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So 12.08.2001

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"Seelenloses Spektakel" in "Deadmonton"...

...doch die Leichtathletik lebt

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Für die Zuschauer waren Hingucker oft interessanter als sportliche Leistungen: zum Beispiel die Nägel von Gail Devers

Edmonton - Für die britische Presse war es ein "seelenloses Spektakel" in einer toten Stadt, für die kanadischen Zuschauer mitunter ein Spiel mit sieben Siegeln. Trotzdem boten die 8. Leichtathletik-Weltmeisterschaften ein buntes Unterhaltungsprogramm.

Die Knalleffekte waren allerdings dünn gesät: Marion Jones' 100-m-Niederlage gegen die Ukrainerin Shanta Pintusewitsch-Block, der 6,05-m-Höhenflug des Australiers Dmitri Markow und die kenianischen Triumphe auf den Langstrecken.

Der Erfolg heiligt die Mittel?

Es gab viel zu sehen, auch wenn die Besucher in der 83. und letzten Reihe dazu das Fernglas auspacken mussten: Unzählige attraktive Athleten und Athletinnen, dekoriert mit Sonnenbrille, geschmückt mit Tattoos oder gepiercetem Bauchnabel. In hautengen Stretchanzügen sowieso und neuerdings auch in Spikes mit Reißverschlüssen.

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14,28 Sekunden über 100 Meter: Trevor Misipeka.

Doch auch Leichtathletik ist manchmal Geschmackssache: Gail Devers zeigte ihren Rivalinnen die Krallen. Die Amerikanerin lässt ihre blaulackierten Fingernägel seit 16 Monaten wachsen. Bei ihrer Hürdensprintkollegin Swetla Dimitrowa fragten sich zwar viele, ob sie nicht besser bei den Männer hätte laufen müssen. Doch bei der Bulgarin mit den männlichen Gesichtszügen und Körperkonturen gilt wohl: Der Erfolg heiligt die Mittel.

Anzeigentafel half Publikum auf die Sprünge

Die Erfolglosesten waren manchmal am reizvollsten: "Trevor, der Elefant" aus Amerikanisch Samoa trampelte über 100 m hinterher. Die Geherin Angela Keogh von den Norfolk Inseln im Pazifik betrieb Walking und erreichte so spät das Stadion, dass die Ergebnisliste schon gedruckt war und die Kampfrichter noch schnell die Hürden beiseite räumen mussten. Omar Abdullah Al-Rawahi aus den Vereinigten Arabischen Emiraten erfand die Disziplin Hürdenhochsprung und kam über 110 m fast sechs Sekunden nach seinen Konkurrenten ins Ziel.

Das fiel sogar dem wenig fachkundigen und nicht gerade temperamentvollen, wenn auch stets freundlichem Publikum auf. Eine Medaille gewannen die kanadischen Gastgeber ja auch nur im Rahmenprogramm: Jeff Adams holte im 1500-m-Rennen der "Rollis" Silber. Damit die Fans die Finger aus den Popcorntüten nahmen, gab's auf der Anzeigentafel regelmäßige Anweisungen: "Klatschen" oder "Krach machen!". So plätscherte die WM dahin, aber wenigstens kamen die Zuschauer und die Medienvertreter mit ihrer ganzen technischen Ausrüster nicht vom Regen in die Traufe: Das Commonwealth Stadium hatte kein Dach, aber Petrus ein Einsehen mit dem größten Sportereignis des Jahres.

Versöhnung am Ende

Am Ende versöhnten sich die Kanadier sogar noch mit den Engländern: Daily Telegraph-Reporter Robert Philip, der den Begriff "Deadmonton" geprägt hatte, wurde zu einem Rundflug mit dem Hubschrauber eingeladen und fand die Stadt auf einmal "absolut schön". Das war dem örtlichen Boulevardblatt eine Titelstory wert.

dpa - Foto: dpa, Archiv

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Zuletzt geändert am 12. August 2001 16:13 von mwege

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