... Kokainschmuggel als Privatsache
Romantische Verklärung einer Ära
Der zeitliche Abstand ermöglicht Filmen die romantische Verklärung einer Ära: "Almost Famous" zeigte die letzten Atemzüge des Rock'n Roll, bevor aus den Musen vulgäre Groupies werden und aus dem Lebensgefühl Kommerz. "Boogie Nights" feierte das Porno-Geschäft als sinnenfrohe große Familie, deren Goldenes Zeitalter mit der Einführung von Video endet.
 Bei "Blow" kommt George in den ähnlich idealisierten späten Sechzigern nach Kalifornien und erlebt eine glückliche Zeit mit seiner großen Liebe Barbara und dem Verkauf von Marihuana. Im weichen Ton leicht verblichener Farbfotos ist diese Zeit der Unschuld festgehalten, die schlagartig endet, als Barbara stirbt und George im Gefängnis mit Kokain in Kontakt kommt. Er wird zum exklusiven US-Partner des kolumbianischen Medellin-Kartells und weiß nicht mehr wohin mit den Kartons voller Geld.
Dealer und Konsumenten aus der Mitte der Gesellschaft
Nicht nur die Konsumenten kommen aus der Mitte der Gesellschaft, wie in Steven Soderberghs oscargekröntem Drogendrama "Traffic", sondern auch die Dealer. Soderbergh verband anders als Demme die Geschichten von Abhängigen, Händlern, Polizisten und Politikern und brachte damit einen Schwung in die Geschichte, der Demme in der zweiten Hälfte von "Blow" ausgeht.
Der anfangs in den müden Farben und eingefrorenen Bildern zu erkennende Stilwille lässt nach, die Konzentration der Geschichte aufs Private führt zu leidigen Rührseligkeiten. Georges erklärende Off-Kommentare wirken ebenso überflüssig wie der verbildlichte Wunschtraum, dass ihn seine Tochter im Gefängnis besucht.
Überzeugend gespielt und perfekt gestylt
Ungeachtet seiner Schwächen ist "Blow" ein überzeugend gespielter Film mit dem jeweils perfekt zeitgemäßem Styling von drei Jahrzehnten und eine Geschichte, die dem abgenutzten Thema neue Seiten abgewinnt.
Von Nina Lepsius, dpa
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