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Wirbel um Trittins "Skinhead"-Vergleich

Meyer verlangt ultimativ Entschuldigung - Union empört

Berlin - Helle Empörung bei der Opposition hat eine Äußerung von Umweltminister Jürgen Trittin ausgelöst, der CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer die "Mentalität eines Skinheads" bescheinigte. Vor allem Unionspolitiker verlangten am Dienstag eine Entschuldigung Trittins und ein Machtwort des Bundeskanzlers. Meyer stellte dem Minister ein Ultimatum und behielt sich rechtliche Schritte vor. Von Seiten der Grünen hieß es, wer austeile, müsse auch einstecken können.

Anlass war ein Interview im WDR-Hörfunk, in dem Trittin zu Meyers Kritik am Asylbeschluss des Grünen-Parteitags befragt wurde. Nach Wiedergabe des WDR sagte er: "Laurenz Meyer hat die Mentalität eines Skinheads und nicht nur das Aussehen. Laurenz Meyer hat selber bekundet, dass er stolz darauf sei, dass er Deutscher ist. Das ist so die Flachheit, der geistige Tiefflug, der jeden rassistischen Schläger in dieser Republik auszeichnet."

Meyer setzte Trittin schriftlich eine Frist von 24 Stunden für eine Entschuldigung, wie ein CDU-Sprecher bestätigte. Andernfalls werde er rechtliche Schritte prüfen. Laut "Badischen Neuesten Nachrichten" (Mittwochausgabe) sagte er, Trittins Verhalten sei "unerträglich" und überschreite die Grenze bei weitem. "Im Gegensatz zu manch anderen bin ich im ganzen Leben nie gewalttätig gewesen."

Merz: "Unflätiger Angriff"

CDU-Chefin Angela Merkel nannte es der "Bild"-Zeitung (Mittwochausgabe) zufolge "ungeheuerlich, wie hier ein Mitglied der Bundesregierung über den politischen Wettbewerber spricht". Unionsfraktionschef Friedrich Merz forderte Kanzler Gerhard Schröder auf, Trittin wegen des "unflätigen Angriffs" zur Ordnung zu rufen. Fraktionsgeschäftsführer Hans-Peter Repnik erwartete eine Distanzierung des Bundeskanzlers. CDU-Vize Christian Wulff erklärte: "Die verbalen Entgleisungen gegen Laurenz Meyer sind ein weiterer trauriger Höhepunkt in dem Verhalten Trittins, der sich bis heute nicht von dem Mescalero-Aufruf distanziert hat und heute andere in unerträglicher Weise diffamiert."

Goppel (CSU): "Ausgesprochen krankes Hirn"

CSU-Generalsekretär Thomas Goppel sagte laut Berliner Zeitung "BZ": "Nur einem ausgesprochen kranken Hirn kann eine solche Formulierung entspringen." Da höre die Immunität auf, befand Goppel. "Der Staatsanwalt, der bis jetzt noch nicht tätig geworden ist, hat ein ähnlich verqueres Rechtsstaatsbewusstsein wie Trittin."

FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle forderte ebenfalls eine Entschuldigung. Die "ehrverletzende Beleidigung" bedeute auch eine gefährliche Verharmlosung rechtsradikaler Schläger. Auch der Präsident des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, kritisierte Trittin. Er kenne Meyer und empfinde es als "Ungeheuerlichkeit, ihn auch nur in die Nähe von Skinheads oder rassistischen Schlägern zu bringen", sagte er laut "Berliner Zeitung" (Mittwochausgabe).

Beck (Grüne): Wer austeilt, muss auch einstecken können

Der Grünen-Rechtspolitiker Volker Beck kritisierte, dass gerade Meyer, der mit seiner Fahndungsplakat-Kampagne gegen Schröder die Grenzen politischen Anstands überschritten habe, nun den Moralapostel spiele. "Wer niveaulos austeilt, muss gelegentlich auch mal etwas wegstecken können." Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion, Katrin Göring-Eckardt, sagte, Meyer habe die Debatte selbst angeheizt. Die CDU habe es angesichts eigener Entgleisungen nicht nötig, Entschuldigungen zu fordern.

AP

Geändert am 13. Maerz 2001 19:33 von aj
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