|
|
Nach dem Zugunglück wurde bekannt:Lokführer hatte bereits Fahrverbot
Brüssel - Der mutmaßliche Verursacher des belgischen Zugunglücks vom Dienstag hatte wegen eines früheren Verstoßes gegen die Dienstvorschriften bereits ein Fahrverbot als Lokführer. Der 32- Jährige habe Anfang des Jahres schon einmal ein Signal missachtet und sei daraufhin einen Monat lang vom Dienst suspendiert worden, berichteten belgische Medien am Mittwoch unter Berufung auf die staatliche Eisenbahngesellschaft SNCB. Zum Zeitpunkt des Unglücks sei der Lokführer gerade fünf Tage wieder im Dienst gewesen. Bei dem Frontalzusammenstoß zweier Züge südöstlich von Brüssel waren am Dienstag nach offiziellen Angaben mindestens acht Menschen ums Leben gekommen, darunter die beiden Lokführer. Nach der Leiche eines vermissten Kindes wurde am Mittwoch noch in den Trümmern gesucht. Das Krisenzentrum in Wavre hatte am Dienstag bereits den Tod von neun Menschen bestätigt. Richtige Telefonnummer nicht parat?Auf der Strecke zwischen Löwen und Wavre war am Morgen kurz vor neun Uhr ein Nahverkehrszug frontal auf einen unbesetzten Regionalzug geprallt. In dem Nahverkehrszug saßen nach Bahnangaben zwischen 20 und 30 Passagiere, nachdem zunächst von 80 Fahrgästen die Rede gewesen war. Der Regionalzug fuhr auf dem falschen Gleis; sein Lokführer soll ein Haltesignal missachtet haben. Beim Versuch der Betriebsleitung, den Geisterfahrer vor dem Zusammenstoß zu stoppen, hat es nach Medienberichten mehrere Pannen gegeben. Die Fahrdienstleiter sollen die richtige Telefonnummer des Lokführers nicht parat gehabt haben. Bei dem anschließenden Versuch, den Strom auf der Strecke abzuschalten, hätten sie zunächst das falsche Kraftwerk angerufen. "Ganzes System versagt", titelte die Tageszeitung "Het Laatste Nieuws". Spontaner StreikZahlreiche belgische Eisenbahner legten am Mittwochmorgen mit einem spontanen Streik vorübergehend den Zugverkehr im Süden des Landes lahm. Sie protestierten damit gegen Personalmangel, den sie als Ursache für den Unfall ansehen. "Es fehlt Personal und man verringert die Ausbildungszeit von 18 auf acht oder neun Monate", sagte der Vizepräsident der Eisenbahnergewerkschaft SLFP, Filoteo Africano. Zudem schöben die Lokführer viele Überstunden vor sich her. dpa
|
|||||||||||
| Geändert am 28. Maerz 2001 12:04 von aj | ||||||||||||