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Selbstmordattentäter werden von Hamas oder Dschihad angeworben:

Traum vom ewigen Paradies mit 72 Jungfrauen

Aboud/Westjordanland - Raid Barguti hat in eigener Entscheidung einen schrecklichen Tod gewählt. Der 26-jährige Religionslehrer zündete eine Bombe in seinem Rucksack und wurde von ihr in zahllose Stücke zerrissen. Kurz vor Auslösung der Bombe soll er gelächelt haben. Was geht in Menschen vor, die ihren eigenen Tod in Kauf nehmen, um so Tod und Verwüstung über andere zu bringen?

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In einem Buchladen in Karatschi (Pakistan) werden Bücher über Osama bin Laden verkauft. Was bringt einen Menschen dazu, dem mutmaßlichen Terroristenführer als Selbstmordattentäter Folge zu leisten?

Barguti wollte so viele Israelis wie möglich umbringen. Bei seinem Anschlag vor einer französischen Schule im Zentrum von Jerusalem wurden am 4. September 20 Israelis verletzt. Barguti ist einer von 21 Palästinensern, die sich seit Beginn des Jahres als lebende Bomben in die Luft gesprengt haben. Dabei wurden mehr als 50 Israelis getötet.

Einen Monat vor seiner Bluttat beschrieb Barguti seiner Familie, wie er sich seine künftige Ewigkeit vorstelle. "Er sagte, da gibt es 72 Jungfrauen und die Freunde des Propheten Mohammed", erinnert sich seine Mutter Samira in Aboud im Westjordanland. Besonders gefreut habe er sich auf die Begegnung mit Omar ibn Chatab, einem legendären Kalifen des siebenten Jahrhunderts.

Großzügige Zahlungen an Hinterbliebene

Die Selbstmordattentäter im Nahen Osten werden von der Hamas-Bewegung und der Organisation Islamischer Heiliger Krieg (Dschihad Islami) angeworben, die sich beide die Vernichtung Israels zum Ziel gesetzt haben. Die meisten Attentäter sind unverheiratete Männer, Mitte 20, die oft aus armen Familien kommen. Da spielen auch die großzügigen Zahlungen der militanten Organisationen an die Hinterbliebenen eine Rolle, wenn auch nicht die zentrale.

Im Mittelpunkt stehen die religiösen Motive. Mustafa Abu Sway, Professor für islamische Studien an der Al Kuds-Universität bei Jerusalem, sagt, dass der Koran "eindeutig erklärt, dass es im Himmel einen Platz gibt, der für die Propheten, die Freunde Gottes und die Märtyrer reserviert ist". Keinen Beleg gibt es aber für die Vorstellung von den 72 Jungfrauen oder für die andere volkstümlichen Vorstellung, dass ein Märtyrer 70 Angehörige mit ins Paradies nehmen kann.

Tod des Cousins als Auslöser?

Als Hamas-Mitglied sprach Barguti oft davon, zum Märtyrer zu werden. Er wollte aber auch im Januar nächsten Jahres seine 21 Jahre alte Cousine Amani heiraten und in eine neue Wohnung ziehen, die seine Familie für ihn bauen ließ. Als Auslöser für die Entscheidung zum Selbstmordanschlag vermutet die Mutter den Tod des Cousins Ala, der bei einem Zusammenstoß mit israelischen Soldaten erschossen wurde. Das Leid der Palästinenser sei so groß, dass jeder zu einer Verzweiflungstat getrieben werden könne, sagt Samira Barguti.

Auch die christlichen Palästinenser in Aboud sagen, dass sie bis zum Tod zu kämpfen bereit seien - allerdings niemals als Selbstmordattentäter. "So etwas gibt es nicht in unserer Religion", sagt der 19-jährige Jusef Sarur. "In unserer Religion ist nichts von 72 Jungfrauen geschrieben, daran glauben wir nicht."

"Wir haben keine Waffen, wir haben nur uns selbst"

In der Friedensmoschee von Aboud sagt der Prediger Scheik Wadschih Abdel Magid, der Islam verbiete es, Zivilisten zu töten. Gleichwohl betrachte er die Selbstmordanschläge als eine Taktik des armen Mannes. "Wir haben keine Waffen, wir haben keine Panzer, wir haben nur uns selbst." Weil die Israelis nicht zwischen zivilen und militärischen Zielen unterschieden, seien alle Israelis legitime Ziele. Wie die meisten im Dorf verurteilt auch der Prediger die Terroranschläge in den USA. Wenn Bin Laden der Schuldige sei, "hat er nichts mit dem Islam zu tun", sagt Abdel Magid. Auch bestreitet der 55-Jährige, dass die Geistlichen die Religion missbrauchen, um die Kinder und Jugendlichen zum Hass zu erziehen. Was aber wäre, wenn einer seiner Schüler später ein Selbstmordattentäter würde? "Ich hätte kein Problem damit."

AP - Foto: AP

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Zuletzt geändert am 17. September 2001 15:24 von aj

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