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Elektronische Form der altmodischen Kettenbriefe:

"Hoaxes" kursieren seit Jahren im Web

Falsche Viruswarnungen verunsichern vor allem Neulinge

Der Inhalt der E-Mail klingt dramatisch: Es sei ein "praktisch tödlicher" Computervirus im Umlauf, der die Festplatte löscht, heißt es. Der Virus komme per Mail, und diese dürfe auf keinen Fall geöffnet werden. Die Warnung solle der Adressat so schnell wie möglich an alle Bekannten weiterleiten. Wer dieser Aufforderung nachkommt, ist jedoch einem so genannten Hoax, einer elektronischen Ente, aufgesessen.

Hoaxes kursieren schon seit Jahren im Cyberspace und schaffen es immer wieder, E-Mail-Nutzer zu verunsichern. Frank Ziemann von der Technischen Universität Berlin kann ein Lied davon singen. Er hat sich die Aufklärung über Hoaxes zur Aufgabe gemacht und ausführliche Informationen zu diesem Thema im Internet veröffentlicht. Täglich treffen 50 bis 100 Anfragen per Mail bei ihm ein, sagt Ziemann. Seiner Ansicht nach fallen insbesondere Internet-Neulinge häufig auf die Falschmeldungen herein.

Aufbau im Prinzip immer gleich

Der Aufbau eines Hoaxes ist im Prinzip stets derselbe, lediglich der Name des vermeintlichen Virus' variiert. Im Betreff steht meist "Viruswarnung" oder ein ähnlicher Begriff. Die Mail informiert über einen neuen Virus, der verheerenden Schaden anrichte. Als Quelle für die Warnung werden oft große Unternehmen, wie Microsoft und AOL, oder Behörden wie die US-Bundespolizei FBI angegeben. Das Charakteristischste aber ist die Aufforderung, die Warnung sofort weiter zu verbreiten. Darin liegt nach Ziemanns Ansicht der eigentliche Schaden, den Hoaxes anrichten: Sie belasten E-Mail-Server mit unnötigem Datenverkehr und binden Arbeitszeit.

Seit dem Auftauchen des ersten dokumentierten Hoaxes namens "Good Times" Anfang der 90er Jahre haben sich die vermeintlichen Virenmeldungen nur in Details gewandelt, sich gewissermaßen an aktuelle Trends angepasst. Ein gutes Beispiel dafür ist - die TV-Show "Big Brother" lässt grüßen - die Warnung vor dem Bildschirmschoner-Programm "Zlatko.exe", die zur Vorspiegelung von Glaubwürdigkeit mit der Dienstadresse eines Mitarbeiters der Deutschen Telekom versehen ist.

Quelle immer gefälscht

Aber auch Klassiker, wie zum Beispiel "Win a Holiday", sind noch im Umlauf. "Es kann vorkommen, dass man innerhalb von zum Beispiel zwei Jahren ein und dieselbe Mail vier Mal erhält und immer vor dem gleichen Virus gewarnt wird, der 'erst gestern' entdeckt wurde", sagt Andre Post, der in der Forschungsabteilung des Anti-Viren-Software-Herstellers Symantec in Leiden arbeitet. Da die falschen Warnungen allein schon auf Grund ihres stereotypen Aufbaus leicht zu identifizieren sind, rät Post ebenso wie alle anderen Experten: "Wenn Sie eine solche Mail erhalten, ignorieren Sie diese einfach." Allenfalls der Absender solle darüber informiert werden, dass er einem Hoax aufgesessen ist. Weder Anti-Viren-Spezialisten noch Computerkonzerne verbreiten Warnungen vor neuen Computerviren im Kettenbriefverfahren, wie Post betont. Die Quelle, die einen Hoax seriös erscheinen lassen soll, sei also immer gefälscht.

Angebliche Gewinnspiele

Ähnlich verhält es sich mit Ketten-Mails, die über angebliche Gewinnspiele oder ähnliches informieren. Bill Gates zahlt 1.000 Dollar, Nokia verschenkt WAP-Handys oder Disney World eine All-Inclusive-Reise - der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Auch E-Mail-Petitionen, die zum Beispiel behaupten, ein krebskrankes Kind erhalte für jede weitergeleitete Mail einen bestimmten Betrag von einer Stiftung, sind frei erfunden. Es handelt sich um nichts anderes als eine elektronische Form der altmodischen Kettenbriefe, "die wir schon in der Grundschule erhalten haben", erklärt Hoax-Experte Ziemann. Sein Rat: "Finger weg von Kettenbriefen" - auch im Internet.

AP

Geändert am 13. Februar 2001 15:06 von aj
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