[an error occurred while processing this directive]
Mi 11.04.2001
IVWPixel Zählpixel

  Ticker    Wetter    Foto des Tages    Archiv    Übersicht 

Home     Kontakt     Site Map  

[an error occurred while processing this directive] [an error occurred while processing this directive]

Nazi-Raketenversuchsanstalt gilt als Wiege der Raumfahrt:

"Die Enden der Parabel"

Peenemünde - Kaum irgendwo anders sind Entdeckergeist und schockierende Unmenschlichkeit so eng mit einander verquickt wie in der einstigen Raketenversuchsanstalt der Nationalsozialisten in Peenemünde auf der Ostsee-Insel Usedom. Es war ein langer Weg, ehe das dort 1991 gegründete Raketenmuseum seine beiden Wurzeln in historisch angemessener Weise und ohne Verklärung unter einen Hut brachte - es war die Entwicklungsstätte Hitlerscher "Wunderwaffen" mit dem hohen Anspruch als "Wiege der Raumfahrt".

Anklicken zum Vergrößern
Die Modelle einer Abwehrrakete und das erste Raketenflugzeug der Welt (Messerschmitt ME 163) gehören zu den neuen Ausstellungsstücken im Raketenmuseum Peenemuende auf der Ostseeinsel Usedom.

Mit Investitionen von zehn Millionen Mark sind in den vergangenen Wochen die Informations- und Dokumentationsräume im ehemaligen Kraftwerk der Raketenentwicklungsanlage erheblich erweitert worden. Zu Ostern steht nun der erste große Besucheransturm bevor, wie Museumsdirektor Dirk Zache sagt. Schon seit der Gründung des Raketenmuseums vor zehn Jahren ist das Interesse riesengroß: Über 350.000 Besucher drängten zuletzt Jahr für Jahr durch die beengten bisherigen Ausstellungsräume in der einstigen Schaltzentrale der Versuchsanstalt und bestaunten auch die Exponate in den Freianlagen.

Erste Raketen zum Töten bestimmt

Schonungslos offeriert die neu installierte Dauerausstellung unter dem Thema "Die Enden der Parabel" die grundverschiedenen Seiten Peenemündes. Dabei wird gezeigt, dass im Ergebnis erfolgreichen Forschens und Tüftelns die ersten Raketen nicht etwa das All erkundeten, sondern ihr Auftrag die Vernichtung von Menschenleben war. Als so genannte "Vergeltungswaffen" schlugen sie im Zweiten Weltkrieg in England ein. Die Ausstellung spart auch nicht aus, dass tausende KZ-Häftlinge bei der Produktion der todbringenden Raketen ums Leben kamen. "Ein modernes Symbol für die Janusköpfigkeit des menschlichen Forscherdrangs", sieht Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Harald Ringstorff im Peenemünder Beispiel.

Die jetzige Ausstellung ist eine wesentliche Etappe des langfristigen Entwicklungskonzepts des Museums Peenemünde. Trotz finanzieller Engpässe sind weitere Entwicklungsabschnitte auf dem einst gesperrtem 25 Quadratkilometern großen Gebiet in Vorbereitung. Die endgültige Beendigung der jahrzehntelangen militärischen Nutzung Peenemündes durch Hitler-Wehrmacht, russische Besatzer, DDR-Streitkräfte und Bundeswehr am 21. März 1996 macht das möglich. "Stück für Stück wird das gesamte Terrain mit seinen zerbombten Anlagen und Siedlungen in eine Denkmallandschaft einbezogen und Peenemünde zu einer vielfältigen Bildungs- und Begegnungsstätte entwickelt", berichtet Zache.

"Vergnügungspark" verworfen

Anklicken zum Vergrößern
Ein russisches Militärflugzeug vom Typ MIG-23: Das historisch technische Informationszentrum auf dem Gelände der einstigen Heeresversuchsanstalt der Nazis zeigt den Besuchern die Geschichte der deutschen Raum- und Luftfahrt.

Frühere Konzepte hatten Anfang der 90er Jahre unter anderem ein von der deutschen Raumfahrtindustrie entwickeltes und gefördertes "Space-Center" ähnlich einem Vergnügungspark ins Auge gefasst. Das Vorhaben löste 1994 geharnischte Proteste im eigenen Land, wie auch in den USA und Skandinavien sowie bei internationalen Kriegsopferverbänden aus. "Unsensible Verdrängung der verhängnisvollen Geschichte durch einen Vergnügungspark am falschen Platz", lautete der Vorwurf. Das Schweriner Kultusministerium stoppte darauf hin das Vorhaben, für das sich bereits eine Gründungsgesellschaft konstituiert hatte. Abgelöst wurde das Gremium von einer kompetenten Projektgruppe, die unter Begleitung eines international besetzten wissenschaftliche Beirats das jetzt in Umsetzung befindliche Konzept für das Historisch-Technische Informationszentrum Peenemünde erarbeitete.

Missbrauch auch durch Siegermächte

Mit dem Ausbau des Museums soll in Peenemünde künftig auch der Werdegang der Raketentechnologie in der Nachkriegszeit beleuchtet werden. Laut Zache ist es eindeutig, dass von den Siegermächten bei Nutzung und Ausbau der Raketentechnik zweigleisig gefahren wurde. Sowohl die Sowjetunion, als auch die USA stellten zunächst nicht die friedliche Raumfahrt, sondern den militärischen Aspekt in den Vordergrund. Ergebnis war seinerzeit das so genannte "Gleichgewicht des Schreckens" zwischen den beiden Supermächten USA und UdSSR.

Selbst der Wettlauf zum Mond mutierte auf diese Weise zu Zeiten des Kalten Krieges in erster Linie zum Prestigekampf. Im Peenemünder Raketenmuseum wird deshalb Wert darauf gelegt, dass die Frage nach der Verantwortung von Technik und Wissenschaft gegenüber Mensch und Natur angemessen integriert wird, wie Direktor Zache betont.

AP - Fotos: AP

[an error occurred while processing this directive]
Zum SeitenanfangZum Seitenanfang

 Suche in RZ-Online

 RZ

Web


F 1
»Formel 1-Special
  mit Gewinnspiel


» RZ-Special:
Motorrad 2001



Zuletzt geändert am 11. April 2001 12:19 von aj

» Schriftgröße einstellen
» Impressum