|
|
Enschede nach der Katastrophe: Suche geht weiterVorwürfe gegen Feuerwerksfirma
Enschede/Berlin - Drei Tage nach dem Inferno kritisieren Experten fehlende Sicherheitsvorkehrungen der explodierten Feuerwerksfabrik. "Unvorstellbar, wie da die Ware gelagert wurde", sagte der Chef-Feuerwerker des Berliner Landeskriminalamts, Martin Volk, heute morgen im ZDF. In den Trümmern des verwüsteten Wohngebiets um die Fabrik suchen die Rettungskräfte derweil seit 8.00 Uhr weiter nach Verschütteten. In der Nacht hatte man angeblich Hilferufe gehört, die sofortige Suche brachte allerdings kein Ergebnis. Sechs der bisher 15 geborgenen Leichen seien identifiziert worden. Noch immer werden bis zu 200 Menschen vermisst.
Feuerwerker Volk hatte den Betrieb erst Ende vergangenen Jahres besucht und weder Bunker noch andere gesicherte Räume vorgefunden. Es sei unvorstellbar, wie auf dem Hof der Firma Feuerwerkskörper in normalen Containern mit teilweise offen stehenden Türen gelagert worden seien, sagte Volk. Der Pyro-Techniker Daniel Schwartz sagte in derselben Fernsehsendung, Sprengsätze seien falsch etikettiert worden. So hätten die Beschriftungen eine geringere Gefahr ausgewiesen. Behörden schätzten Katastrophenrisiko als "gering" einAuch nach Berichten des niederländischen Fernsehen soll das Unternehmen S.E. Fireworks mit Genehmigung der Stadt gefährliche Stoffe nicht nur in stabilen Bunkern, sondern auch in See-Containern gelagert haben. Dies könnte die ungeheure Wucht der drei Explosionen erklären. Auch von Magnesiumvorräten auf dem Gelände wurde gesprochen. Experten hatten wiederholt betont, dass bei sorgfältiger Lagerung zugelassener Stoffe in Bunkern keine so schwere Explosion möglich gewesen wäre. Die zuständige Provinzbehörde schätzte das Katastrophenrisiko in der Umgebung der Fabrik als gering ein. Noch 1999 sei die Behörde zu der Ansicht gekommen, dass bei einem Unfall Bewohner der umliegenden Häuser nicht zu Schaden kämen, berichtete der niederländische Rundfunk. Ein Katastrophenschutzplan wurde daher nicht aufgestellt. Unglücksursache: Brandstiftung oder technisches VersagenAngesichts der Spekulationen hatte der Stadtrat von Enschede bereits angekündigt, am (heutigen) Dienstag über die Veröffentlichung von Genehmigungspapieren der Fabrik beraten zu wollen. Als Unglücksursache kommen nach Ansicht von Experten sowohl Brandstiftung wie auch technisches Versagen in Betracht. Eine unabhängige Kommission soll die Hintergründe der Katastrophe untersuchen. Zahl der Verletzten steigt weiter
Entgegen anders lautenden Gerüchten habe sich die Zahl der bisher geborgenen Toten nicht erhöht, sagte Vizebürgermeister Eric Helder am späten Montagabend. Die Zahl der Verletzten musste er erneut nach oben korrigieren. Insgesamt ließen sich demnach 629 Menschen ärztlich behandeln, fünf Menschen lagen am Dienstagmorgen noch auf der Intensivstation. Nicht alle 200 Vermißten müssen tot sein |
||||||||
| Geändert am 16. Mai 2000 09:17 von to | |||||||||