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Riesige Bierflaschen und Zwiebeln als Särge
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"Ein Fisch für die letzte Ruhe"

Riesige Bierflaschen und Zwiebeln als Särge

Kunstwerke für Prestigebestattungen aus Ghana in Hamburg

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Für Auto-Freaks: Ein Sarg in Form eines Mercedes- Benz.

Hamburg - In einer überdimensionalen Bierflasche oder einem riesigen schwarzen Herrenschuh als Sarg die letzte Reise anzutreten, ist nicht gerade die europäische Vorstellung einer angemessenen Bestattung. In Ghanas Hauptstadt Accra dagegen gelten die farbigen Skulptur-Särge aus Holz als Prestigeobjekt, um Reichtum und Wohlstand des Verstorbenen auszudrücken. Im Museum auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg werden einige der afrikanischen Sargkreationen unter dem Motto "Ein Fisch für die letzte Ruhe" ausgestellt.

Traditionell werden bei Bestattung und Totenfest in dem westafrikanischen Land keine Kosten und Mühen gescheut. Erst seit rund 50 Jahren gibt es jedoch den Kult mit den Skulptursärgen, begründet von dem Künstler Kane Kwei, sagte der Afrikanist und einstige Direktor des Hamburger Völkerkundemuseums, Wulf Lohse, bei der Ausstellungseröffnung am Donnerstag. Etwa ein halbes Jahresgehalt eines Handwerkers, ab 1.000 Mark aufwärts, kostet so ein bunt lackierter Sarg. "Am häufigsten wird der Mercedes Benz als Statussymbol für den erfolgreichen Geschäftsmann gewählt", sagte Lohse.

Im Mehlsack ins Jenseits

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Sarg-Modell a la Al Bundi für Schuhverkäufer?: der "Lackschuh".

Beliebt sei auch die knapp zwei Meter lange Frühlingszwiebel mit ihrem üppigem Lauch, die innen mit weißem Satin ausgepolstert ist. Sogar ein Mehlsack - vermutlich für einen Bäcker - solle für einen würdigen Übergang ins Jenseits sorgen. Die Sargskulpturen zeigen dabei einen bemerkenswerten Realismus: Auf der Bierflasche mit der Aufschrift "Club Beer - The distinguished Lager" ist nicht nur der Alkoholgehalt angegeben, sondern auch das Haltbarkeitsdatum. "Der riesige schwarze Schuh ist ganz in Budapester Manier der Maßanfertigungen mit aufgemaltem Lochmuster gehalten und gilt als der Mercedes unter den Schuhen", erklärte Lohse.

Nach der mündlichen Überlieferung soll Kwei aus der Volksgruppe der Ga diese Tradition mit einem Sarg in der Form eines riesigen Fisches für seine Großtante begründet haben, einer wohlhabenden Fischhändlerin. Seitdem erfreuen sich die auffälligen Särge einer zunehmenden Beliebtheit. In dem Ort Teshi nahe der Hauptstadt sind zwei Familien mit der Herstellung der Särge beschäftigt. Aber auch Sammler in Übersee haben diese letzte Ruhestätte für die lieben Verblichenen mittlerweile für sich entdeckt.

Verschulden für die Beerdigung

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Der Ursprung: Nach der mündlichen Überlieferung soll Kwei aus der Volksgruppe der Ga die Tradition mit einem Sarg in der Form eines riesigen Fisches für seine Großtante begründet haben, einer wohlhabenden Fischhändlerin.

Mit den bunten Särgen haben die Ghanaer sich übrigens einer Häuptlingstradition bemächtigt, denn die Stammesoberhäupter wurden in verzierten Holzkisten zur letzten Ruhe gebettet. Alle anderen mussten mit Tüchern oder Matten vorlieb nehmen. Laut Lohse verschulden sich die Ghanaer für die Totenfeier häufig über Jahre hinweg.

Die Toten seien fast wichtiger als die Lebenden, da die Familie als Gemeinschaft der Lebenden, Toten und Ungeborenen verstanden werde. Die Familie sei zu Ahnenkult und Opfergaben verpflichtet, weil man glaube, dass die einstigen Verwandten im Jenseits auf die irdische Existenz einwirken könnten. Eine oft wochenlange, prächtige Totenfeier solle als daher als beste Eintrittskarte in die Totenwelt dienen, erläuterte Lohse.

Auf dem Ohlsdorfer Parkfriedhof könnten laut Hamburgischem Bestattungsgesetz auch diese ghanesischen Särge, ob in Flaschen- oder Fischform unter die Erde gebracht werden. Es komme bei der Bestattung weniger auf die Form als auf das Material an. Und diese Särge aus Ghana seien vollständig aus Holz, erklärte Pressesprecherin Sabine Blum.

Die Ausstellung ist bis 31. Januar 2001, sonntags, montags und donnerstags von 10.00 Uhr bis 14.00 geöffnet.

AP - Fotos: AP

Geändert am 23. November 2000 16:07 von aj
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