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Russisches Fernsehen zeigt Massengräber in Tschetschenien

TV-Bilder möglicher Kriegsverbrechen

Cook fordert Aufklärung - Moskau spricht von Fälschung

London/Moskau - Nach der Ausstrahlung eines Films über mögliche Kriegsgräuel russischer Soldaten in Tschetschenien hat der britische Außenminister Robin Cook die Aufklärung der Vorfälle gefordert. Cook sagte am Freitag, dass er von seinem Kollegen Igor Iwanow eine Untersuchung dieser Behauptungen verlangt habe. Zuvor waren in einem Film, den der deutsche Fernsehsender N24 russischen Fernsehstationen zur Verfügung gestellt hatte, unter anderem Männerleichen in einem Graben zu sehen. Ihre Fußgelenke waren mit Draht zusammengebunden, mindestens einer Leiche fehlte ein Ohr.

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Militärgeneralstaatsanwalt Juri Djomin ordnete daraufhin am Freitag Ermittlungen an, während die erbitterten Kämpfe um die Region Schatoi in Tschetschenien andauerten. Nach Darstellung von N24 deuten die Bilder auf schwere und systematische Menschenrechtsverletzungen durch die russischen Truppen hin. Djomin betonte indes, dass derartige Vorwürfe bislang nie bestätigt worden seien. Der für Tschetschenien zuständige Präsidentensprecher Sergej Jastrschembski nannte die Bilder "ein sehr ernstes Dokument, das gründliches Studium erfordert, in erster Linie hinsichtlich der Umstände des Todes der Tschetschenen".

Andere Regierungsvertreter bezeichneten die ausgestrahlten Passagen dagegen als Propaganda und Fälschung. "Die Autoren des Fernsehberichts führten einen politischen Auftrag aus", zitierte die russische Nachrichtenagentur Interfax den Innenministeriumssprecher Oleg Aksjonow. N24-Korrespondent Frank Höfling, der die verstümmelten Leichen entdeckt hatte, erklärte: "Die Bilder sind echt." Endgültige Klarheit über die Foltervorwürfe könnten jedoch nur unabhängige Beobachter schaffen, denen Moskau aber die Einreise nach Tschetschenien verweigere.

Schicksal des verschwundenen Journalisten weiter unklar

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Unklarheit herrschte am Freitag weiter über das Schicksal des in Tschetschenien verschwundenen Journalisten Andrej Babizki. Iwanow erklärte am Freitag, das sich der Reporter des US-Senders Radio Liberty noch immer bei den tschetschenischen Rebellen aufhalte, denen er am 3. Februar übergeben worden sei. Der britische Außenminister Cook hatte nach eigenen Angaben dagegen vom amtierenden russischen Präsidenten Wladimir Putin erfahren, dass Babizki bei friedlichen Einheimischen in den tschetschenischen Bergen sei. Iwanow führte die unterschiedlichen Darstellungen am Freitag auf ungenaue Übersetzungen zurück.

Babizki hatte über den Tschetschenienkrieg berichtet und war nach Behördenangaben verhaftet worden, weil er keine Akkreditierung für das Kriegsgebiet besaß. Außerdem wurde ihm Zusammenarbeit mit den Rebellen vorgeworfen. Die Regierung veröffentlichte ein Video, auf dem zu sehen ist, wie Babizki im Austausch für zwei russische Soldaten an tschetschenische Kämpfer übergeben wird.

Der Journalist Alexander Jewtuschenko bezeichnete dieses Video in einem Artikel für die "Komsomolskaja Prawda" am Freitag als Fälschung. Jewtuschenko sagte, nach seinen letzten Informationen von Mitte Februar sei der Journalist von Sicherheitsagenten so schwer geschlagen worden, dass er nicht laufen könne.

AP - Fotos: AP, dpa

Geändert am 25. Februar 2000 17:36 von aj
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