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| Tonnenweise liegen in deutschen Haushalten Feuerwerkskörper für den 1. Januar 2001, 0.00 Uhr bereit. |
Zur ersten Blüte gelangte die schon lange Zeit zuvor in China beliebte Pyrotechnik in Europa zurzeit der Renaissance. Ludwig XIV. war im 18. Jahrhundert für seine gigantischen Feuerwerks-Spektakel berühmt. Zum Jahreswechsel reibt sich die Branche der Raketen- und Böllerhersteller jedes Mal die Hände, wird doch in dieser Nacht der Großteil des Jahresumsatzes gemacht. Der Lärm soll seit jeher die bösen Geister vertreiben.
In der "Nacht der guten Wünsche" stehen auch besondere Speisen und Getränke bereit, die zur Beeinflussung des Schicksals eingesetzt werden. In ihrem Buch "Feste und Bräuche" berichtet Sybil Gräfin Schönfeld etwa davon, dass die Erbsensuppe in vielen Familien bis heute als klassisches Silvestergericht gilt, das Reichtum und Segen bringen soll. Beliebt sind auch Glückstorten aus Reis, Glückskuchen mit eingebackenen Geldmünzen oder Brezeln als Symbole der Unendlichkeit und Verbundenheit. Auch Neujahrskranz und Zopfbrot haben sich bis heute als Mitbringsel für die letzte Nacht des Jahres gehalten. Ihre Formen beschwören einen magischen Schutz gegen Unheil und Dämonen.
Wissenschaftler des Amtes für rheinische Landeskunde beim Landschaftsverband Rheinland haben herausgefunden, dass auch die weit verbreiteten lärmenden Neujahrs-Bräuche nicht nur dazu dienen, Dämonen und böse Mächte vom neuen Jahr zu vertreiben. Vielmehr seien die lauten Umzüge im Rheinland oft auch Ausdruck der Freude und der Ehrung gewesen. Im 18. Jahrhundert brachten etwa die Kölner dem Rat der Stadt ihre Neujahrswünsche mit Pauken und Trompeten dar. Die Honoratioren antworteten wohlwollend mit einer Geldspende. Im Eifelstädtchen Daun sangen die Burschen früher den hohen Herren ein mitternächtliches Ständchen. Zum Dank gab es Wecken oder Brezeln, eine traditionelle und sehr verbreitete Neujahrsgabe.
In Spanien verzehrt man in der Neujahrsnacht unter anderem auch zwölf Weintrauben, für jeden Monate eine. In Italien wird um Mitternacht Geschirr auf die Straße geworfen, in Österreich wird ein kunstvoll verzierter Schweinskopf serviert und in Deutschland gibt es entweder Silvesterpunsch oder die legendäre Feuerzangenbowle und natürlich Berliner Ballen oder anderes Schmalzgebäck.
Das heute gängige Glücksschwein aus Marzipan erinnert übrigens nach Angaben von Brauchtumsforschern an den Wilden Eber, der als heiliges Tier der germanischen Götter verehrt wurde. Das Hufeisen soll von Wotans Pferd stammen und das vierblättrige Kleeblatt schließlich ist Glück verheißend, weil es alles gewünschte oder erhoffte Gute vervierfacht. Wer all den fertig zu kaufenden Glücksbringern nichts abgewinnen mag, kann sich sein ganz persönliches Glückssymbol in der Neujahrsnacht schaffen. Bleigießen ist nach wie vor ein Renner bei jeder Silvesterparty.