IVWPixel Zählpixel

  Kino    Musik    Lifestyle    Reise    Übersicht 

Home     Kontakt     Site Map  

Mo 08.10.2001

 Magazin

   vom 08.10.01

Mode: Flamenco und Gaucho-Romantik
Buchmesse im Schatten des Terrors
FLASH! -
Bilder des Tages

Bald im Kino: Alle Filmstarts am 11.10.
Ausstellung: Andy Warhol in Berlin
Reise-Tipp: Donuts
auf Puerto Rico

Rosenstolz: "Wir hassen Schlager"
Diana kommt als Musical auf die Bühne
Corea on Tour mit Jazz-Improvisationen
Mel C. ist wieder "Sporty Spice"


 Nachrichten



 Sport



 Internet

[an error occurred while processing this directive]

Boom der Bildung:

Wissens-Wälzer, Quizbücher und Lexika im Trend

Anklicken zum Vergrößern
Wissens- Wälzer, Quizbücher und Lexika liegen im Trend und Gründe dafür finden Verleger und Lektoren im Versagen der Schule, die Quiz- Manie im Fernsehen oder die Unübersichtlichkeit des Internets.

Bildung erlebt einen Boom auf dem Buchmarkt. Vom Wissens-Wälzer im Romankleid a la "Sophies Welt" bis zum Frage-und-Antwort-Spiel beim "Großen Testbuch der Allgemeinbildung" machen die Verlage Geschäfte mit dem neuen Wissensdurst der Deutschen.

Auch das gute alte Lexikon erobert sich die Wohnzimmer-Regale zurück. Verleger und Lektoren finden viele Gründe für den Trend: Das Versagen der Schule, die Quiz-Manie im Fernsehen, die Unübersichtlichkeit des Internets und die Rückbesinnung auf eine im Verschwinden begriffene Kultur.

"Alles, was man wissen muss"

Bestverkauftes Buch der neuen Wissens-Literatur ist wohl Dietrich Schwanitz' "Bildung", das laut Untertitel "alles, was man wissen muss" in sich vereint. Der Frankfurter Eichborn-Verlag hat den Titel nach eigenen Angaben bisher rund eine halbe Million Mal verkauft. Lektor Matthias Bischoff macht Fehler in der Schulpolitik für den Erfolg verantwortlich. Der Abschied vom Kanon dessen, "was man wissen muss", habe sich als Bumerang erwiesen. "Die eklatante Halbbildung" seiner Studenten sei für den Dozenten Schwanitz auch der Auslöser gewesen, das Buch zu schreiben.

Eine neue Sehnsucht nach Bildung sieht auch die Dortmunder Professorin für Erwachsenenbildung, Sigrid Nolda. Sie vermutet dahinter "das Bedürfnis nach Orientierung in einer Gesellschaft, in der die Bedeutung von pädagogischen Institutionen stark abgenommen hat". Die Wissens-Literatur ist erfolgreich, glaubt Nolda, weil sie portionsgerecht "einprägsame Behauptungen und klare Empfehlungen" für den Alltag gibt.

Der Internet-User schwimmt in einem Meer von Informationen

Anklicken zum Vergrößern
Nicht nur eine Gefährdung des Büchermarktes: Neue Medien wie das Internet können die Nachfrage nach Büchern auch erhöhen.

Das Gefühl, nicht genug gelernt zu haben, wird in der Welt des Internets verstärkt. "Der Internet-User schwimmt in einem Meer von Informationen, die er nicht einordnen kann. Er will wissen, was davon zählt", sagt Eichborn-Lektor Bischoff. Auch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels glaubt, das Internet habe die Welle begünstigt: "Eine Generation, die wie selbstverständlich mit dem Internet umgeht, ist näher dran an der 'Kulturtechnik Wissenserwerb'", sagt Sprecher Eugen Emmerling. Lernen macht plötzlich Spaß, geschieht praktisch ganz von alleine, spielerisch.

Spielerisch gehen auch die zahlreichen Fernseh-Quiz-Shows mit Allgemeinwissen um. Günther Jauchs "Wer wird Millionär?" hat den Trend noch verstärkt. Vom Bedürfnis nach schnell konsumierbaren Wissenhäppchen profitieren vor allem die klassischen Lexikonverlage. Unter seinen Marken Duden und Brockhaus bringt das Bibliographische Institut seinen Wissensschatz in immer neuen Nachschlagewerken unters Volk.

Quiz-Euphorie - Spielerischer Wissens-Spaß

Vor allem das untere Preissegment boome gewaltig, berichtet Brockhaus- und Duden-Pressechef Klaus Holoch, wobei er wie seine Kollegen keine Umsatzzahlen oder Auflagenhöhen nennen will. "Die ein- bis fünfbändigen Lexika profitieren total von der Quiz-Euphorie." Der Verlag bringt "Wissenshäppchen so auf den Markt, wie sie den Menschen schmecken": vom populären Nachschlagewerk zu einzelnen Themen über Rate-Bücher bis zum goldgebundenen Brockhaus in 24 Bänden - "der Mutter aller Quiz-Fragen", wie Holoch sagt.

Ein ganz anderes Konzept verfolgt der Carl Hanser Verlag, der sein Philosophiebuch "Sophies Welt" seit 1993 rund zwei Millionen verkauft haben will. Der Verlag schickte eine ganze Reihe ähnlich aufgemachter Jugendliteratur nach - über Theologie, Mathematik und Kunstgeschichte. Gemeinsam ist ihnen die Einbindung des Wissens in eine Geschichte. "Je näher die Bücher am Romanhaften waren, desto besser haben sie sich verkauft", heißt es bei Hanser.

Anklicken zum Vergrößern
Immer noch liefern Bücher Antworten auf die unausgesprochene Frage "Woher komme ich und wer bin ich?".

Festhalten an kulturellen Werten

Der enorme Erfolg solcher einordnender Bildungsbücher ist ein Indiz dafür, dass die Gründe doch tiefer liegen. Die Oberfläche des Trends sind die Fernseh- und Computerbildschirme, ihr Hintergrund ist vielleicht eine gesellschaftliche Unsicherheit. Kann ich mit meinem Wissensstand jederzeit einen neuen Job finden? Kann ich in Gesellschaft mit gelehrten Party-Plaudereien brillieren?

In Zeiten der Unsicherheit will man sich an seiner Kultur und ihren Werten festhalten, glaubt Emmerling. Er deutet den Trend als "Rückversicherung und Selbstvergewisserung", eine Suche nach Antworten auf die unausgesprochene Frage "Woher komme ich und wer bin ich?" Dass nach dem Terror-Angriff auf die USA plötzlich der Koran und Islam-Bücher in vielen Läden ausverkauft waren, ist ein weiteres Indiz für den neuen Hunger nach Wissen.

Sandra Trauner, dpa

Zum SeitenanfangZum Seitenanfang

 Suche in RZ-Online

 RZ

Web


 Was läuft im Kino? 

 Was läuft sonst? 



»RZ-Special:
Motorrad 2001



Zuletzt geändert am 8. Oktober 2001 12:01 von hej

» Artikel druckenDruckversion
» Schriftgröße einstellen
» Impressum