Chronik der Anti-Atom-BewegungSchlachten um Bauplätze - Friedliche MassendemonstrationenFrankfurt/Main - Wenn Ende März der bislang größte Castor-Transport von Süddeutschland ins Zwischenlager Ahaus in Westfalen rollt, werden wieder heftige Proteste erwartet. Kaum einer der Demonstranten wird schon beim Beginn der Anti-Atom-Bewegung vor 25 Jahren dabei gewesen sein, viele der zumeist sehr jungen Castor-Nix-Aktivisten waren damals noch nicht einmal geboren. Im folgenden ein Überblick der wichtigsten Stationen des Widerstands gegen die friedliche Nutzung der Atomenergie in Deutschland:Aus Radiomeldungen erfährt die Bevölkerung, daß Wyhl Standort für ein Atomkraftwerk sein soll. Bürgerinitiativen entstehen. Aus einer Pressekonferenz zum Baubeginn in Wyhl wird die erste Platzbesetzung in der westdeutschen Anti-Atom-Bewegung. Die "Volkshochschule Wyhler Wald" auf dem Bauplatz organisiert in der Folge mehr als 60 Veranstaltungen. Baubeginn in Brokdorf um 01.00 Uhr nachts. Unter starkem Polizeischutz entsteht eine Art Festung mit Zäunen, Wassergraben, Hubschrauberlandeplatz. Trotz Verbot bislang größte Demonstration gegen Brokdorf: 50.000 Menschen. 60.000 Menschen machen sich auf den Weg nach Kalkar am Niederrhein, um gegen den im Bau befindlichen Schnellen Brüter zu demonstrieren. Im Atomkraftwerk Harrisburg (USA) kommt es zu einem schweren Störfall. Mehr als 100.000 Menschen bereiten in Hannover 150 Treckern aus Gorleben einen begeisteren Empfang. In Gorleben beginnen die Tiefbohrungen. Grundsatzeinigung von Bund und Ländern zur Entsorgung von Atommüll mit Gorleben als geplantem Endlager sowie Gorleben und Ahaus als Zwischenlager. 150.000 demonstrieren in Bonn für die Stillegung aller Atomanlagen. 5.000 Menschen besetzen die Bohrstelle 1004 im Gorlebener Wald und proklamieren die "Republik Freies Wendland". 100.000 Atomgegner in Brokdorf. Gründung der Bürgerinitiative Schwandorf, nachdem Pläne für eine Wiederaufarbeitungsanlage bei Wackersdorf bekannt werden. Großkundgebung im Wyhler Wald mit 50.000 Menschen. Wendland-Blockade. Um auf die bevorstehende Anlieferung radioaktiven Mülls aufmerksam zu machen, blockieren mehr als 6.000 Atomgegner mit Autos, Treckern, Baumstämmen alle Zufahrtsstraßen in den Landkreis Lüchow-Dannenberg. Vier Tieflader mit 210 Atommüllfässern aus Stade passieren das Tor zum Gorlebener Zwischenlager. 40.000 Menschen demonstrieren in Wackersdorf. Wieder demonstrieren 40.000 in Wackersdorf und errichten ein Hüttendorf. 100.000 Menschen demonstrieren am Osterwochenende in Wackersdorf. Es gibt Verletzte und einen Toten. Kernschmelze im Atomkraftwerk Tschernobyl. Radioaktiver Niederschlag auch in Deutschland. Nach dem Super-GAU in Tschernobyl gehen Hunderttausende in Deutschland auf die Straße. Die SPD beschließt auf dem Nürnberger Parteitag einen Ausstieg aus der Atomenergie innerhalb von zehn Jahren. Das Atomkraftwerk Brokdorf geht ans Netz. Die deutschen Energieversorger verkünden den Baustopp für Wackersdorf. 260.000 Einwendungen gegen Atommüllager Schacht Konrad dem Umweltministerium in Hannover übergeben. Die Bundesregierung beschließt, daß die "geordnete Beseitigung" nun gleichrangig neben der Wiederaufarbeitung stehen soll. Neben Transporten nach La Hague oder Sellafield sind jetzt auch direkte Transporte nach Ahaus oder Gorleben erlaubt. Ein 120 Tonnen schwerer Castor wird vom Atomkraftwerk Philippsburg in Baden-Württemberg ins Zwischenlager Gorleben gebracht. Über 10.000 Polizisten im Einsatz, Millionenkosten. Mehrere tausend demonstrieren. Der für 7,5 Milliarden Mark errichtete, nie in Betrieb genommene Schnelle Brüter in Kalkar wird samt zugehörigem Grundstück verkauft. Es soll ein Freizeitzentrum entstehen. Viele Kundgebungen anläßlich des zehnten Jahrestags von Tschernobyl. Der zweite Castor-Transport nach Gorleben bringt hochradioaktiven Atommüll aus La Hague. Kosten rund 90 Millionen Mark. Überall an der Strecke Proteste. Der dritte Castor-Transport nach Gorleben. 30.000 Polizisten, mehrere tausend Demonstranten. Kosten: 110 Millionen Mark. AP |
| Letzte Änderung: 10.03.1998 17:17 von aj |