IVWPixel Zählpixel
"Musikpiraten" bald ohne Beute
Kino: Ausflug in andere Welten
S-Bahn-Bombe: Neun Verletzte
Concorde-Crash: Fremdkörper?
Jolo: Spiegel-
Reporter ist frei

Spion "Topas" aus Haft entlassen
Jacht-Drama
blutig beendet

Raumstation ISS: Alles planmäßig
Kängeru ging zum Tierarzt
Wetter
Karikatur


Top-Spion "Topas" wieder frei

Früherer DDR-Agent vorzeitig aus der Haft entlassen

Saarbrücken/Karlsruhe/Berlin - Der frühere DDR-Top-Spion Rainer Rupp alias "Topas" ist nach sieben Jahre Haft wieder frei. Der in seiner aktiven Zeit als äußerst gefährlich eingestufte Agent wurde "wie bei entsprechenden Fällen üblich" vorzeitig aus der Haftstrafe von zwölf Jahren entlassen, erklärte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe am Donnerstag und wies darauf hin, Rupp sei am 31. Juli 1993 in Untersuchungshaft gekommen. Die Entlassung aus dem offenen Vollzug in Saarbrücken hatte das Justizministerium im Saarland am Donnerstag bestätigt.

Anklicken zum Vergrößern
Seine Arbeit hätte laut Gericht "verheerend und kriegsentscheidend" sein können: Rainer Rupp (Archivbild).

Nach Auffassung des Oberlandesgerichts Düsseldorf hätte die Arbeit Rupps in der Nato-Zentrale in Brüssel im Kriegsfalle "verheerend und kriegsentscheidend" sein können. Die PDS, für die Rupp seit rund eineinhalb Jahre arbeitet, begrüßte, dass der Ex-Spion in das bürgerliche Leben zurückkehren und friedensstiftende Arbeit leisten könne. Rupp verfertigt für die PDS außenpolitische Analysen.

"Topas" hatte von 1977 bis 1989 Geheimdokumente aus der Brüsseler NATO-Zentrale an Ost-Berlin geliefert. Fast drei Jahre hatte die Suche nach dem DDR-Topspion gedauert, nachdem die Ermittlungsbehörden im Herbst 1990 die Fährte zu der "Spitzenquelle" der DDR- Staatssicherheit in Brüssel aufgenommen hatten. Im Juli 1993 wurde "Topas" enttarnt. Das Oberlandesgericht in Düsseldorf verurteilte den Überzeugungstäter wegen schweren Landesverrates im November 1994 zu zwölf Jahren Haft. "Mein Herz schlug in der DDR", hatte der Diplom- Volkswirt während seines Prozesses erklärt.

Geheimdokumente aus der NATO-Zentrale

Rupp war als 22 Jahre alter Student 1968 von der Hauptverwaltung Aufklärung des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit angeworben worden. Von 1977 an lieferte er "auftragsgemäß" Geheimdokumente über die Streitkräfteplanung des westlichen Bündnisses aus der NATO- Zentrale an die DDR und den damaligen sowjetischen Geheimdienst KGB. Seine Ehefrau Ann-Christine, die ebenfalls in der NATO-Zentrale in Brüssel arbeitete und dem Top-Agenten als "Schutzwall" diente, wurde wegen Beihilfe zu einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Das Paar hat drei Kinder.

Heftige politische Auseinandersetzungen verursachte Ende 1998 das Angebot der PDS an Rupp, während seiner Freigänge für sie zu arbeiten. Die damalige CDU-Generalsekretärin Angela Merkel erklärte, das Beschäftigungsangebot an den Ex-Agenten sei ein erneuter Beleg dafür, dass es für die PDS keine weitere Aufarbeitung des DDR- Unrecht-Regimes geben solle. Der damalige Bundestagsvizepräsident Rudolf Seiters (CDU) sprach von einer Zumutung. Der SPD- Bundestagsabgeordnete Markus Meckel, nach der Wende DDR- Außenminister, nannte das Verhalten der PDS einen Skandal. Die PDS wiederum wies darauf hin, der Honorarvertrag sei die Bedingung der Justiz für den Freigang Rupps.

Prominente setzten sich für Begnadigung ein

Andererseits hatten sich zahlreiche Prominente für die Begnadigung des Ex-Spions eingesetzt. Im März 1998 hatten 40 Juristen, Politiker, Künstler, Wissenschaftler und Theologen einen Appell an den damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog gerichtet. Dazu zählten nach Darstellung der PDS die Publizistin Marion Gräfin Dönhoff, der SPD- Politiker Egon Bahr, der Theaterintendant Frank Castorf sowie die Schriftsteller Martin Walser und Günter Grass.

dpa - Archivfoto: dpa

Geändert am 27. Juli 2000 17:25 von aj
Navigations-Seite: RZ-Online auf einen Blick Nachrichten-Überblick Newsticker mit dpa-Kurzmeldungen Aktuelle Wetter-Vorhersage Haitzinger-Karikatur Leserbrief schreiben Zur aktuellen Homepage Navigations-Seite: Alles auf einen Blick Zum Anfang dieser Seite und zu weiteren Links Leserbrief schreiben Zur aktuellen Homepage