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Buch-Tipp: Schliemann und Sophia

Eine "Liebesgeschichte" der besonderen Art

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Heinrich Schliemann, Deutscher mit US-Pass und als Geschäftsmann in Russland zum Millionär geworden, hatte es sich in den Kopf gesetzt, das sagenhafte Troja des griechischen Dichters Homer zu entdecken und auszugraben.

Und das wollte der Hellas- Schwärmer zusammen mit einer "homerbegeisterten, schwarzhaarigen Griechin". Die Wahl des inzwischen 47 Jahre alten schmächtigen, eher hässlichen Mannes fiel schließlich anhand einer Fotografie auf die 17-jährige Athenerin Sophia Engastromenos. So kam eine Ehe und Partnerschaft zu Stande, die an Ungewöhnlichkeit kaum ihresgleichen in der Kulturgeschichte hat. Dem Leben des Legende gewordenen großen "Paars der Archäologie" gilt eine neue ebenso detaillierte und anschauliche wie psychologisch subtile Darstellung - Untertitel: "Eine Liebesgeschichte".

Das Buch von Danae Coulmas ist auch als Beschreibung einer der bemerkenswertesten deutsch-neugriechischen Begegnungen interessant. Es muss als ein Glücksfall gelten, dass sich des Stoffes jetzt eine Frau annahm, dazu eine Griechin und zwar eine, der deutsches Wesen und Kultur gleichermaßen vertraut sind wie die ihrer Heimat.

Ein Buch aus der weiblichen Sicht

Ihr weibliches ebenso wie ihr deutsch-griechisches Einfühlungsvermögen sind vor allem Sophia zugute gekommen, die gegenüber dem genialen, aber menschlich schwierigen, egozentrischen Mann einen schweren Stand hatte. Er blieb ihr auch von der Mentalität ihres traditionellen Milieus her wohl immer weitgehend fremd. Aber auch für ihn hat Danae Coulmas bei ihrer gründlichen Beschäftigung mit den beiden Verständnis gewonnen - mehr als manche früheren Biografen. Vorher noch noch nicht ausgewertetes griechisches Quellenmaterial hat das Buch ebenfalls bereichert.

Der Goldschmuck des Priamos und die Lüge Schliemanns

Sophia wurde weltberühmt vor allem durch eine Fotografie, die sie im Goldschmuck aus dem vermeintlichen Schatz des Königs Priamos zeigt. Schliemann hatte ihn einen Monat vorher, Ende Mai 1873, auf dem von den Türken Hisarlik genannten Troja-Hügel im Nordwesten Kleinasiens ausgegraben. Er beschrieb die Entdeckung und Bergung später so, als sei Sophia dabei gewesen: "... sie stand, während ich arbeitete, neben mir, immer bereit, die von mir ausgegrabenen Gegenstände in ihren Schawl zu packen und fortzutragen". In Wirklichkeit war sie schon drei Wochen vorher nach Athen abgereist.

Schliemann in Petersburg. In Russland ist er reich geworden.

Sophia hat diese Erfindung nie zerstört. Und sie hat über sie geschwiegen. Die Autorin sieht in Schliemanns Darstellung nicht nur ein Zeugnis seiner mythomanen Natur und von Bedachtsein auf den eigenen Ruhm, sondern auch seines Bewusstseins von sich und Sophia als Paar. Und auch Sophias Schweigen deutet sie als Bekenntnis zu ihrer Forschungspartnerschaft.

Archäologisches Abenteuer

Auf die Troja-Grabungen folgte Schliemanns zweites großes archäologisches Abenteuer: die nicht minder sensationellen Entdeckungen in Mykene auf dem Peloponnes. Hierbei spielte Sophia nun wirklich eine wichtige Rolle. Sie selbst berichtete darüber in mehreren Artikeln der Athener Zeitung "Efimeris". Einige Monate später hatte die 25-jährige mit Heinrich einen eindrucksvollen Auftritt im Royal Archeological Institute in London. In einer mit Ovationen bedachten Ansprache sagte sie: Trojas Entdeckung ist auf "unsere" - Schliemanns und ihre - Begeisterung zurückzuführen.

Doch gemeinsame Auftritte waren selten. Meistens war Sophia äußerlich eine einsame Frau. Heinrichs Rastlosigkeit zwischen archäologischer Arbeit, Reisen, Korrespondenz, Publikationen, Verteidigung gegen Kritik und immer neuen Plänen ließ Sophia oft monatelang mit ihren Kindern Andromache und Agamemnon allein - in Athen, Paris, Karlsbad, Bad Kissingen und anderen Kurorten. Dafür verkehrte man um so intensiver brieflich miteinander - oft in Streit und Spannungen, doch auch in inniger Aufeinanderbezogenheit.

Sophia lebte nicht im Schatten von Schliemann, sondern in seinem Glanz

Danae Coulmas: Schliemann und Sophia. Liebesgeschichte
Piper Verlag, München, 302 S., DM 38,00 - (ISBN-3-492-04303-8)

Insgesamt wird deutlich, dass Sophia ihrem weltberühmten Mann die Sicherheit ihrer warmherzigen Zuneigung, klarsichtigen Urteilskraft und eine "frauliche", mit den Jahren stärker mitempfindende, mitleidende Liebe gab. Typisch griechisch war an ihr, dass sie eine "begeisterungsfähige Realistin" war. Er seinerseits hat Sophia unterdrückt, auch tyrannisiert und zugleich geachtet - als den Menschen, der am meisten in seine Seele blicken konnte. Er ließ sie nicht in seinem Schatten leben, sondern in seinem Glanz. An menschlicher Reife war sie ihm überlegen.

Rudolf Grimm, dpa

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Zuletzt geändert am 20. April 2001 09:34 von tea

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