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Mehrere hunderttausend Web-Sites tagelang ausgefallen:

Hardware-Crash bei Strato

Hunderttausende von Internet-Angeboten in Deutschland waren dieser Tage in ein einheitliches Weiß gekleidet. "Willkommen! Lieber Besucher. Auf Grund eines technischen Defektes im Rechenzentrum und der daraus resultierenden Arbeiten ist diese Site zur Zeit nicht verfügbar", hieß es dort.

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Screenshot einer Website, die bei dem Berliner Provider Strato gehostet ist, während eines Ausfalls dessen Server Ende März 2001. Eine Überspannung im Stromnetz am 27. März sei nach Angaben von Strato für den Ausfall des Speicherservers verantwortlich. Hunderttausende Websites mit der .de-Endung waren zum Teil fünf bis sechs Tage nicht erreichbar.

Eine Megapanne im Rechenzentrum der Berliner Internet-Firma Strato löste einen bislang einmaligen Störfall im deutschsprachigen Internet aus. Zahllose Web-Sites waren fünf bis sechs Tage nicht erreichbar. Bei Strato ist etwa jede dritte der insgesamt 4,3 Millionen Internet-Domains mit der Deutschland-Endung .de unter Vertrag.

"Wir hoffen, das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen zu können", sagte der Vorstandsvorsitzende der Strato-Muttergesellschaft Teles, Sigram Schindler. Es werde alles getan, um mit dem Aufbau eines zusätzlichen Backup-Systems die Wiederholung eines solchen Ausfalls zu vermeiden. Den technischen Partner KPNQwest will Teles entsprechend unter Druck setzen. Neben dem Rechenzentrum in Karlsruhe sollen künftig Backup-Systeme an geographisch getrennten Orten zur Verfügung stehen.

Shutdown nach Netzüberspannung

Ursache des Crashs war nach Angaben von Strato eine Netzüberspannung am Dienstag, dem 27. März gegen 14.30 Uhr. Diese führte "zu einem abrupten Shutdown der Speichereinheit" - hierunter muss man sich einen riesigen Stapel Zehntausender von Festplatten vorstellen. Um Datenverluste auszuschließen, wurden erst alle Festplatten geprüft, was die Reparaturarbeiten in die Länge zog. Schließlich musste Strato einräumen, dass es "entgegen ersten Vermutungen doch zu einem Verlust von Daten gekommen" sei. Einen Totalverlust gab es bei etwa 7.000 Homepages. "Angesichts des mangelnden Backups hätte das noch ganz anders ausgehen können", schimpfte Teles-Chef Schindler.

Zu Beginn des Ausfalls machte das Gerücht einer gezielten Aktion gegen Castor-Gegner die Runde: Weil ausgerechnet am letzten Tag des Bahntransports auch die Internet-Angebote einiger Bürgerinitiativen gegen die Atommülltransporte ins Wendland zusammenbrachen, wollte dort niemand an einen technischen Defekt glauben. Dann tauchten Vermutungen auf, dass es sich um die Folge eines Hacker-Angriffs handeln könnte.

Strato will Schadensersatz zügig bearbeiten

Mit jedem weiteren Offline-Tag stieg die Empörung der Web-Site-Betreiber. Innerhalb von drei Tagen gab es in den Strato-Diskussionsforen nach Angaben des Unternehmens so viele Beiträge wie sonst in einem Monat. "Wir alle müssen hier die reinste Hölle durchmachen mit Strato", schrieb ein Kunde. Andere berichteten von ihrer Kündigung oder drohten mit juristischen Schritten. Betreiber von Online-Shops sorgten sich, dass der Ausfalls den Verlust von Aufträgen oder gar Kunden bedeuten könne. "Berechtigte Schadensersatzansprüche sind bei der Strato geltend zu machen", erklärte die Muttergesellschaft Teles. Diese sollen demnach zügig bearbeitet und dann in vollem Umfang an den technischen Partner KPNQwest weitergereicht werden.

Kopf-an-Kopf-Rennen um die Marktführung

Bei der Konkurrenz ist man über die Panne keineswegs glücklich. "Schließlich wird damit die Frage der Zuverlässigkeit von Web-Hosting allgemein aufgeworfen", sagt der Sprecher der 1&1 Internet AG, Michael Frenzel. Technische Pannen könnten zwar nie völlig ausgeschlossen werden. Beim 1&1-Angebot Puretec seien allerdings keine großen Sun-Cluster, sondern viele hundert Linux-Server im Einsatz. "Wir haben eine völlig andere Technik", erklärt der Firmensprecher auf Anfrage. "Wir setzen auf viele kleine Systeme, die redundant sind." Bei einem Rechnerausfall seien dann maximal nur einige tausend Web-Präsenzen betroffen.

Strato und Puretec liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Marktführung in Deutschland. Mit Billigangeboten für die Registrierung von Web-Adressen haben die Anbieter für das Web-Hosting, wie diese Art von Dienstleistung genannt wird, maßgeblich zum Internet-Boom in Deutschland beigetragen. Inzwischen wird aber verstärkt kritisiert, dass beim Web-Hosting für das Massengeschäft offenbar zu viel in die Werbung statt in den Ausbau der technischen Infrastruktur investiert worden ist.

AP

Geändert am 3. April 2001 11:08 von aj
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