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zurückblättern  ... Augen kooperieren mit Kollege Computer

Didier Stricker von der Forschungsgruppe streift die dicke schwarze Brille über, die sonst von Computerspielern verwendet wird. Er beugt sich über den Apparat, der vor ihm auf dem Tisch steht. Durch die Brille sieht er sowohl den realen Kasten mit all seinen Hebeln als auch den gelben Pfeil, der genau auf jenen Knopf zeigt, mit dem die Maschine in Gang gesetzt werden kann. Jede Handbewegung wird über den Computer angewiesen. Auch ein Laie könnte das fremde Gerät mit Hilfe der Brille bedienen.

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Ein Mann befindet sich in einer "Cave", einem begehbaren Würfel. Auf die fünf transparenten Wänden des Würfels werden dreidimensionale Bilder projeziert. Mit Unterstützung einer 3- D-Brille wird dem Betrachter die Annäherung an einen PKW simuliert.

"Die technische Herausforderung bestand für uns darin, dass die virtuellen Pfeile und Bewegungsabläufe genau zu den realen Gegenständen passen, und zwar aus jedem Blickwinkel", erklärt Stricker. Dafür mussten mehrere Programme neu entwickelt werden. Von dem vier Mitglieder umfassenden Team im Fraunhofer Institut ist das allein nicht zu leisten. Für die Forschung hat sich unter dem Namen "Arvika" ein Konsortium von 20 Unternehmen, darunter auch Daimler und VW, sowie vier Universitäten zusammengeschlossen. Rund 20 Entwickler beteiligen sich, noch einmal 30 Mitarbeiter in den Betrieben testen die Prototypen auf ihre Tauglichkeit in der Praxis. Alle Fäden laufen in Darmstadt zusammen.

Suche nach Handbüchern entfällt

Die Idee, die Realität mit der virtuellen Welt der Computer zu verknüpfen, stammt nach Auskunft von Stricker vom amerikanischen Flugzeugbauer Boeing. "Sie haben festgestellt, dass ihre Techniker 40 Prozent ihrer Arbeitszeit mit der Suche nach Handbüchern und der Dokumentation ihrer Arbeit verbringen. Die Augmented Reality sollte Abhilfe schaffen. Allerdings haben sie nur wenige Wissenschaftler auf diesem Gebiet beschäftigt." Mitte der 90er Jahre stieg das Fraunhofer Institut in die Forschung ein. Bereits 1998 stellte sie auf der Hannover Messe einen ersten, noch sehr unhandlichen Prototypen vor: Eine Anleitung für den Einbau von Schlössern in Autotüren. Mit dem tragbaren Gerät ist ein zweiter Schritt getan.

Mit dieser Idee sind große finanzielle Erwartungen verbunden. Die Hersteller erhoffen sich vor allem Einsparungen bei der Wartung. Mit der neuen Technik könnte Fachleuten in aller Welt über das Internet die nötigen Anleitungen bereitgestellt werden. Experten könnten über Monitor und Datenleitung die Arbeit der Techniker verfolgen und - wenn nötig - Anweisungen erteilen. Bei einem Unfall dienen die Bilder außerdem als Beweis, dass alle Handgriffe korrekt waren.

Millarden-Markt allein im Sektor Wartung erwartet

Allein im Sektor der Wartung werde für das Jahr 2010 ein weltweiten Markt von 35,7 Milliarden Dollar prognostiziert, sagt Projektleiter Stefan Müller. Darüber hinaus sieht er viele andere Einsatzmöglichkeiten: Mediziner könnten sich bei der Diagnose Röntgenbilder oder Ultraschalldaten einblenden lassen, Architekten ihre Gebäude in die Landschaft setzen, Touristen könnten durch die Brille antike Säulen wieder zu Tempeln zusammensetzen.

Allerdings müsste die Technik dafür handlicher werden. "Die Brille ist noch immer etwas dick, aber schon viel leichter als die ersten Modelle", sagt Stricker entschuldigend. Die Forscher sind den Konstrukteuren voraus. Sehnsüchtig warten sie auf leistungsstärkere tragbare Computer und kleinere Brillen. "Wir arbeiten mit innovativen Firmen aus Amerika zusammen, testen ihre neuesten Erfindungen", erzählt Stricker begeistert: Brillen, bei denen kaum sichtbar ein Prisma eingebaut ist. Ein Blick zur Seite genügt, und ein imaginärer Bildschirm taucht aus dem Nichts auf, nur für den Brillenträger zu sehen. Oder eine Brille, die die Bilder mit einem schwachen Laser direkt auf die Netzhaut malt.

Angst vor dem "Big Brother"

Links:

  • Fraunhofer Institut

  • Konsortium Arvika

  • Die wahren Probleme für die Einführung der neuen Technik liegen jedoch auf einem ganz anderen Feld: bei den Menschen. "Die Widerstände bei den Betriebsräten sind groß", bedauert Stricker. Befürchtungen, dass der große Bruder durch die Brille alles beobachtet und kontrolliert, machen die Runde. Auch medizinische und arbeitstechnische Bedenken werden laut. Ist so eine Brille auf Dauer nicht ungesund für die Augen, versperrt sie nicht die Sicht auf das =Geschehen am Rande des Sichtfeldes? "Wir nehmen diese Einwände ernst und arbeiten eng mit Medizinern und Praktikern zusammen", erläutert der Computerfachmann.

    Dabei ist ihm deutlich anzumerken, dass er die Lösung dieser Probleme nicht als seine Aufgabe ansieht. Für ihn gilt es, den Vorsprung bei dem Augmented-Reality-System zu verteidigen. Denn die Konkurrenz schläft nicht. In München wurde bereits eine eigene Professur für den Fachbereich eingerichtet, in Japan werden spezielle Zentren aufgebaut. In den Fachzirkeln, in denen sich vor wenigen Jahren knapp hundert Experten trafen, tummeln sich inzwischen fünf mal so viele Interessenten. "Noch halten wir die Spitze", sagt Didier Stricker und setzt, nicht ohne Stolz, die Brille wieder auf.

    Von Ingo Senft-Werner, dpa - Fotos: dpa

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    Zuletzt geändert am 20. April 2001 11:48 von aj

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