Vater habe ihm immer genügend Geld zugesteckt. Bei Baustellen-Diebstählen seines Vaters habe er Schmiere gestanden. "Ich war froh, daß ich an seiner Seite durchs Leben ziehen durfte." Das gelte, obwohl er "mir schon mal ein blaues Auge geschlagen oder eine Dachlatte hinterhergeworfen" habe.
"Mein Vater war das Oberhaupt, das regiert"Nach dem Wehrdienst als Fallschirmjäger wurde Sven arbeitslos, weil sein Vater die Malerfirma aufgab, und probierte Drogen. Vor seiner Verhaftung arbeite er wieder als Malergeselle, wobei er nebenher auf die Meisterschule ging. Seine Ehe mit seiner Frau Sandra schilderte er als überaus glücklich. Seine Schwiegereltern seien für ihn "eine prima Familie" gewesen. Trotzdem habe er weiter mindestens zweimal wöchentlich seinen Vater getroffen.Rainer Körpen habe grausame Scherze geliebt. Einmal habe er als "Rechtsanwalt" angeblich in Svens Auftrag Sandra die Scheidung angedroht. Ein andermal habe er ihr erzählt, Sven sei bei einem Unfall ein Ohr abgerissen worden. Der 27jährige sagte, er habe seinen Vater trotzdem nie zur Rede gestellt. "Mein Vater war das Oberhaupt, das regiert", erklärte er. Sven und Rainer Körppen sind angeklagt, Fiszman im Oktober 1996 gemeinsam verschleppt und vier Millionen Mark Lösegeld erpreßt zu haben. Rainer Körppen soll Fiszman dann erschlagen, sein Sohn Beihilfe geleistet haben. Außerdem müssen sich beide wegen der Entführung von Fiszmans sechsjährigem Neffen und dessen Schulfreundin 1991 in Köln verantworten. Archivfoto: AP
Letzte Änderung: 07.10.1997 00:02 von aj |