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"Sein anderes Leben": italienischer Bestseller um Sein und Schein

Italienischer Bestseller um Sein und Schein von Sandro Veronesi

"Ich bin doch glücklich, oder?"

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Der Autor Sandro Veronesi, in seiner Heimat Italien mit wichtigen Literaturpreisen bedacht, hat einen Roman vorgelegt, der ihn als virtuosen Beobachter ausweist.

Das Buch "Sein anderes Leben" des 41 Jahre alten Schriftstellers, das in seiner Heimat ein Bestseller ist, stellt eine gelungene Variation des Themas Sein und Schein dar, denn der Held des Buches, der Kinderbuchautor Gianni, erlebt unversehens, wie brüchig das Fundament ist, auf das er sein Dasein gegründet hat.

Papa beim KGB - Frau beim anderen Mann

Der glückliche Ehemann und liebevolle Vater wird mit zwei Tatsachen konfrontiert, sie ihn aus der Bahn zu werfen drohen: Ein dubioser Taxifahrer gibt sich als engster Freund seines kurz vorher gestorbenen Vaters aus und eröffnet ihm Wahrheiten, die Gianni zunächst nicht glauben will. Ausgerechnet sein Vater, der stramme Antikommunist, bekennende Katholik und hohe Offizier des italienischen Militärs, soll in Wirklichkeit KGB-Agent gewesen sein. Und dann erfährt der Held auch noch, dass seine Frau Anna fremd gegangen ist.

Fazit: Vollkommene Gefühle gibt es nicht

Sein innerer Monolog offenbart die ganze Palette der Gefühle, die dem Betrogenen durch Kopf und Herz gehen, auch seinen Zorn, scheinbar sinnlos selbst allen Verführungen widerstanden zu haben. Schließlich, so wütet er innerlich, habe er alles getan, das Scheitern seiner Ehe zu verhindern, "indem ich kämpfte, mich plagte und die schwierige Kunst des Herunterspielens erlernte, mir also die Fähigkeit aneignete, andere Frauen jeglicher Anziehungskraft zu entblättern, so als wären sie Zwiebeln".

Sandro Veronesi: Sein anderes Leben. Roman - C. Bertelsmann Verlag, München, 256 S., DM 40,--/Euro 20,-- (ISBN 3-570-00505-4)

Auch wenn die Geschichte von Anna und Gianni schließlich doch noch gut endet - seines Glückes ist der Held nun nicht mehr sicher und wird es auch nie mehr werden. "Es gab ein Problem", denkt Gianni, "und wir haben es gelöst, wir lieben uns, wir sind edelmütig, wenn wir fallen, helfen wir uns auf, wenn wir uns verletzen, können wir uns verzeihen, und wir werden zusammenbleiben bis zum Ende unserer Tage. Das ist doch wunderschön, oder? Ich bin doch glücklich, oder?" Gianni hat gelernt, dass es keine vollkommenen Gefühle gibt, er ist gereift.

Susanna Gilbert-Sättele, dpa

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Zuletzt geändert am 22. August 2001 16:32 von to

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