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Ex-Terrorist wegen OPEC-Attentat verurteilt:

Klein muss neun Jahre in Haft

Frankfurt/Main - Der Ex-Terrorist Hans-Joachim Klein hat wegen seiner Beteiligung am Wiener OPEC-Überfall 1975 eine neunjährige Haftstrafe erhalten. Das Landgericht Frankfurt am Main befand den 53-Jährigen am Donnerstag des dreifachen gemeinschaftlich begangenen Mordes in Tateinheit mit versuchtem Mord in drei weiteren Fällen sowie der 70-fachen Geiselnahme für schuldig.

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Verurteilt: Hans Joachim Klein.

Bei der Festsetzung des Strafmaßes kam die Kronzeugenregelung zur Geltung. Kleins Mitangeklagter Rudolf Schindler wurde freigesprochen. Mit der Anwendung der Kronzeugenregelung entsprach das Gericht den Anträgen sowohl der Verteidigung als auch der Staatsanwaltschaft. Kleins Anwalt hatte unter diesem Gesichtspunkt auf acht Jahre Haft plädiert, die Anklage auf 14 Jahre. Bei Schindler, der wegen Beihilfe zur Anstiftung zu den Taten Kleins angeklagt war, folgte das Gericht mit dem Freispruch dem Antrag der Verteidigung. Die Staatsanwaltschaft hatte fünf Jahre Haft gefordert.

In der Urteilsbegründung sagte der Vorsitzende Richter Heinrich Gehrke, Kleins Aussage, er habe lediglich in die Luft geschossen, sei zwar "sehr unwahrscheinlich, aber nicht zu widerlegen". Die eigenhändige Erschießung eines irakischen Sicherheitsbeamten wiederum könne Klein nicht angelastet werden, da deren Ablauf nicht habe geklärt werden können.

"Innerlich vom Terrorismus gelöst"

Klein hätten aber die miterlebten Erschießungen "von Menschen, die nichts getan hatten, so sehr entsetzt, dass er sich nach und nach innerlich vom Terrorismus löste". Er habe den Entschluss zum Ausstieg gefasst und diesen später "mutig und sichtbar in die Tat umgesetzt". Mit seiner Warnung vor einem geplanten Attentat auf die Vorsitzenden der jüdischen Gemeinden in Frankfurt am Main und Berlin habe er "dazu begetragen, die Begehung von terroritischen Straftaten zu verhindern". Auch Kleins Buch und die Aussagen während seiner Vernehmung hätten zur Aufklärung von Straftaten beigetragen.

Erinnerungslücken anerkannt

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Freigesprochen: Rudolf Schindler.

Zum Freispruch Schindlers erklärte Gehrke, die Kammer habe eine Tatbeteiligung "nicht verifizieren können". Da zuverlässige Hinweise anderer Zeugen nicht existierten, sei das Gericht auf eine glaubwürdige Aussage Kleins angewiesen gewesen. Dies sei nicht der Fall gewesen. Gehrke betonte aber ausdrücklich, "dass wir nicht zu dem Ergebnis gekommen sind, dass Klein absichtlich die Unwahrheit sagte, um sich Vorteile über die Kronzeugenregelung zu verschaffen". Vielmehr habe die lange Zeitdauer zwischen Tatgeschehen und Prozess sowie Kleins rund 20-jährige Isolation im Ausland "die Erinnerung an Namen und Personen verschoben".

Terrorkommando unter "Carlos"

Klein hatte am 21. Dezember 1975 mit einem sechsköpfigen Terrorkommando unter Führung von Illich Ramirez Sanchez, genannt "Carlos", die OPEC-Konferenz in Wien überfallen. Dabei kamen drei Menschen ums Leben, Klein selbst wurde schwer verletzt. Er sagte sich 1977 vom Terrorismus los und tauchte bis zu seiner Verhaftung im September 1998 in Frankreich unter. Auf Grund seiner Aussage wurde Schindler verhaftet. Kleins hatte ausgesagt, Schindler habe ihn für den Anschlag angeworben und in Wien logistische Aufgaben übernommen.

AP - Foto: AP

Geändert am 15. Februar 2001 16:27 von aj
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