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Davenport besiegt Henin - Saison für verletzte Hingis beendet

Capriati genießt und will vergessen

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Capriati auf Nummer eins: "Früher im Traum nicht daran gedacht."

Filderstadt - Für Jennifer Capriati war es das ultimative Happyend einer unglaublichen Rückkehr, für Martina Hingis das schmerzhafte Ende der Saison, für Lindsay Davenport der fünfte Turniersieg in diesem Jahr: Australian- und French-Open-Siegerin Capriati ist nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand die "wahre" Nummer eins, sondern hat die schwächelnde Hingis nach 73-wöchiger Regentschaft jetzt auch offiziell vom Thron gestoßen.

Das Halbfinal-Aus für Hingis, für die nach einem Bänderriss im Fuß und der am Sonntag folgenden Operation in Zürich die Saison beendet ist, schuf am Wochenende in Filderstadt die neuen Fakten im Damentennis. Mit dem Finale am Sonntag hatten weder Hingis noch Capriati etwas zu tun: Lindsay Davenport (USA) sicherte sich mit einem ungefährdeten 7:5, 6:4 gegen Wimbledonfinalistin Justine Henin ihren fünften Titel in diesem Jahr.

Am Ziel ihrer Wünsche

Jennifer Capriati wähnte sich derweil am Ziel ihrer Wünsche. "Ich habe früher nicht im Traum daran gedacht, am Ende meiner Karriere sagen zu können, dass ich mal die Nummer eins war", erklärte die 25-Jährige, die sieben Jahre nach ihrem Abstieg zum Schmuddelkind mit Drogen-Konsum, Ladendiebstahl und diversen Verhaftungen endlich auf dem Gipfel steht.

Ihren Anspruch auf die Spitze hatte die Tochter des gebürtigen Italieners und früheren Rettungsschwimmers Stefano Capriati bereits durch den Sieg in ihrem ersten Grand-Slam-Finale in Melbourne gegen Hingis angemeldet. Damit ist das einst so tief abgestürzte Tennis-Wunderkind Capriati die neunte Spielerin, die die Spitze der 1975 eingeführten Bestenliste erobert. "Ich habe mich nie großartig mit dieser Frage beschäftigt. Aber ich habe gewusst, wenn es passiert, wird es einfach toll sein", betonte Capriati. In Filderstadt kam zwar bereits im Viertelfinale gegen die Französin Sandrine Testud (6:2, 3:6, 3:6) das Aus, doch die Krönung ihrer sportlichen Wiederauferstehung, die 1996 begann, erfolgte trotzdem.

Im wahrsten Sinne des Wortes in die Knie

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Lindsay Davenport (r) sicherte sich mit einem ungefährdeten 7:5, 6:4 gegen Wimbledonfinalistin Justine Henin (l) ihren fünften Titel in diesem Jahr.

Fast symptomatisch, dass Hingis vor dem Führungswechsel im wahrsten Sinne des Wortes in die Knie ging. Die 21-Jährige knickte im Halbfinale gegen Lindsay Davenport (USA) beim Stand von 1:2 um und erlitt dabei einen doppelten Bänderriss im rechten Fußgelenk. "Ich hörte zweimal ein lautes Knacken, danach hatte ich starke Schmerzen und merkte, dass alles anschwoll", sagte Hingis, die am Sonntagmorgen um 10.00 Uhr in Zürich von Dr. Heinz Bühlmann operiert wurde.

Nach dem unrühmlichen Ende einer durchwachsenen Saison, in der sie seit Februar auf einen weiteren Turniersieg wartete, erwies sich Hingis, die insgesamt 203 Wochen an der Spitze stand, als faire Verliererin. "Wenn Jennifer Ende des Jahres die Nummer eins ist, hat sie es auch verdient. Ich habe gewusst, dass es fast unmöglich ist, meine Position bis zum Jahreswechsel zu verteidigen", meinte die vierfache Filderstadt-Siegerin.

Capriati: "Und wenn es nur für einen Tag ist"

An die Dauer ihrer Regentschaft verschwendet Capriati, die in der kommenden Woche in Zürich antritt, derzeit keinen Gedanken. "Und wenn es nur für einen Tag ist, ich bin einfach nur glücklich". Die Story vom ehemaligen "Jenny-Baby", das mit 16 Jahren durch einen Finalerfolg gegen Steffi Graf 1992 in Barcelona Olympiasiegerin wurde und dessen erstes Leben als Tennisspielerin im Kreis einer Drogen-Clique in einem schäbigen Motel in Florida endete, ist um ein weiteres Kapitel reicher. Und die Hoffnung von "Jenny-Lady", die dunkle Vergangenheit endlich hinter sich lassen zu können, hat sich bereits erfüllt.

sid - Fotos: dpa, AP

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Zuletzt geändert am 14. Oktober 2001 16:36 von aj

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