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Briten erlauben Embryo-Klonen
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Briten erlauben Klonen von Embryos

Für therapeutische Zwecke - Emotionale Debatte

London - Großbritannien wird aller Voraussicht nach das erste Land Europas sein, in dem bis zu 14 Tage alte Embryos geklont werden dürfen. Nach einer emotionalen Debatte um den Schutz des menschlichen Lebens hat das britische Parlament mit 366 gegen 174 Stimmen einem Gesetz zugestimmt, mit dem das Klonen von Embryos für therapeutische Zwecke erlaubt wird.

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Schaf "Dolly", das erste aus einer Stammzelle geklonte Schaf, mit seinem natürlich zur Welt gekommenen Nachwuchs "Bonnie" - aufgenommen am 23. April 1998. Erstmals soll in Großbritannien das Klonen von bis zu 14 Tage alten Embryonen für therapeutische Zwecke erlaubt werden.

Die embryonalen Stammzellen sollen vor allem dazu dienen, neues gesundes Gewebe für schwer kranke Patienten herzustellen. Das Klonen von Menschen soll weiterhin verboten bleiben. Das Gesetz muss jetzt auch noch die Hürde des Oberhauses (House of Lords) passieren.

"Es gibt einen immensen potenziellen Nutzen aus dieser Forschung, vor allem für jene, die unter schrecklichen chronischen Krankheiten leiden", hatte die Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Yvette Cooper, den Gesetzentwurf verteidigt. Die Forschung mit embryonalen Stammzellen sei keine Vorstufe zum Klonen von Menschen. Die konservative Abgeordnete Ann Winterton lehnte das Gesetz entschieden ab. Es sei "ein schrecklicher Betrug", wenn behauptet werde, nur mit dem Klonen von Embryonen könne den Schwerkranken geholfen werden. "Das ist alles nur Wunschdenken", rief sie.

Vor allem der britische Ärzteverband und die Sprecher von Organisationen, die beispielsweise Patienten mit Alzheimer, Parkinson, Multipler Sklerose oder Leukämie vertreten, hatten zuvor die Abgeordneten aufgefordert, den Weg zum therapeutischen Klonen zu ermöglichen. Dies sei die einzige Hoffnung für viele Schwer- oder Todkranke.

Zellen im frühen Embryo-Stadium

Die Befürworter des Klonens mit embryonalen Zellen argumentierten schon vor der Parlamentsdebatte, es handele sich bei Zellen im frühen Embryo-Stadium (Blastozyste) noch nicht um einen Menschen. Sie wollen neues Gewebe mit dem Erbgut eines Patienten züchten, indem sie Erbmaterial aus gesunden Zellen dieses Patienten in eine zuvor entkernte Eizelle spritzen. Da die embryonalen Stammzellen in diesem Stadium nicht ausdifferenziert sind, hoffen sie auf diese Weise neues "Ersatzteil"-Gewebe züchten zu können, das vom Patienten nicht abgestoßen wird.

Die Labour-Abgeordnete Anne Begg, die unter einer Form von Multipler Sklerose leidet, rief aus ihrem Rollstuhl den Abgeordneten zu: "Fast jeder, der unter einer solchen Krankheit leidet, wünscht verzweifelt, das die Forschung vorangetrieben wird. Darunter sind viele, für die die Ergebnisse dieser Forschung zu spät kommen werden." Ihre Fraktionskollegin Fiona MacTaggart teilte dem Unterhaus mit brechender Stimme mit, sie sei unfruchtbar und leide an Multipler Sklerose: "Es ist unverzeihlich, wenn Sie gegen dieses Gesetz stimmen."

Menschliches Leben als Ware?

Hingegen appellierten Vertreter der Kirchen und von Organisationen zum Schutz des ungeborenen Lebens an die Parlamentarier, das Gesetz abzulehnen. Sie fürchten, dass mit dem therapeutischen Klonen das Tor zum Klonen von Menschen aufgestoßen und menschliches Leben als Ware betrachtet werden könne. Der gesundheitspolitische Sprecher der Konservativen, Liam Fox, sagte, er sei aus moralischen Gründen gegen die Benutzung von embryonalen Zellen. Es sei aber unrealistisch, anzunehmen, dass solche Forschung zur Herstellung gesunden Gewebes auf Dauer verhindert werden könne. Deswegen sei es besser, strikte Vorschriften für die Verwendung von Embryos zu machen.

Premierminister Tony Blair hatte unmittelbar vor Beginn der Debatte wissen lassen, er werde für die Gesetzesänderung stimmen. Bei der Abstimmung gab es keinen Fraktionszwang. Vor dem Westminister-Palast demonstrierten mehrere Dutzend Menschen, gekleidet in weiße Kittel mit Masken des Gesichts von Tony Blair, gegen das Gesetz.

dpa

Geändert am 20. Dezember 2000 16:32 von aj
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