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Isabelle Huppert als provozierende "Klavierspielerin" im Kino

Obszön, nicht pornografisch

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Isabelle Huppert spielt in "Die Klavierspielerin" die Rolle der Musikdozentin Erika Kohut

Michael Haneke und Elfriede Jelinek: Diese beiden Köpfe der österreichischen Kulturszene stehen seit Jahren für kompromisslose Themen und Provokation, für das grelle Ausleuchten psychischer Abgründe.

Mit seinem Film "Die Klavierspielerin" hat der Regisseur Haneke nun jenes Buch der Autorin Jelinek fürs Kino umgesetzt, das für immer mit dem Etikett "Skandalroman" behaftet sein wird. Doch herausgekommen ist keine Pornografie für Intellektuelle, sondern ein ergreifendes Kunstwerk über eine Frau, die ihr Begehren nur als verzweifelte Perversion leben kann: Eine große und herausfordernde Rolle für Frankreichs Star Isabelle Huppert.

Die Story erzählt von der Klavierlehrerin Erika, die auch mit 40 Jahren unter dem strengen Regiment ihrer extrem ehrgeizigen Mutter (Annie Girardot) lebt. Die Mutter kontrolliert die Tochter total. Die Tochter gehorcht äußerlich. Sie flieht aber in geheimen Voyeurismus und masochistische Selbstverletzungen - eine Art der Rebellion gegen den Kontrollverlust über ihre eigenen Gefühle und ihren Körper. Die Eskalation ist vorhersehbar, als sich ein attraktiver und ungewöhnlich selbstbewusster Schüler in Erika verliebt. Sie wehrt ihn nicht wirklich ab, sondern versucht, ihm ihre sado-masochistischen Bedingungen zu diktieren. Eine zerstörerische gegenseitige Verführung und ein wahnsinniger Kampf um Selbstbehauptung, Macht und Unterwerfung beginnen.

"Die Klavierspielerin" geht tief unter die Haut

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Erika Kohut (Isabelle Huppert, li. ) ist eine Frau Anfang vierzig, die sich immer noch von ihrer Mutter (Annie Girardot) dominieren lässt.

Mit beinahe dezentem Blick hat Haneke die Romanhandlung umgesetzt. "Die Klavierspielerin" geht tief unter die Haut, verzichtet bei aller Extremität und Radikalität aber auf wirkliche Schocks. "Ich wollte einen obszönen Film drehen, aber keinen pornografischen", sagte Haneke bei den Filmfestspielen in Cannes, wo er mit seiner französisch-sprachigen Produktion den Spezialpreis der Jury bekommen hat. Elfriede Jelinek habe ihm "alle Freiheiten gegeben".

Eine wunderbare Isabelle Huppert

Ohne die Hingabe von Isabelle Huppert an die Figur der Erika wäre "Die Klavierspielerin" kaum vorstellbar. Sie gibt diese schwierige Frau auch dann nicht der Lächerlichkeit preis, wenn sie in einer Porno-Videokabine an gebrauchten Wisch-und-Weg-Tüchern schnüffelt oder ihrem Liebhaber mit monotoner Stimme ihre bizarren erotischen Unterwerfungsfantasien diktiert. Erstarrung und Einsamkeit, gewaltige Entschlossenheit und vollkommene Selbstauflösung zeigt sie mit minimalen Gesten und stummen Blicken. Offensichtlich wenig eingeschüchtert von der Kunst seiner Partnerin kann sich aber auch der junge Benoit Magimel als Klavierschüler Walter neben Huppert beeindruckend behaupten. Beide wurden dieses Jahr in Cannes auch für die beste darstellerische Leistung ausgezeichnet.

Die Schriftstellerin Jelinek scheint mit der Leinwandversion ihres 1986 erschienenen Buches durchaus einverstanden zu sein. "Die Brutalität der Bilder geht mir sehr nah. Ich kann den Film nur schwer aushalten. Er hat ja sehr viel mit mir zu tun und trägt auch autobiografische Züge", sagte sie in Wien.

Karin Zintz, dpa

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Zuletzt geändert am 9. Oktober 2001 11:21 von tea

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