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Explosion auf Ölplattform

Vermutlich elf Tote - Kritik an Sicherheit

Rio de Janeiro - Bei zwei Explosionen auf der größten Ölplattform der Welt sind vor der Küste Brasiliens vermutlich elf Männer ums Leben gekommen. Der Unfall geschah nach Angaben der staatlichen Ölgesellschaft Petrobras am Donnerstag kurz nach Mitternacht aus noch unbekannter Ursache auf der Plattform P-36 im Becken von Campos etwa 250 Kilometer nordöstlich von Rio de Janeiro. Gewerkschaften prangerten inzwischen die Sicherheitsvorkehrungen von Petrobras an.

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Nach den Explosionen hat die größte Ölplattform der Welt bei Brasilien Schlagseite.

Zwar wurde bis zum Abend (Ortszeit) nur eine Leiche geborgen, doch galten zehn Arbeiter weiterhin als vermisst. Die Chancen, auf der Plattform oder im Meer nach Einbruch der Dunkelheit noch Überlebende zu finden, seien äußerst gering, sagten Sprecher von Petrobras und des Zivilschutzes. "Wir befürchten, dass die Vermissten bei der Explosion ins Meer geschleudert worden sind", sagte ein Petrobras-Sprecher.

Bei dem Unfall war außerdem ein Arbeiter schwer verletzt worden. Die restlichen 163 Arbeiter wurden den Angaben zufolge unmittelbar nach den Explosionen auf benachbarte Plattformen gebracht.

Feuer fast völlig gelöscht

Das Feuer im Bereich einer der Stützsäulen der Plattform konnte unterdessen nach Petrobras-Angaben von zwölf Lösch-Schiffen und mit Hilfe von Hubschraubern fast völlig gelöscht werden. Das Fördersystem der Plattform sei nicht betroffen, deshalb sei auch kein Erdöl ins Meer geflossen, hieß es von Petrobras. Selbst wenn die Plattform - wie von Experten befürchtet - untergehen sollte, werde das keine Konsequenzen für die Umwelt haben, versicherte die Ölgesellschaft.

Das Unglück sein der schwerste Explosionsunfall der brasilianischen Erdöl-Industrie in 15 Jahren, räumte Petrobras- Präsident Philipe Reichstul ein. Ursachen und Schuldige seien noch unbekannt. Eine firmeninterne Untersuchung solle eingeleitet werden.

Mehrere Tote bei Arbeitsunfällen

Ein Sprecher des Dachverbandes der Erdölarbeiter-Gewerkschaften (FUP) sagte unterdessen, Petrobras habe trotz zahlreicher Warnungen in den vergangenen Jahren zu wenig für die Sicherheit getan. In den vergangenen drei Jahren sei im Durchschnitt alle 37 Tage bei einem Arbeitsunfall ein Arbeiter auf einer Plattform im Becken von Campos, dem größten Erdölvorkommen Brasiliens, getötet worden. Bei einem Treffen der Gewerkschaftsbosse soll darüber beraten werden, ob rechtliche Schritte gegen Petrobras eingeleitet werden sollen und eventuell auch ein Streik ausgerufen wird.

Erst im vergangenen Jahr in Betrieb genommen

Die P-36 ist in Italien gebaut, in Kanada für die Ölförderung ausgerüstet und in Brasilien erst im vergangenen Jahr in Betrieb genommen worden. Auf der Plattform arbeiteten rund 175 Menschen. Die P-36 produzierte zuletzt 80.000 Barrel (je 159 Liter) Öl pro Tag, hat aber eine Produktionskapazität von 150.000 Barrel pro Tag. Sie ist 112,8 Meter lang, 95,58 Meter breit und 120 Meter hoch.

dpa - Foto: dpa

Geändert am 16. Maerz 2001 11:17 von aj
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