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Mir wartet auf Feuerbestattung
Nasa gelingt Test mit unbemanntem Raumgleiter
Grafik: Der Absturz der Raumstation Mir
Chronik: Die 15 Jahre der russischen Raumstation Mir
Hintergrund: Rekorde und Erfolge der Mir
Vorbild für die Internationale Raumstation
Vor dem Untergang am Abendhimmel zu sehen

Kosmischer Countdown läuft:

Mir wartet auf ihre Feuerbestattung

Moskau - Der kosmische Countdown läuft: Die russische Flugleitzentrale bei Moskau hat am Freitag den Zeitplan für das Untergangs-Szenario der Raumstation Mir bestätigt. Nach 15 ruhmreichen Jahren im All soll der einstige Stolz der sowjetischen Raumfahrt am kommenden Donnerstag in den Morgenstunden seine Feuerbestattung erster Klasse erhalten. Am 22. März um 7.21 Uhr MEZ stürzen, falls alle Berechnungen zutreffen, die glühend heißen Trümmerteile der Mir zischend in den menschenleeren Südpazifik.

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Archivbild der Mir: Der 140 Tonnen schwere Weltraumkoloss umkreiste die Erde am Freitag in einer durchschnittlichen Höhe von 236 Kilometern.

Der vorläufige Plan sieht einen ersten finalen Bremsimpuls um 1.32 Uhr MEZ vor, zu jenem Zeitpunkt soll die 140 Tonnen schwere Raumstation nur noch 220 Kilometer über der Erde kreisen. Die Orbitalstation erreichte auf ihrem Sinkflug am Freitag die Höhe von 236 Kilometern. Die Mir näherte sich zuletzt mit 2,5 Kilometern pro Tag der Erde. Die unterschiedliche Dichte der Erdatmosphäre kann den Zeitplänen aber noch einen Strich durch die Rechnung machen. Abweichungen von plus/minus einem Tag seien weiterhin nicht auszuschließen, hieß es.

Ohne Bremseinwirkung von außen würde die Mir im Wechselspiel zwischen Fliehkraft und Gravitation noch bis Ende März weiter um die Erde kreisen und dann - allerdings unkontrolliert - irgendwo auf dem Erdball in Trümmern niedergehen. Das wollen die russischen Experten um jeden Preis vermeiden.

"Schon 50.000 Mal durchgerechnet"

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Obwohl die bevorstehenden Bremsmanöver für einen zielgenauen Absturz der Mir nach Angaben russischer Experten "schon 50.000 Mal durchgerechnet" worden seien, bereitet sich die Flugleitzentrale auf alle erdenklichen Pannen vor. Was geschieht, wenn die Stromversorgung an Bord ausfällt und der Bremsimpuls nicht ausgelöst werden kann? "Dann greifen wir zuerst auf ein Notstromaggregat zurück und haben als letzte Rettung noch den Computer in dem angekoppelten Progress-Raumfrachter", erläutert Flugleiter Wladimir Solowjow.

Der als anfällig geltende Zentralrechner an Bord der Mir könnte wieder Zicken machen oder sich wie seine kleinen PC-Brüder auf der Erde einfach "aufhängen". Auch für diesen Extremfall habe man mit dem Notrechner im Progress-Frachter vorgesorgt, betont Solowjow. Über Befürchtungen, Trümmer der Mir könnten ausgerechnet auf das kleine Deutschland niedergehen, können die Fachleute im Riesenreich Russland nur lächeln. "Wir hatten eigentlich nicht vor, die Mir auf Deutschland stürzen zu lassen", scherzte eine Sprecherin der Flugleitzentrale.

Charterflug zur Absturzstelle

Wer das Spektakel mit eigenen Augen sehen will, muss sich beeilen. Eine amerikanische Firma bietet betuchten Raumfahrt- Enthusiasten für bis zu 10.000 US-Dollar (21.400 Mark) einen Charterflug zur Absturzstelle im Südpazifik an. Eine Gefahr für die Mir-Fans durch die herabfallenden Trümmer schloss die Firma aus. Für materiellen Schaden könnten die Russen immerhin aufkommen. Die Mir hat auf ihre letzten Tage noch eine Haftpflichtversicherung mit einer Schadenssumme von 200 Millionen Dollar bekommen.

dpa - Foto: Archiv

Geändert am 16. Maerz 2001 15:07 von aj
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