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Klaus Kinski:Extremer Schauspieler als Poet
Buch-Tipp: Und alles nur der Hieroglyphen wegen

Der extreme Schauspieler als Poet: Frühe Gedichte von Klaus Kinski

"Demut für den großen Schoß"

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Dass Klaus Kinski mehr als ein großer Schauspieler war, hat er als Rezitator der Gedichte von François Villon und Arthur Rimbaud früh bewiesen. Dass er auch ein begnadeter Schreiber war, wissen alle, die seine Autobiographie "Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund" - den Titel übernahm er von Villons berühmtester Ballade - verschlungen haben. Und jetzt sind Kinskis frühe Gedichte auf den Markt gekommen.

Aus dem Nichts beinahe sind Gedichte von Klaus Kinski (1926-1991) aufgetaucht. Denn niemand - fast niemand - wusste, dass der orgiastische Exzentriker überhaupt gedichtet hat. Was bei der Lektüre am meisten auffällt: Kinski hat seine Verse ganz im Stile seines großen Bruders im Geiste, François Villon, gehalten. Der Titel des Werks: "Fieber, Tagebuch eines Aussätzigen."

Kostprobe:

"Mir brennt die eigne Haut wie Feuer
Und mein Blut ist wie ein unberechenbares Tier
Ich flieh vor mir und meinem Leben
und hasse mich, der mich vernichten will.
Aber ich bitte Gott um Schmerz und schweres Leben
und um Gedanken nach dem Fieber
ich will für jede Blume leiden, wenn sie lebend stirbt
und will auch immer dankbar sein, wenn es in jedem Jahre Frühling wird
und will die Kraft abwarten nach den Schmerzen.
Gott gib mir Kraft die Zwischenzeiten auszutragen - ohne Schrei
und gib mir Demut für den großen Schoß."

So schreibt nur Kinski, wie man schnell versteht, denn mit seinen Augen sieht er - wie Villon - alle Dinge umgedreht.

Im Vorwort des Gedichtbandes erläutert Kinskis langjähriger Weggefährte Thomas Harlan, wie die Verse entstanden und wie sie verschwanden. Von Frühjahr 1952 an hielten sich die beiden längere Zeit in Paris auf, wo sich Kinski einer 16-jährigen todkranken Norwegerin annahm, die seine Geliebte wurde. Für sie schrieb er, "als wolle er mit ihr das Ende teilen" (Harlan). In fieberhaften Aufwallungen hat Kinski seine Verse rezitiert, gebrüllt und geschrien.

Denn es ist ein irres Buch!

Als sich Kinski und Harlan im Sommer 1953 auf den Weg nach Israel machten, verschwanden Kinskis Verse in einem Koffer, den sie einem Freund in Paris anvertrauten. Der verlieh das Gepäckstück an zwei Studentinnen, die beide Françoise geheißen haben sollen. Zurück blieb lediglich das von Kinski entworfene Titelblatt, ein wahnsinniges Werk: Oben steht weiß auf roten Grund "Kinski", unten "Fieber", dazwischen ist das Foto eines gefesselten Gorillas zu sehen. Was für ein Bild! Der Mensch als Affe, der sich selbst gekettet hat. In der Radikalität seiner Sichtweisen erinnert Kinski bisweilen sogar an Friedrich Nietzsche.

Klaus Kinski:Fieber. Tagebuch eines Aussätzigen. Gedichte.
Hrsg. von Peter Geyer. Eichborn, 128 S. mit zahlreichen bislang nicht veröffentlichten Fotos, 49,80 DM
(ISBN 3821808551)

Wieder aufgetaucht sind die Pariser Jugendgedichte bei der Auflösung des Haushaltes einer Jugendfreundin des Schauspielers in Regensburg. Wie sie dahin kamen, weiß niemand. Ein Münchner Auktionshaus bot "Fieber" vor zwei Jahren via Internet an. Der Berliner Dokumentarfilmer Peter Geyer entdeckte den entsprechenden Eintrag, fuhr nach München und erwarb die bislang unbekannten Kinski-Verse für 3500 Mark. Geyer hat sie jetzt - rechtzeitig vor Kinskis 75. Geburtstag im Oktober veröffentlicht. Und so kann es gut sein, dass Klaus Kinskis "Fieber" bald Eingang in die Germanistik-Seminare deutscher Universitäten und in den Deutschunterricht der Schulen finden wird - als Klassiker hoher deutschsprachiger Dichtkunst. Denn es ist ein irres Buch!

Armin Thomas, Mainzer Rhein-Zeitung

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Zuletzt geändert am 12. Juli 2001 13:18 von tea

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