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Eine Woche nach der Katastrophe von Enschede:

Fahndung nach Fabrikbesitzern

Haftbefehle - Zahl der Toten korrigiert auf 17 korrigiert

Enschede - Eine Woche nach der Katastrophe von Enschede läuft die Fahndung nach den Besitzern der Unglücksfabrik S.E. Fireworks auf Hochtouren. Die niederländische Justiz sucht Ruud Bakker und Willem Pater mit Haftbefehlen im In- und Ausland, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Ein Sprecher des St. Antonius-Hospitals in Gronau (NRW) bestätigte am Freitag, dass "ein Mann mit dem Namen Ruud Bakker" nach dem Unglück in der Klinik versorgt und "Anfang der Woche" entlassen worden sei.

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Die Katastrophe forderte nach offiziellen Angaben mindestens 17 Tote und 946 Verletzte.

Bakker und Pater sind verdächtig, auf dem Gelände ihrer Firma gegen die Vorschriften für das Lagern und Bearbeiten von Feuerwerksmaterial verstoßen und das Inferno vom Samstag verursacht zu haben. Fachleute werfen den Eignern unter anderem vor, sie hätten mit Material aus China selbst Feuerwerksartikel zusammengestellt und billig angeboten, obwohl die Betriebserlaubnis die Produktion von Feuerwerkskörpern nicht zugelassen habe.

Die Stadtverwaltung korrigierte die Zahl der bisher geborgenen Todesopfer von 18 auf 17, nachdem am Donnerstagabend bereits acht weitere Namen von der Liste der Vermissten gestrichen wurden. Die entdeckten Leichenteile, die zunächst auf einen 18. Toten hingedeutet hätten, seien schon identifizierten Toten zugeordnet worden, erklärte Bürgermeister Jan Mans am Freitag die veränderten Angaben.

Zweifel an offizieller Zählung

Es gebe sogar Anhaltspunkte dafür, dass sechs der weiterhin vermissten 13 Menschen noch am Leben seien. Die Hinweise seien aber bisher nicht ausreichend geprüft, sagte Jan Cryns, der in Enschede die Vermissentensuche koordiniert. Einige der noch Gesuchten waren möglicherweise zum Zeitpunkt der Explosion in der Feuerwerksfabrik am Samstag gar nicht vor Ort. Die Zahl der Verletzten wurde weiter mit 946 angegeben. Die Zweifel der Bevölkerung an der offiziellen Zählung blieben jedoch bestehen. Einige Bürger befürchten, die Behörden wollten das wahre Ausmaß der Katastrophe verschleiern.

Trauergottesdienst

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Aus einem illegalen Lager für Feuerwerkskörper im niedersächsischen Bad Bentheim stammende Knallkörper stehen am Freitag in einer Lagerhalle im Hamburger Freihafen. Rund 100 Tonnen des explosiven Materials wurden am Vormittag in diesen für die Lagerung von Feuerwerkskörpern zugelassenen Komplex transportiert. Bereits im März war die illegale Lagerung der Knaller in Bad Bentheim entdeckt worden, jetzt nach dem Unglück im 20 Kilometer entfernten Enschede reagierten die Behörden und räumten das Lager.

Mehrere hundert Feuerwehrleute erwiesen ihren in Enschede getöteten Kameraden bei einem Trauergottesdienst in der Kirche des Vorortes Glanerbrug die letzte Ehre. Es war die erste Trauerfeier für für die Opfer. Unter den rund 250 trauernden Feuerwehrleuten war auch eine Delegation aus der deutschen Nachbarregion. Zum Gedenken an die Opfer der Katastrophe sollte am Freitagabend auch ein Gedenkmarsch in Enschede stattfinden. Der niederländische Ministerpräsident Wim Kok, Kronprinz Willem-Alexander und mindestens 15.000 Teilnehmer wurden zu dem Umzug erwartet. Auf den öffentlichen Gebäuden hingen die Fahnen als Zeichen der Trauer auf halbmast.

Anwalt gibt Mandat ab

Am Donnerstagabend hatte der bisherige Anwalt der gesuchten Firmenchefs sein Mandat einem Anwalt in Amsterdam übergeben. Für die Gesuchten sei es besser, von einem Anwalt außerhalb der betroffenen Region vertreten zu werden, gab er an. Zuvor hatten Bakker und Pater über den Anwalt aus Enschede ihr Mitgefühl erklärt und ihre Mitarbeit bei der Untersuchung der Katastrophe angekündigt.

Die Sucharbeiten in dem durch die Explosion verwüsteten Wohngebiet sollen am Wochenende abgeschlossen sein. Dann werde das anschließende Industriegelände mit der Unglücksfabrik durchsucht, teilte das Lagezentrum mit.

dpa - Fotos: dpa

Geändert am 19. Mai 2000 14:51 von aj
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