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Bombe: Opfer waren Ausländer
Fassungslosigkeit: "Sie hat sich so auf das Baby gefreut"
Hintergrund: Anschläge auf Bahneinrichtungen

Sprengstoffanschlag:

Alle Opfer waren Ausländer

Rechtsradikaler Hintergrund möglich - Täter unbekannt

Düsseldorf - Einen Tag nach dem blutigen Bombenanschlag von Düsseldorf haben sich die Hinweise auf einen möglichen rechtsradikalen Hintergrund der Tat verdichtet. Staatsanwalt Johannes Mocken berichtete am Freitag, alle neun Opfer - sechs Frauen und drei Männer - stammten aus der ehemaligen Sowjetunion. Sechs von ihnen seien Juden.

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Die Splitter flogen in einen Umkreis von 100 Metern. Beamte des Bundeskriminalamtes suchen am Freitag nach der Explosion einer Bombe am Vortag nach Spuren.

Die Ermittler untersuchten nun fieberhaft, ob der Anschlag gezielt gegen diese Gruppe gerichtet gewesen sei. Bundesinnenminister Otto Schily unterstrich, es bestehe der Verdacht eines fremdenfeindlichen Anschlags. Er verurteilte die Tat als "abscheuliches Verbrechen" und forderte eine Bestrafung der Täter "mit aller gebotenen Härte".

Belohnung

Für sachdienliche Hinweise setzten die Behörden eine Belohnung von 10.000 Mark aus. Nach Angaben des Staatsanwalts waren am Freitag alle Opfer des Anschlags außer Lebensgefahr, auch das am schwersten verletzte Ehepaar Tatjana und Michail L. Die 26-jährige Frau und ihr 28-jähriger Mann hatten bei dem Anschlag infolge von Metallsplittern schwerste Bauchverletzungen erlitten. Die im fünften Monat schwangere Ukrainerin verlor ihr Baby. Das von der Explosion fast abgerissene Bein der Frau, konnten die Ärzte aber in einer vierstündigen nächtlichen Notoperation wieder annähen. Die übrigen Opfer sind zwischen 24 und 50 Jahre alt. Zwei von ihnen wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft schwer, die anderen leicht verletzt.

Alle Opfer besuchten laut Staatsanwaltschaft täglich zwischen 08.30 Uhr und 15.00 Uhr einen Deutschkurs in der Wirtschafts- und Sprachenschule R. Welling und passierten täglich zur selben Zeit den Tatort. "Wir können nicht ausschließen, das jemand die Bombe gezielt platziert hat, um diese Gruppe oder einige aus der Gruppe zu treffen", sagte Mocken.

BKA-Experten am Tatort

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Polizeikräfte suchen auch die Gleisen nach Hinweisen ab.

Um Klarheit zu erhalten, suchten Fachleute des Bundeskriminalamts auch am Freitag noch das S-Bahngelände in der Düsseldorfer Innenstadt nach Spuren des Sprengkörpers ab. Vor allem vom Zünder erhofften sich die Fahnder weitere Hinweise auf den Hintergrund der Tat. Falls der Sprengsatz per Fernzündung zur Explosion gebracht worden sei, spreche dies für einen gezielten Anschlag, hieß es. Denn nur so könne ein in Sichtweite postierter Täter sicher sein, die richtigen Opfer zu treffen. Ein Zeitzünder lasse dagegen eher vermuten, dass die neun Verletzten Zufallsopfer gewesen seien.

Konkrete Hinweise auf einen rechtsradikalen Hintergrund hatte die Polizei trotz intensiver Ermittlungen vorerst aber nicht. Sie schloss auch einen Anschlag der in Düsseldorf aktiven "Russen-Mafia" nicht aus. "Es gibt Hinweise in alle Richtungen", sagte Mocken.

Ermittlung gegen Unbekannt

Die Staatsanwaltschaft ermittelt bisher gegen Unbekannt wegen versuchten Mordes mit gemeingefährlichen Mitteln, gefährlicher Körperverletzung und Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion. "Der Täter hat in Kauf genommen, dass eine unbestimmte Zahl von Menschen zu Tode kommt", sagte Mocken.

Mit Bestürzung reagierte der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, auf das Attentat. "Wir sind entsetzt über den Anschlag, empört und bestürzt", sagte er. Zu möglichen Hintergründen wollte er sich nicht äußern. Er wolle und dürfe Spekulationen über mögliche Täter und ihre Motive nicht kommentieren, sagte Spiegel.

AP - Fotos: dpa

Geändert am 28. Juli 2000 17:28 von aj
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