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Richard Gere als Frauenarzt im Kino:

Das Rätsel Weib

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Tagtäglich wird Dr. Sullivan Travis (Richard Gere) von einem ganzen Harem sehnsüchtig erwartet. Allein unter Frauen: "Dr. T & The Women" ist eine Komödie über einen Mann, der die Frauen zu sehr liebt. Das liegt daran, dass er sie nicht richtig kennt, wie sich bald zeigt.

Dr. T, ein gut aussehender Mann und der Lieblingsgynäkologe der Oberschicht in Dallas, liebt nicht nur seine eigene Frau über alles, er mag jede, und sei sie noch so schrill, die sich auf seinen Behandlungsstuhl legt. Er übt nicht nur die peinliche Untersuchung in taktvollster Weise aus, er hat Verständnis für die Wehwehchen von Wechseljahr-Geplagten, und Hypochonderinnen finden bei ihm stets ein offenes Ohr. Kein Wunder, dass seine Praxis stets überfüllt ist.

Zwei wohlgeratene Töchter, Entspannung im noblen Golfclub und eine schöne Ehefrau lassen sein Dasein als perfekt erscheinen, doch die glückliche Fassade bekommt unversehens Risse. Gattin Kate (Farrah Fawcett), auf Boutiquen-Tour, um die Hochzeit für Tochter Dee Dee auszustatten, entledigt sich nacheinander ihrer Kaschmirhüllen und springt nackt in den Brunnen. In der Nervenheilanstalt erkennt Dr. T seine Frau nicht wieder, die, so die Diagnose, unter dem "Hestia"-Syndrom leidet, sich zu sehr verwöhnt und geliebt fühlt und damit nicht fertig wird.

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Was will das Weib?

Es sind gut ausgehaltene Ehegattinnen, die außer Shoppen und Arztbesuchen nichts zu tun haben, die in dieser Burleske so unverschämt auf die Schippe genommen werden. Dabei scheinen die Dallas-Ladys in den USA eine Spezies zu sein, die das Auftakeln und die Kunst des hohlen Geschwätzes zu besonderer Blüte geführt haben: Dort bekommt ein solventer Ehemann viel Frau für sein Geld. Es ist immer eine kräftige Dosis zu viel: zu viel Schminke, zu viel Schmuck, zu kurze Röcke, und zu viel "big hair", wie die Friseur-Frisuren drüben genannt werden. Wie im Hühnerstall geht's zu im Warteraum der Praxis, wo die arroganten Ziegen mit ihrem Gekeif die Sprechstundenhilfen regelmäßig an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringen.

Was will das Weib, fragen sich im Verein mit Dr. Freud Dr. T und auch Robert Altman, der sich in seinen Filmen stets mit dem Frausein beschäftigt. Jede besitzt rätselhafte Launen: Golflehrerin Bree (Helen Hunt), von deren offener, selbstbewusster Art Dr. T angezogen wird, und mit der er eine Affäre beginnt, die puppenhaften Töchter, die beschwipste Schwägerin... Dabei inszeniert der nun 75-jährige Altman herrlich komische Szenen, die den American Way of Life aufs Korn nehmen; noch lohnender sind freilich beiläufige, treffende Beobachtungen.

Auftrumpfende Zickenparade

Feministinnen empfanden diesen Film (das Drehbuch schrieb übrigens eine Frau) als Schlag ins Gesicht - wer kann es ihnen verdenken. Frauen a la Dallas kommen bei Alice Schwarzer eben nicht vor, aber nicht nur die Kriegsbeute von Babs Becker sollte orthodoxen Vertreterinnen zu denken geben. Andererseits ist es für Frauen bestimmt spaßiger, statt weiblicher Serienkiller-Opfer eine auftrumpfende Zickenparade vorgeführt zu bekommen.

Vielsagende Akzente

Wahr ist, dass Altman, der im übrigen seine Schauspieler hervorragend führt, seinen Charakteren keine besondere Tiefe verleiht und manches Frauenzimmer als Karikatur erscheinen lässt. Wie meisterhaft er aber dennoch vielsagende Akzente setzt, zeigt eine winzige Szene, die Kates Verwandlung einläutet. Sie zieht ihre Stilettos aus, und es erscheinen blutige Füße. Bei ihr zumindest haben diese weiblichen Folterinstrumente ausgedient.

Birgit Roschy, AP

Geändert am 23. Januar 2001 13:29 von mwege
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