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Französisches Kreditkartenwesen in der Bredouille:

Ist bargeldlos bald pleite?

Paris - Französische Versicherer drohten dem Kreditkartenkonsortium, die Risikoabdeckung des Kartensystems endgültig aufzukündigen. Der entsprechende Vertrag wurde nach übereinstimmenden Angaben aus Paris zunächst lediglich um 45 Tage verlängert. Damit gerät das französische Kartensystem in eine existenzbedrohende Krise.

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Vertreter des französischen Kreditkartenkonsortiums (GIE CB), des Einzelhandels und der Banken sind im Pariser Finanzministerium zusammengetroffen, um über mögliche Sicherheitsmängel bei Karten zu beraten. Das französische System, das mit rund 34 Millionen in Umlauf befindlichen Kreditkarten äußerst populär ist, geriet in den vergangenen Wochen nach spektakulären Angriffen von Hackern in die Kritik.

Unsichere Chip-Verschlüsselung

In den vergangenen Wochen war die Sicherheit der französischen Kreditkarten wiederholt grundsätzlich angezweifelt worden. Hauptgrund ist, dass das französische System auf der Chipkartentechnologie aufbaut. In Deutschland wird hingegen für Kreditkarten wie im übrigen Europa ein Magnetstreifen als Informationsspeicher genutzt. Chipkarten werden in Deutschland vor allem für Telefonkarten und wiederaufladbare Geldkarten verwendet. Im Internet waren wiederholt mathematische Formeln veröffentlicht worden, die die Aufdeckung des Kontrollalgorithmus' der französischen Kreditkarten ermöglichen könnten. Mit Hilfe dieses Codes könnten Hacker eine funktionierende Kreditkarte erstellen, die im Hackermilieu als "Yescard" bezeichnet wird.

Die Wirtschaftszeitung "La Tribune" berichtete in ihrer Dienstagsausgabe, dass die britischen und amerikanischen Konzerne, die das Konsortium GIE CB bislang in Höhe von 76 Millionen Euro (149 Millionen Mark) gegen Betrug und damit zusammenhängende Verwaltungskosten versicherten, den Vertrag nicht verlängern wollten. Die französischen Versicherer AXA und AGF waren bereits 1998 aus dem Vertrag mit der Kreditkartengruppe ausgestiegen. Die derzeit laufende Verlängerung soll zu einem Grundsatzgutachten über die Kartensicherheit genutzt werden. "Die Tatsache, dass man eine 'Yescard' bauen kann, ist nicht mehr versicherbar", zitierte die Tageszeitung "Le Monde" einen Pariser Versicherungsexperten.

Schlüssel viel zu kurz

Am vergangenen Freitag hatte der französische Verbraucherverband AFOC der Pariser Regierung einen Bericht übergeben, der dem Kartensystem schwere Mängel bescheinigt. So seien immer noch Chipkarten mit einem 320-bit-Code im Umlauf, die bereits mit modernen Heimcomputern entschlüsselt werden könnten. Das Kreditkartenkonsortium gibt die Betrugsquote derzeit nur mit 0,02 Prozent an, nach Ansicht der Verbraucherschützer liegt sie indessen 17 Mal höher. Das besondere an der "Yescard" ist, dass sie nicht auf ein bestehendes Konto eines Bankkunden zugreift, sondern die Bank direkt schädigt, die die Zahlung mit der gefälschten Karte keinem Konto zuordnen kann.

Die französischen Kreditkarten verwenden einen sogenannten RSA-Schlüssel, ein asymmetrisches Chiffriersystem, das 1977 von Ron Rivest, Adi Shamir und Leonard Adleman erfunden wurde. Die neuesten Karten haben einen Chip mit einem 792-bit-Code. Aber auch die Unverwundbarkeit dieses Schlüssels wird mittlerweile bestritten. Aufgrund der jährlich sprunghaft steigenden Rechnerleistungen und der Möglichkeiten, sich im Internet auszutauschen, gilt mittlerweile ein 1024-bit-Code als Untergrenze. Dieser Code wird in Frankreich jedoch noch nicht angewandt.

AFP; Grafik: RZ-Online (Archiv)

Geändert am 4. April 2000 18:12 von jo
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