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Massenselbstmord in religiösem Wahn

Mindestens 235 Tote - In Kirche mit Benzin übergossen

Kanungu/Uganda - Beim Massenselbstmord einer Weltuntergangssekte sind am Wochenende in Uganda mindestens 235 Menschen ums Leben gekommen. Die Männer, Frauen und Kinder hatten sich in einer Kirche in Kanungu mit Benzin übergossen und die Kirche in Brand gesetzt, wie Polizei und Augenzeugen berichteten.

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Ein Bild des Grauens: Die Kirche, in der
sich die Sektenmitglieder verbrannten.

Zuvor hatten die Sektenmitglieder ihre Habseligkeiten verkauft und in weißen, grünen und schwarzen Roben einen Gottesdienst unter der Anleitung von Priestern und Nonnen gefeiert. Diese waren aus der katholischen Kirche verstoßen worden und hatten für das Jahr 2000 den Weltuntergang vorausgesagt. Augenzeugen hatten Schreie gehört, alles sei aber sehr schnell vorbei gewesen.

Identifizierung schwierig

Es ist der größte bekannte Massenselbstmord seit 22 Jahren. Im Jahr 1978 hatten sich im südamerikanischen Guyana 914 Sektenmitglieder auf Anweisung ihres Anführers mit vergiftetem Fruchtsaft umgebracht.

Auch Kinder unter den Opfern

Die Behörden Ugandas hatten erst im vergangenen Jahr die Religionsgemeinschaften und Sekten des Landes aufgefordert, sich und ihre Mitglieder offiziell anzumelden. Nach Angaben eines Polizeisprechers in Kanungu, 320 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Kampala, wurden vermutlich alle 235 gemeldeten Mitglieder der Sekte "Bewegung für die Wiederherstellung der Zehn Gebote" getötet. Möglicherweise seien aber auch noch neu hinzugekommene Anhänger unter den Toten. Die Leichen seien zum Teil so stark verkohlt, dass eine Identifizierung kaum möglich sei. Unter den Opfern seien auch viele Kinder. Die Polizei ermittele wegen Selbstmord und Mord.

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Viele verkohlte Leichen

Als Rechtsmediziner ihre Untersuchungen am Tatort aufnahmen, fiel leichter Regen durch das eingestürzte Eisendach der Kirche. In der ausgebrannten Ruine lagen zahlreiche verkohlte Leichen übereinander, die meisten bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Augenzeugen zählten elf Kinderleichen, vermuteten aber noch mehr unter den vielen Stapeln verbrannter Körper. Angehörige brachen beim Anblick der Leichen in Tränen aus. Der Chef der örtlichen Verwaltung, Kalule Sengo, sagte, es habe zwei Explosionen gegeben, wahrscheinlich durch Benzin verursacht. Die Asche von drei Blechkanistern sei gefunden worden. Nach Rundfunkberichten könnten sogar mehr als 300 Menschen umgekommen sein.

Rätselraten um Sektenchefs

Zu den Sektenanführern gehörten nach Polizeiangaben drei exkommunizierte Priester und zwei ebenfalls aus der römisch- katholischen Kirche ausgeschlossene Nonnen. Vor dem Selbstmord habe der Sektenführer die Gläubigen aufgefordert, ihren Besitz zu verkaufen und sich auf die Reise in den Himmel vorzubereiten. Einer der Sektenchefs war der ehemalige Oppositionspolitiker Joseph Kibwetere. Ob auch er unter den Toten war, war zunächst nicht klar. In Zeitungsberichten hieß es, der selbst ernannte Prophet sei erst kürzlich in einem Krankenhaus im benachbarten Kenia gesehen worden, wo er wegen eines Herzleidens behandelt worden sei.

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Geändert am 19. Maerz 2000 15:18 von sab
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