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Indien: Baby aus Trümmern gerettet
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Stichwort: Richterskala
Statistik: Die schwersten Erdbeben der letzten zehn Jahre

Drei Tage nach Erdbeben: Tausende noch vermisst

Frau und Baby aus Trümmern gerettet

Bhuj/Indien - Trotz schwindender Hoffnungen haben Rettungskräfte auch drei Tage nach dem Erdbeben in Indien fieberhaft nach Überlebenden gesucht. Am Montag retteten Helfer eine 40 Jahre alte Frau sowie ein siebenmonatiges Baby aus den Trümmern eingestürzter Häuser. Die Behörden teilten mit, bislang seien 6.287 Todesopfer bestätigt. Da noch Tausende vermisst wurden, schätzte die Regierung die Gesamtzahl aber auf bis zu 20.000. Überlebende kritisierten die Koordination der Rettungsarbeiten.

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Nach drei Tagen gerettet: Das sieben Monate alte Baby wurde durch Zufall entdeckt.

Die 40 Jahre alte Kusumben Myacha verbrachte drei Tage eingeschlossen in einem Hohlraum, ehe sie am Montagmorgen befreit wurde. Am gleichen Tag entdeckten Helfer, die die Leiche einer Frau bergen wollten, am Körper der Toten ein sieben Monate altes Baby. Dennoch bestand nach Einschätzung von Schweizer Helfern nach drei kalten Nächten kaum noch Hoffnung auf weitere Rettungen.

Kritik an Regierung

Überlebende warfen der Regierung vor, zu langsam reagiert zu haben. Zudem mangele es an Räumgerät und Generatoren. Unzureichende Bauvorschriften und mangelnde Kontrollen hätten dazu geführt, dass viele Häuser zusammengestürzt seien. Anwohner kritisierten auch, dass die Rettungsarbeiten mangels Generatoren nur tagsüber liefen. "Sie arbeiten nur von 10.00 bis 18.00 Uhr", sagte Pradeep Sheth, dessen Familie unter Trümmern begraben wurde. "Dies ist ein Notfall, sie sollten rund um die Uhr arbeiten."

Schaden wird auf 11,7 Milliarden Mark beziffert

Die Regierung erklärte, die zugesagte ausländische Hilfe reiche nicht aus. Für den Wiederaufbau beantragte sie einen Kredit über 1,5 Milliarden Dollar bei Weltbank und Asiatischer Entwicklungsbank. Der indische Handels- und Industrieverband bezifferte den Sachschaden auf 250 Milliarden Rupien (rund 11,7 Milliarden Mark/sechs Milliarden Euro). Zudem entstehe dem Land ein täglicher Produktionsverlust von 5,5 Milliarden Rupien.

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THW schickt Spezialisten

Die Bundesregierung stockte ihre Hilfe von zwei auf drei Millionen Mark auf. Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul bot Neu-Delhi zudem drei Millionen Mark für Trinkwasseraufbereitungsanlagen und sieben Millionen für den Wiederaufbau an. Das Technische Hilfswerk entsandte drei weitere Spezialisten mit Räumungsgerät. Großbritannien kündigte an, zusätzlich zu den bisherigen zwei Millionen Pfund weitere acht Millionen Pfund (25 Millionen Mark) bereitzustellen. Entwicklungshilfeministerin Clare Short sagte, vier Flugzeuge sollten mit Hilfsgütern nach Indien geschickt werden.

Auch verfeindetes Pakistan hilft

Die USA sagten die Entsendung von Hilfsgütern im Wert von fünf Millionen Dollar (10,6 Millionen Mark/5,4 Millionen Euro) zu. Zu den Hilfsgütern gehören Plastikplanen, Decken, Wasserbehälter und Generatoren. Japan kündigte die Entsendung von 20 Ärzten an und stellte eine Million Dollar bereit.

Der pakistanische Machthaber Pervez Musharraf sagte, Indien habe ein Hilfsangebot seines Landes abgelehnt. Außenminister Abdul Sattar erklärte dagegen, Neu-Delhi habe seine Haltung geändert. Pakistan werde am (morgigen) Dienstag ein Flugzeug mit Decken und Zelten nach Indien schicken. In Pakistan, das mit Indien verfeindet ist, kamen bis zu 18 Menschen bei dem Beben ums Leben.

AP - Fotos: AP, dpa

Geändert am 29. Januar 2001 19:00 von sab
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