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Manga-Boom: Mehr als Action-Helden und Kulleraugen-Schönheiten

Kult der "spontanen Bilder"

Mangas - Die Comics aus Japan haben durch ihren Stil eine weltweite Fan-Gemeinde

Berlin - "Ein Manga-Heft kostet in Japan so viel wie eine Tasse Kaffee, und nach der U-Bahnfahrt landet es im Mülleimer", sagt Comic-Zeichner Jürgen Seebeck. Doch längst sind die von hinten nach vorne zu lesenden Comics auch in Deutschland Kult.

Dass die in Japan in enormer Auflage erscheinenden Mangas mehr bieten als Action-Helden und Kulleraugen-Schönheiten zeigt von Donnerstag an eine Ausstellung im Berliner Museum für ostasiatische Kunst. Die Schau "Manga - Die Welt der japanischen Comics" bietet bis 16. September einen Überblick über die verschiedenen Stile des Genres.

Ausstellung gegen die Klisches

"Es gibt nichts, was nicht im Manga aufgegriffen wird", sagt der 40-jährige Seebeck, der als einziger deutscher Manga-Zeichner und - Autor regelmäßig in Japan publiziert. Es gibt Mangas für Kleinkinder, Jungen, Mädchen, Studenten, Hausfrauen, Angestellte, Manager und neuerdings auch die "Silver Mangas" für Rentner. In Deutschland würden Mangas immer noch als Comics mit viel Gewalt und Pornografie wahrgenommen, meint Seebeck. Doch der Anteil von Mangas mit solchen Themen am gesamten Comic-Markt sei in Japan auch nicht größer als im Westen.

Der Begriff Manga hat seinen Ursprung in der japanischen Holzschnittkunst des 19. Jahrhunderts und besteht aus den chinesischen Zeichen "man = spontan, komisch, witzig" und "ga = Bild", erklärt Ausstellungsleiterin Khanh Trinh. Die Ausstellung stellt 25 japanische Manga-Autoren mit abgeschlossenen, kurzen Manga-Geschichten vor. Dabei geht es nicht nur um Abenteuer in fernen Zukunftswelten, Roboter und Fabelwesen, sondern auch um Liebe und den Alltag ganz normaler Büroangestellter. Der Umgang mit Zeit steht in den Storys im Mittelpunkt. Damit solle dem Comic-Klischee der rasanten Bewegung etwas entgegen gesetzt werden, sagt Trinh.

Serien gehen oft über Jahre

Kaum ein japanischer Verlag könne mehr ohne Mangas überleben, meint Comic-Zeichner Seebeck. Er selbst sei nach Übersetzungen von japanischen Comics ins Deutsche von einem Manga-Magazin entdeckt worden, sagt er. 1992 wurde erstmals ein Manga von ihm in Japan veröffentlicht. Die Bildgeschichten stellen dort rund 40 Prozent aller Druckerzeugnisse. Etwa zwei Milliarden Manga-Zeitschriften und -Bücher werden in Japan jährlich verkauft. Es gibt 300 verschiedene Wochen-Magazine, die fest zur japanischen Alltagskultur gehören.

Die meist schwarz-weiß gezeichneten Storys werden dabei teils über Jahrzehnte fortgesetzt. "Da müssen die Zeichner schon krank werden oder einen Unfall haben, um mal zwei, drei Wochen eine Auszeit nehmen zu können", sagt Seebeck. "Wir pilgern jeden Freitag zum Comic-Shop und holen Nachschub", sagt der Berliner Manga-Fan Carlos Seefeld. Über die Manga-Standardlektüre "Dragon Ball" ist der 15-Jährige längst hinaus. "Zurzeit lese ich 13 Serien gleichzeitig." Deshalb bedauert der Fan vor allem eins: "In Deutschland kann man die Mangas leider noch nicht am Zeitungskiosk kaufen."

Elke Vogel, dpa

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Zuletzt geändert am 4. Juli 2001 18:36 von mwege

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