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Die Einsamkeit der Krokodile

Zwischen Wahn und Weißwürsten

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Schüchterner Außenseiter versucht den Ausbruch: "Die Einsamkeit der Krokodile"

Behutsam gleitet die Kamera durch eine Schlachterei, in der an dicken, stählernen Haken blutige Schweine- Hälften aufgereiht sind. Zwischen diesen toten Fleisch-Ballen steht ein verstört wirkender Junge (Thomas Schmauser), der in schiefen Tönen auf seiner Geige spielt.

In seinem Kino-Debüt "Die Einsamkeit der Krokodile" schildert der deutsche Autor und Regisseur Jobst Oetzmann mit subtilem Humor die Lebensgeschichte eines schüchternen Außenseiters, der vergeblich versucht, aus dem spießig-strengen Elternhaus auszubrechen.

Sein angeblicher Freitod weckt die Neugier eines Cousins (Janek Rieke), der mit seinen beharrlichen Nachforschungen in dem kleinen ostwestfälischen Dorf sofort das Misstrauen der Bewohner auf sich zieht. Bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises Anfang des Jahres erhielten die Produzenten Molly von Fürstenberg und Harry Kügler für dieses originelle Nachwuchsprojekt den Produzenten-Preis.

Skurrile Tragikomödie nach Debüt-Roman

Die Vorlage zu der skurrilen Tragikomödie lieferte der Hamburger Autor Dirk Kurbjuweit mit seinem gleichnamigen Debüt-Roman, dessen erzählerische Kraft den jungen Regisseur beeindruckte. Beim Ausarbeiten des Filmskriptes konzentrierte er sich darauf, den Kern der komplexen Romanerzählung behutsam herauszuschälen und die starke Bildhaftigkeit des Originalbuches zu bewahren, die im Film die Verschrobenheit der Figuren optisch noch verstärkt.

Nachdem sich der Schlachtersohn freudestrahlend mit dem Blut aus einem umgekippten Eimer beschmiert, lässt die überängstliche Mutter (Renate Krössner) ihren Spross kaum noch ungestört spielen. Zwischen Wahn und Weißwürsten konserviert sie ihn buchstäblich in einem wunderlichen Mikrokosmos, in dem ihm nur die Flucht in die Welt der Bücher bleibt. Als der hochintelligente Eigenbrötler schließlich den Ausbruch wagt und sich mit einer lebenslustigen Schwarzen (Dynelle Rhodes) anfreundet, holen die engstirnigen Eltern zum finalen Gegenschlag aus.

Fetzige Rap-Einlage im kriminalistischen Puzzle

Für die Rolle der temperamentvollen Amerikanerin engagierte Oetzmann die Soul-Sängerin Dynelle Rhodes von den "Weather Girls", die mit einer fetzigen Rap-Einlage im Film brilliert. Diese Szene gehört zugleich zu den wenigen Glücks-Momenten im trostlosen Dasein des Metzger-Sohns. In Form von Rückblenden lässt Oetzmann Schritt für Schritt sein Leben Revue passieren, das sich allmählich wie ein kriminalistisches Puzzle zusammenfügt.

Als Katalysator fungiert dabei der wissbegierige Cousin, der mit seinen bohrenden Fragen versucht, die Wahrheit ans Licht zu bringen und dafür selbst Prügel einstecken muss. In "Die Einsamkeit der Krokodile" seziert Oetzmann die Schrulligkeiten und Schwächen der spießigen Dorfbewohner, die jeden Menschen sofort für verrückt erklären, dessen Verhalten von der Norm abweicht.

Gefühle so eingefroren wie Fleisch im Kühlhaus

Die Szenen in der Schlachterei inszeniert er mit einer expressiven Bildlichkeit, in denen die Gefühlswelt der Eltern genauso eingefroren wirkt wie das Fleisch im Kühlhaus. Ihr Mangel an Einfühlungsvermögen für den sensiblen, musischen Sohn treibt der Regisseur in teils aberwitzigen Dialogen auf die Spitze, welche die ganze Absurdität dieses Eltern-Kind-Konflikts widerspiegeln.

Birgit Heidsiek, dpa

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Zuletzt geändert am 15. Mai 2001 11:54 von to

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