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Internet- und Clubszene bringen verrufenes Absinth-Getränk zurück

Die Grüne Fee im Nachtland

Berlin - Der Würfelzucker lodert auf, der süße Stoff tropft zäh ins Glas, blau züngeln die Flammen. Ob im dunklen Hinterzimmer des Berliner Absinth-Depots oder an der Holztheke des Cafes Burger - die grüne Fee ist zurück. "Smaragdgrün, türkisfarben, honiggelb, apricotfarben opalisierend", so beschreiben die Absinthisten das Farbspiel im Glas.

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Absinth wird in den Clubs und Kneipen der Hauptstadt immer beliebter und gilt als "In-Drink".

Schon über die Gebrauchsanweisung wird gestritten. Auf speziellen Absinthlöffel mit Loch werden Zuckerwürfel entflammt, Zuckerverächtern reicht das Feuerzeug aus, um den Trank zu erhitzen. Das ätherische Öl der Wermutpflanze, Thujon, soll so besser aufgenommen werden. Thujon ist das Geheimnis des Absinths, der aus Wermutkraut, Absintia artemisia, und anderen Kräutern hergestellt wird. Ihm werden bewusstseinserweiternde Eigenschaften nachgesagt. Andere gehen den umgekehrten Weg und frieren die Flaschen ein, um die Thujonöle aus dem Alkohol zu isolieren.

Seit April 2000 vertreibt die Berliner Firma Lohmann Spirituosen Absinth, die grüne Fee. Inhaberin Dagmar Lohmann hat nach ihrem ersten Kontakt mit einer schwarzgebrannten Variante in der Schweiz in Tschechien, Portugal und Spanien nach dem Getränk gesucht und vertreibt nun mehrere Sorten. Daneben auch Absinth-Gläser und anderes Zubehör für die grüne Stunde - auch per Internet. Die Web-Site läd zum Austausch der bewusstseinserweiternden Erfahrung bei Absinth-Genuss ein.

In die Blindheit getrunken?

Ähnelt der heutige Stoff dem Absinth, mit dem sich Toulouse-Lautrec in die Blindheit trank? "Die Fuselöle im Alkohol zu diesen Zeit machten das Getränk gesundheitlich problematisch", erklärt Lohmann. "Absinth war früher sehr, sehr bitter." Der Geschmack sei heute schon etwas anders. Die Nachfrage wächst kontinuierlich. "Zwar ist Absinth immer noch ein Nischenprodukt, doch ein Teil der Bevölkerung weiß inzwischen, was das ist."

"Die Spirituosen-Industrie ist vom Rückgang des Alkoholkonsums am stärksten betroffen. Daher geht es darum, neue Trends zu setzten und neue Marketingstrategien zu beschreiten, weg vom Massenmarkt", beschreibt Rolf Hüllinghorst, Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtgefahr in Hamm die Situation. Absinth sei 1923 wegen der Beimengungen verboten worden, die schwere Folgeschäden mit sich brachten. Vom heutigen Absinth gehe eher wenig Gefahr aus. Wer regelmäßig Alkohol trinke, müsse aber mit Leberschäden rechnen.

Namen wie "Tabu" unterstreichen den Reiz

Der Ruch des vormals Verbotenen macht das Getränk interessant. Namen wie "Tabu" unterstreichen den Reiz. Erst der EU-Binnenmarkt habe den Absinth durch die Hintertür wieder zurückgebracht, heißt es schadenfroh.

Doch diese schöne Legende erweist sich als falsch. Bereits Ende 1981 fiel das Absinth-Gesetz in Deutschland. Seither regelt die Essenzen- oder Aromenordnung den Gebrauch von Thujon. Während Thujon als solches verboten ist, kann es, aus Pflanzen gewonnen, bis zu einem bestimmten Gehalt beigesetzt werden. Fünf Milligramm pro Liter sind bei einem Alkoholgehalt bis 25 Prozent und zehn Milligramm bei Alkoholvolumen über 25 Prozent erlaubt. Bei Bitterspirituosen dürfen sogar bis 35 Milligramm zugesetzt werden. Der Absinth der Belle Epoque hatte den zehnfachen Thujon-Gehalt. Im Verbraucherschutzministerium geht man davon aus, dass als Normaltrinker eine gesundheitliche Beeinträchtigung durch Thujon nicht gegeben ist.

"Flüssiges Dope"? - "Übertrieben", meint ein nüchterner Genießer

Und auch eine weitere Legende um den Absinth erweist sich als zu schön um wahr zu sein. "Thujon und Cannabis docken an die gleichen Rezeptoren im Gehirn an. Es ist wie flüssiges Dope", weiß ein Fan aus dem Absinthdepot. Doch wissenschaftliche Studien belegen das nicht. Thujon bleibt aber eine geheimnisvolle Substanz. "Man fühlt sich nach drei Gläsern Absinth anders als nach drei Gläsern Wodka, doch deshalb gleich von psychoaktiven Substanzen zu reden, finde ich übertrieben", meint ein nüchterner Genießer.

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Zuletzt geändert am 23. April 2001 16:18 von aj

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