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Fr 20.07.2001
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Mehr als 670.000 Deutsche verlassen jährlich Deutschland für immerOhne Rückflugticket in die KaribikVor einem Jahr hat Manja Ullrich aus Gütersloh zum ersten Mal in der Dominikanischen Republik Urlaub gemacht. Heute sitzt sie wieder auf gepackten Koffern. Darin befinden sich jetzt aber nicht nur Sonnencreme und Reiseführer, sondern ihr ganzer Hausstand. Manja hat eine Entscheidung getroffen: Im September zieht sie in den Inselstaat der Karibik - und zwar für immer.
Schon nach der ersten Reise war die 29-Jährige begeistert vom Leben in der Dominikanischen Republik. "Ich war hin und weg und wäre beinahe da geblieben. Das wäre aber so ein Durchbrennen gewesen", erinnert sie sich. Einige Monate später fuhr sie erneut in das Land, um sich ihrer Absichten zu vergewissern. "Ich habe mich jeden Tag und jede Nacht damit beschäftigt. Ich konnte von nichts anderem mehr reden." Irgendwann wusste sie, dass sie in Deutschland nicht mehr leben wollte. Meistens berufliche Gründe Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden zogen 1999 mehr als 670 000 Deutsche ins Ausland. "Allein in der Dominikanischen Republik leben heute rund 24 000 deutsche Staatsbürger", so Juan Lewinek vom Generalkonsulat der Dominikanischen Republik in Hamburg. Die klassischen Einwanderungsländer sind aber nach wie vor Australien, Neuseeland, Kanada und die USA. Die meisten Auswanderer, die zu Christine Pakendorf kommen, haben berufliche Gründe. Christine Pakendorf ist Mitarbeiterin der Auswandererberatungsstelle beim Raphaels-Werk, einem katholischen Fachverband, in Hamburg. Sie wünscht sich, dass auch so genannte Aussteiger in ihre Beratung kommen würden. "Wer auswandert, sollte sich gut beraten lassen. Es geht viel schief, weil die Leute oft wenig informiert sind." Auch Fritz Quolke, der heute in der Nähe von Heidelberg wohnt, zog es vor zwei Jahren ins Ausland. Nach einem Urlaub in der Dominikanischen Republik wurde ihm ein Job als Tauchlehrer angeboten. Einkommen sollte gesichert sein Danach ging alles ganz schnell: Quolke gab seine Wohnung auf, verkaufte seine Möbel und zog mit 20 000 Mark Startkapital in die Karibik. "Zu dem Zeitpunkt war mir alles egal. Ich wollte ein komplett neues Leben anfangen", erzählt der 41-Jährige. Weil er seinen Job immer wieder wechseln musste, ging das Geld aber schnell zur Neige. Im Frühjahr kehrte Quolke nach Deutschland zurück. "Man muss sicher sein, dass man für sich aufkommen kann", mahnt Christine Pakendorf. Viele Auswanderer wüssten etwa nicht, dass man sich mit einem Touristenvisum nicht dauerhaft in einem Land niederlassen könne. Für viele Länder gebe es wiederum ausschließlich befristete Aufenthaltsgenehmigungen. "Eine sichere Zukunftsplanung ist so gar nicht möglich." Fragen wie die nach beruflichen Chancen und den Lebensbedingungen im Land können Auswanderer in der Beratung vorab klären. Allein das Raphaels-Werk unterhält 25 Beratungsstellen in Deutschland und bietet Auswanderern Informationen und Hilfe an. Ratsam ist es vor dem Auswandern auch, das Land zu bereisen und sich so ein realistisches Bild zu machen. Selbst nach guter Vorbereitung müssen Auswanderer aber mit Unwägbarkeiten rechnen. "Es kommt fast immer zu einem Kulturschock. Die vielen neuen Eindrücke zu verarbeiten, kostet viel Kraft", sagt Christine Pakendorf. Wer ins Ausland ziehen will, sollte sich daher darüber im Klaren sein, dass es auch Heimweh geben wird. Zumindest um eine Erfahrung reicher Darüber denkt auch Manja Ullrich viel nach. Dennoch möchte sie sich in jedem Fall ein Jahr Zeit nehmen, um zu entscheiden, ob sie bleiben will oder nicht. Seit mehr als sechs Monaten bereitet sie ihren Sprung ins Ausland vor. Sie lernt an der Volkshochschule Spanisch und ist noch einmal ins Land gereist, um die Arbeits- und Lebensbedingungen näher kennen zu lernen. Manja blickt zuversichtlich in die Zukunft. "Was soll schon schief gehen? Wenn es nicht klappt, bin ich um eine Erfahrung reicher und weiß, was ich beim nächsten Mal anders machen muss", sagt sie. Dennoch bleiben Zweifel: "Ich gehe davon aus, dass es am Anfang sehr schwierig sein wird." Hoffnung gibt ihr, dass sie mit einer einheimischen Freundin eine Wohnung teilen wird. Zur Sicherheit behält sie außerdem einen Wohnsitz und ein Konto in Deutschland.
Zurückkehren können Auch Christine Pakendorf findet es sinnvoll, Kontakte in die Heimat zu behalten. "Es ist ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass man immer zurück kann." Auch Fritz Quolke bereut es nicht, den Schritt ins Ausland gewagt zu haben. "Dass es nicht so gut geklappt hat, empfinde ich nicht als Niederlage", sagt er. Seine Erfahrungen möchte er daher nicht gegen eine sichere Existenz in Deutschland eintauschen. "Eines weiß ich: Ich werde hier nicht alt. Das Leben in der Dominikanischen Republik ist einfach lebenswerter." Quolke plant daher, in den nächsten Jahren wieder wegzuziehen. "Ich kann jedem empfehlen, einfach noch mal von vorne zu beginnen. Man lernt nur dazu." Thorsten Wiese, gms |
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Zuletzt geändert am 20. Juli 2001 16:31 von gus |
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